3.2 DER PSYCHOANALYTISCHE BEITRAG ZU EINER THEORIE KREATIVITÄTSFÖRDERNDER SOZIALISATIONSPROZESSE


Psychoanalyse wird im Kontext dieser Arbeit zum größten Teil als Sozialwissenschaft verstanden. Dies findet seinen Grund nicht nur darin, dass eine Reihe von Psychoanalytikern diