"Und was gehört zu diesem Waldbesitz alles dazu?"(1)


Interview mit Dr. Ernst und Helga Spurny (St. Margarethen/Marjeta, Oberdörfl/Z-Gornja Vesca am 18. August 1978)

Inteviewer: ein Mitglied des Solkom (Solidaritätskomitee) Klagenfurt/Celovec


SOLKOM: Größe der Gemeinde?


Dr. Spurny: Der Bevölkerung nach etwa 1.000. Und angeblich  seit vielen Jahren dieselbe Zahl. Zu St. Margareten gehört: Oberdörfl, Niederdörfl, Gupf, Gottschuchen, Triblach, Dobrowa, Dullach, Hintergupf und  andere Ortschaften. Die Leute betreiben hier hauptsächlich Landwirtschaft,  Kleinhäusler könnte man sagen. Über die Besitzstruktur könnte man etwas am  Katasteramt in Ferlach erfahren.

Gut Auskunft könnte auch der Gemeindesekretär geben, weil der ja alles kennt.  Sablatschan heißt er.

Es sind ein paar Bauern, von denen man sagen könnte, dass sie sich selber  erhalten, die wirlich als Bauern existieren können. Ich glaube, ab 30 ha kann man hier sagen, dass ein Bauernbetrieb so ist, dass er sich selber erhalten kann, mit 10 Kühen oder so.

Hier gibt es ca. 8 solche Bauern, da ist am Kleinobir der Hans (gehört aber vielleicht in die nächste Gemeinde oder Ortschaft Abtei), Tomel, Struger ist auch so ein mittlerer Bauer (der hat 12 - 15 Kühe), am Gupf oben der Bölk und der Vouk, der Größener (also die müssen nicht gehen, Frau, Kinder, eventuell Geschwister am Hof), Schuster, Wolte, Ibonnig. Das sind die mittleren Bauern  hier bei uns in Oberdörfl und Niederdörfl. Von St. Margareten/marjeta selber würde auf jeden Fall noch der Woschitz (sein Sohn ist der jetzige Hochschulseelsorger an der Uni Klagenfurt/Celovec) dazukommen und der Bechan.

Die anderen alle haben schon ein wenig Nebenerwerb. Ja und da ist noch der Tautscher, der hat nur 2 - 3 Kühe und er lebt davon und er geht nicht arbeiten.  Ich würde sagen, ein Kleinbauer.

Aber es kommt auch bei den Mittelbetrieben vor (z.B. der Dommel), dass sie noch zusätzliche Arbeiten haben.


 

St. Margareten im Rosental/Smarjeta v Rozu

43,98 km2

1124 Einwohner

21 Familien leben ausschließlich von Landwirtschaft

70% aller Arbeiter sind gezwungen zu pendeln

Einzige Beschäftigungsmöglichkeit in der Gemeinde:

2 Geschäfte

1 Bauunternehmen

1 Raiffeisenkasse

1 größerer Waldbesitz (Lasch)

Politische Zusammensetzung des Gemeinderates:

ÖVP 8 (Bürgermeister)

SPÖ 6

KPÖ 1

SL 1 (Slowenische Liste)

Kultur- und Jugendleben sehr schwach entwickelt:

Landjugendgruppe

Gesangsverein

Volksmusiktrio Ibounig


In der Gemeinde kein Kindergarten, weil angeblich zu wenig Geld. Obwohl  sich der dortige Pfarrer bereit erklärt hat, Raum im Pfarrhof zur Verfügung zu  stellen und die dortige Caritas sich bereit erklärt hat, diesen finanziell zu erhalten, gibt der Bürgermeister keinen Auftrag, da diese beiden als  Vorbedingung zweisprachige Erziehung machen.

Dommel z.B. führt die Milch, er ist also Angestellter in dem Molkereiverband.  Die suchen sich alle zusätzlich noch einen Nebenverdienst. Dieser Dommel z.B. geht im Winter auch für Lasch (Großgrundbesitz) in den Wald schlägern. Man könnte sagen, dass diese sehr fleißigen Leute praktisch zwei, drei Berufe  gleichzeitig ausüben. Bauer, Holzarbeiter, und zusätzlich führt er die Milch. Und so gibt es welche, die gehen zusätzlich in die KESTAG. Die haben ihre 48  oder 45 Stunden - Woche und nebenbei haben sie noch eine Bauernwirtschaft. Auch der Komposch, mit dem ich da heut gesprochen habe, ist ein Bauer, der in die KESTAG geht.

Was so ein Betrieb abwirft, kann ich überhaupt nicht sagen.

Die in der KESTAG verdienen auf keinen Fall mehr als 50,-/Stunde. Mit Zulagen  und Schicht kommen sie vielleicht etwas über 10.000,- netto.

SOLKOM:Sind euch da noch andere Betriebe bekannt, wohin die Leute hier aus der Gemeinde hin auspendeln?

Dr. Spurny: Es gibt ein paar, die fahren zu Philips nach  Klagenfurt, und dann sind manche, wie z.B. der Jerney, die sind Straßenarbeiter. Die werden mit einem Kleinbus abgeholt und am Abend zurückgeholt. Die fahren zu  Baufirmen. Frauen pendeln unseres Wissens nicht viele, die meisten sind zu  Hause, die führen meist die Wirtschaft, auch die kleinen Häuser haben meist eine  kleine Wirtschaft, Kleinvieh, ein oder zwei Schweine.

Im Krankenhaus arbeiten welche als Schwestern (da war die junge Graschitz, die jetzt geheiratet hat), eine ist die Tochter vom Baupolier Jaklitsch, die ist qualifizierte Schwester in der Kieferstation, z.B. war auch die Doris, die Kleine vom Nagu, bei der Bank in Klagenfurt. Unverheiratete meistens.

SOLKOM:Habt ihr da Informationen, ob diese Höfe verschuldet sind?

Dr. Spurny: Das glaube ich fast nicht, wenn, dann Ausnahmen. Der Nagu z.B., aber das sind, so glaube ich, Ausnahmen, und zwar solche, die im  Lauf der Zeit eben zuwenig Kapital gehabt haben, um einen Bauernhof wirklich  wirtschaftlich zu führen, denn dazu brauchen die ja wirklich Maschinen, Geräte, Traktoren. Wenn ein Bauer da einmal nicht mitkann, dann kann er dann auch nicht  so viel produzieren., dass er wirklich einen Gewinn davon hat, dann wirds so, dass sie sich einschränken, oder verkaufen - möglicherweise auch, weil sie Hypothek  haben. Der Pestritz war verschuldet, der hat Gründe verkauft. Also anscheinend gibt es doch Bauern, die zuerst verschuldet sind und dann verkaufen. Da ist z.B.  einer - der Nagu - ich schätze ihn auf 25 ha, und der ist ein sehr intelligenter und tüchtiger Bauer, der aber nie so groß geworden ist, dass er mehr wäre als ein  Selbstversorger.

SOLKOM:Was wird von diesen Bauern hauptsächlich produziert?

Dr. Spurny: Wenns große Bauern sind, hauptsächlich Milch,  eventuell Fleisch (Rinder und Schweinfleisch). Schweine werden eher nur zum Eigenbedarf gezüchtet. Wenn allerdings ein größerer Bauer, wie der Woschitz z.B. 10 - 15 Schweine hat, wird er schon verkaufen.

Holz, die meisten Bauern da haben relativ viel Wald, von den größeren Bauern zumindest. Getreide, Mais und Kartoffel werden wahrscheinlich auch noch von den Bauern verkauft.

SOLKOM:Wird das in erster Linie an ein Lagerhaus oder an eine Genossenschaft verkauft? Pobechan z.B. die verkaufen nur individuell. Die haben ihre Kundschaft z.B. in Ferlach.

Dr. Spurny:Aber es gibt z.B. auch eine slowenische  Genossenschaft hier im Ort. Mit einer slowenischen Bank auch hier im Ort. Die  ist nicht an der Hauptdurchzugsstraße hier, das ist die Volksbank, diese  slowenische Bank und Genossenschaft ist direkt beim Friedhof. Mit denen könnten wir auch einmal reden. Da ist immer vormittags jemand da. Janschitz glaube ich, heißt er. Über die Mitgliederzahl dieser Genossenschaft weiß ich leider nicht Bescheid. Ich glaube, dass diese Genossenschaft eher Futtermittel und Düngemittel  kauft und die Bauern das dann kaufen. Auch geben sie Kredite, und mann kann dort sparen.

In St. Margareten/marjeta ist das unseres Wissens die einzige slowenische  Organisation, es gibt hier keinen Kulturverband, keinen Jugendverband.

Bewusste Slowenen? Ich weiß z.B. dass der Campingplatzbesitzer Wernig seine Töchter ins slowenische Gymnasium schickt, die singen auch slowenisch.

Es gibt schon einige Leute, die ihre Muttersprache - ich weiß nicht ob sie slowenisch oder windisch sagen würden - nicht aufgeben, und die sich auch zu diesem slowenischem Volkstum bekennen.

Heute habe ich erst mit jemandem hier aus der Gemeinde gesprochen, und der hat erzählt, dass die Arbeit in der KESTAG (Kärntner Eisen-  und Stahlwerke AG) sehr schwer ist. Erstens sind sie gedrängt durch den Arbeitsfluss, recht rasch zu arbeiten, und dann haben sie schwere Arbeit; obwohl Kräne und Laufkatzen vorhanden sind, müssen sie doch sehr schwere Lasten heben,  und auch bei dem Eisenbiegen, das soll sehr anstrengend sein. Wie der Bürgermeister auch selber gesagt hat, er hat Erfahrung damit, weil er eben diese Sachen dann bearbeiten muss, mit 55 Jahren sind die schon Frührentner alle, weil  sie von der Arbeit so überfordert sind. Der eine, mit dem ich da geredet habe, hat sich einen Bruch gehoben bei der Arbeit und der andere, der Komposch, der  hat eine Nervenentzündung in den Armen, sodass er nichts mehr heben konnte. Also  die sind effektiv durch die Arbeit so gefährdet und geschädigt, dass sie verbraucht sind.

SOLKOM:Was hat da der Bürgermeister damit zu tun?

Dr. Spurny: Ja wenn die Frührenten einreichen, dann ist die Gemeinde zuständig, dass da Gutachten und Befürwortungen geschrieben werden. Jedenfalls der Bürgermeister weiß darüber Bescheid, dass von der Gemeinde viele  Arbeiter in der KESTAG arbeiten, und dass gerade von diesen Arbeitern ein hoher Prozentsatz in die Frührente geschickt wird.

SOLKOM:Wieviel fahren ca. in die KESTAG?

Dr. Spurny: Ich kenn einige. Hansi Struga, Volti Domey ...

Der Bürgermeister heißt Plahsnig. Er ist von Beruf ... Eigentlich hat er einen Bauernbesitz, und jetzt ist er auch zusätzlich Bankbeamter. Den  Bauernbesitz hat er ziemlich reduzieren müssen, er hat ein paar Versuche  gemacht, einmal mit Hühnerfarm, aber das hat anscheinend alles nicht so richtig geklappt, jetzt hat er halt eine sichere Existenz, indem er die Bankfiliale hier in St. Margareten/marjeta leitet. Die Volksbank. Aber so von der Geschichte her  ist der Plahsnig einer jener Bauern, die seit Jahrhunderten in derselben  Familie. Das ist so diese Bauernaristokratie.

SOLKOM:Wieviele Gemeinderäte gibt es hier im Ort?

Dr. Spurny:Ich glaube 12. Einer ist bei der KPÖ - meines  Wissens - die ÖVP hat die Mehrheit. Sie stellt auch den Bürgermeister. Wie ich  schon erwähnt habe, er heißt Plahsnig. Die können alle slowenisch. Die jetzige  Elterngeneration, Leute, die um die Fünfzig sind, die können alle slowenisch. Viele haben erst so richtig Deutsch in der Wehrmacht gelernt. Viele sind als  Germanisierte aus dem Krieg zurückgekommen, einige sind noch heute stolz darauf. Die Wehrmacht und ihre Bedeutung beim Zersetzungsprozess des slowenischen Bewusstseins überhaupt des demokratischen Bewusstseins müsste man extra einmal besprechen. Andererseits hat es auch in dieser Gemeinde rege Partisanentätigkeit  gegeben. Etliche sind auch zu den Partisanen gegangen.

Die Jugend hier hat meist nur soviel slowenisch gelernt, als im Elternhaus gesprochen wurde, und das ist immer weniger geworden.

Wir kennen Familien, wo die Eltern noch sehr gut slowenisch sprechen und auch  untereinander - besonders in solchen Bereichen, wo es gefühlsbetont ist - da sprechen sie sehr gerne slowenisch, weil es ja noch das Ursprünglichere für sie ist, aber die Kinder können manchmal schon nicht mehr die Sprache ihrer Eltern. Oft verstehen die Kinder schon noch die Sprache ihrer Eltern, aber sie reden diese Sprache nicht.

SOLKOM:Aus welchen Gründen?

Dr. Spurny: Zum Teil ist es mit der Mobilität gekommen. Die Kinder gehen beispielsweise in Ferlach in die Schule, manche sogar in  Klagenfurt. Sie haben meist auch eine Lehre in Klagenfurt. Mit den Kleinkindern war es eine Zeitlang so, dass die Leute sich zum Teil sicher überreden haben lassen, zu meinen, die Kindern brauchen nicht mehr slowenisch. Da haben sicher die Lehrer etwas mitgespielt. Zum Teil war es bei den Lehrern sicher  Bequemlichkeit, zum Teil auch ihre Einstellung zum Slowenischen. Es wurde von  den Lehrern nicht so gefördert, dass die Kinder zum Slowenischunterricht gehen.  Es war eher so, dass die Lehrer den Eltern geraten haben, die Kinder nicht zum Slowenischunterricht zu schicken. Auch geniert haben sich die Leute. Wenn man  gefragt hat, warum die Eltern die Kinder zum Slowenischunterricht geben, haben  sie das gesagt:" Naja, es sind ja nur wenige Anmeldungen für Slowenisch" und dann haben sie eine Scheu gehabt, weil sie fürchteten, dass das Leute kritisieren  und sagen "Der geht in den Slowenischunterricht". Und in dem Sinn habe ich auch  den Eindruck, dass diese Leute immer etwas diskriminiert wurden, die ihre Kinder  zum Slowenischunterricht geschickt haben.

SOLKOM: Du erzähltest kürzlich die Geschichte einer Lehrerin, die hier im Ort einen gewissen Einfluss hat.

Dr. Spurny: Ja, jetzt vertritt sie den Direktor der Volksschule. Sie ist schon jahrelang hier in diesem Ort und geht in diesem Jahr in Pension. Sicherlich war diese Lehrerin auch bestimmend für diese Entwicklung  hier im Ort. Sie kann auch slowenisch. Sogar eine Prüfung musste sie einmal ablegen. Denn es hat da einen Erlass gegeben, dass die Lehrer hier im zweisprachigen Gebiet auch slowenisch können müssen. Sie ist Lehrerin hier im  Ort mindestens seit 1950. Es hat schon sehr früh begonnen, dass man das Slowenische auch in der Schule in den Hintergrund gedrängt hat. Es wurde oft  gesagt, dass das Slowenische nicht notwendig und wichtig ist. Und es ist  jahrelang so gelaufen, dass überhaupt keine zweisprachiger Unterricht geführt wurde. Da waren dann Kinder in der ersten Klasse, und dann lautete die Frage:  "Wer will in den Slowenischunterricht gehen?" und es hat sich niemand gemeldet. Ich glaube, dass da die Lehrer schon einen Einfluss genommen haben, sogar zu den Eltern gegangen sind und gesagt haben: "Warum wollen Sie denn ihr Kind  slowenisch unterrichten lassen, das ist doch unnötig".

SOLKOM:Seit wann bist du da im Ort?

Dr. Spurny: Ich war das erste Mal 1934 da, und dann bin ich einige Jahre im Sommer da gewesen, ich habe damals schon viele Leute gekannt und habe auch schon mit vielen Kindern Freundschaft gehabt, mit denen ich sozusagen  lebe. Die haben alle slowenisch gesprochen. Und die haben auch in der Schule  Slowenisch gehabt. Es war so, dass fast alles ausschließlich Slowenisch war. Ich habe nicht Slowenisch gekonnt und habe oft Schwierigkeiten gehabt, jemanden zu  finden, der Deutsch gesprochen hat. Die Kinder haben schon auch Deutsch gesprochen damals, sie haben ja in der Schule schon auch Deutsch gelernt. Aber Heimatsprache, Familiensprache war Slowenisch. Mit all den Kindern mit denen ich  gespielt habe, ist zu Hause fast nur Slowenisch gesprochen worden. Aber da war  eine unheimlich rasante Entwicklung. Damals hat es kein elektrisches Licht  gegeben, und der Autobus ist zweimal in der Woche hergekommen. Also, dass war so  wie eine Sackgasse, das ganze Dorf. Das hat sich alles ganz stark geändert. Die damaligen Bauernhäuser waren alle so, dass eine schwarze Kuchl drinnen war, und  in allen Dingen des Lebens war das wirklich ganz primitiv. Und inzwischen ist ja - im Vergleich zu damals ­ der Wohlstand eingezogen.

SOLKOM:Hat man hier in der Gemeinde oder in Ferlach oder in Klagenfurt, wenn man am Amt zu tun hat die Möglichkeit, Slowenisch zu  reden?

Dr. Spurny: Ja, hier im Ort sicher. Die Möglichkeit hat man  ganz bestimmt. Ich weiß nicht, ob die Gemeindebeamten in Ferlach alle Slowenisch können. Ich würde es schon vermuten. Und wenn sie es nicht können sollten, so  hast du sicher die Möglichkeit, dass du dort jemanden findest, der eben übersetzt, dolmetscht, die Anliegen vertritt.

Aber zurück zum vorher Gesagten. Und da gab es schon vor Achtunddreißig gewisse Tendenzen, die waren nazistisch. Man hat sich von Deutschland viel erwartet. Es hat damals schon Leute gegeben, die schon irgendwie für den Anschluss waren. Es hat Leute gegeben, die haben dann auf so Fratten (...) Hakenkreuze mit Benzin gezeichnet und angezündet, sodass am Abend dann ein Hakenkreuz gebrannt hat. Das ist nicht oft vorgekommen, aber es ist vorgekommen. Und es war dann auch so kurz nach Achtunddreißig, war ein gewisser Teil der Bevölkerung nazistisch. Und das hat sich auch insofern ausgewirkt, als zum Beispiel die Bürgermeister Parteigenossen waren, und das hat sich sicherlich im Schulwesen (...) ­ so ausgewirkt, dass der Akzent aufs Deutsche gelegt wurde.

SOLKOM: Gibt es da in der Gemeinde Großgrundbesitz?

Dr. Spurny: Nur dieser eine Helldorf, jetzt Lasch-Besitz. Ich weiß nicht, ob man den Großgrundbesitz nennen kann - ich glaube, der Besitz hat an die fünfhundert Hektar. Hauptsächlich Wald.

Soviel ich weiß, war das ein Heiratsgut für eine geborene Helldorf - die dann  den Primarius Lasch geheiratet hat. Das ist eine gräfliche Familie. Ich glaube, die sind in der Steiermark zuhause und waren dort Großgrundbesitzer. Da gibt es einen Kalender, der die Großgrundbesitzer in Österreich aufzeigt, und da war dann - ich weiß nicht, ob das heute noch so ist, denn die Familie ist dann ziemlich verarmt - vermerkt, dass die in der Steiermark wirklich  Großgrundbesitzer waren.So hinter diese - ich weiß nicht, wie diese steirischen  Großgrundbesitzer heißen - ganz großen gleich. Die haben aber dort so an die Fünftausend Hektar. Und dann hat sich das irgendwie geteilt und da waren drei Brüder - Vater und Mutter, die diesen Besitz verwaltet haben, sind sehr früh gestorben - die Kinder haben einen Vormund gekriegt und dann ist das irgendwie ziemlich zusammengeschmolzen. Zwei sind im Krieg gefallen - wenn ich mich nicht  täusche - und einer ist nach Amerika ausgewandert.

SOLKOM:Und diese Helldorftochter hat den Lasch  geheiratet?

Dr. Spurny: Ja, die hat einen Arzt geheiratet, der dann Primar in Villach geworden ist. Und die hat diesen Besitz in die Ehe mitgebracht, diesen Waldbesitz da.

SOLKOM:Und was gehört zu diesen Waldbesitz alles  dazu?

Dr. Spurny: Du, soviel ich weiß nur Wald. Damals war auch schon ein Sägewerk dabei, und bei dem Sägewerk da waren noch so zirka fünfzehn Leute als Arbeiter.

SOLKOM: Und wer ist jetzt Verwalter drauf? Ist der ein Slowene?

Dr. Spurny: Nein, überhaupt nicht. Ich glaube, er kann auch nicht slowenisch. Und der hat diese Lehrerin geheiratet.

SOLKOM: Die Lehrerin, die da von Haus zu Haus ...

Dr. Spurny: Ja - ich weiß nicht, ob man das so hervorheben  kann, aber sie hats bestimmt gemacht. Sie ist schon irgendwie zu den Familien gegangen und hat da einen "guten Rat" gegeben.

SOLKOM: Wie hat der ausgeschaut, der "gute Rat"?

Dr. Spurny: Naja, dass sie gesagt hat: "Warum schicken sie  ihre Kinder in den Slowenischunterricht? Ist ja nicht notwendig. Die Zukunft liegt nicht in dem." Und so. Es kann auch sein, dass sie selber das als Belastung  empfunden hat, wenn sie zweisprachig unterrichten soll. Und vielleicht war das  einfach - Sie macht ja selber auch kein Hehl daraus, wenn du mit ihr redest, sie  war beim "Bedeem" (BDM - Bund Deutscher Mädchen, Jugendorganisation während der Nazizeit), und mit Leib und Seele Lehrerin, wie sie selber sagt.

Jedenfalls weiß ich, dass sie nach Fünfundvierzig eine Zeit lang den Beruf nicht ausüben konnte. Und da hat sie der Lasch dann so als Hauslehrerin zu sich  genommen. Und da hat sie dann den Petraschko kennengelernt, weil der sowas wie  Adjunkt in diesem Forstbesitz war. Und die haben sich da kennengelernt und haben  dann geheiratet.



1. Das Gespräch mit Dr. Spurny führte Helmut Stockhammer. Es wurde veröffentlicht in: Einheit/Enotnost Jedinstvo Egység Svornost, Zeitung für die Rechte der Minderheiten - Herausgegeben vom Redaktionskomitee der Komitees und der Initiativgruppe für die Rechte der Minderheiten in Österreich. Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Grazer  Solidaritätskomitee für die Rechte der Minderheiten in Österreich. Jahrgang 1 -  Nr. 2, Wien 10/1978, S. 3 - 7.

Interview mit Dr. Spurny

Gestaltung und Bearbeitung by Petra Hafner &
Daniela Czell

Video im real player format auf http://kanalb.de/index.php
.
siehe auch:
deportation-class.com

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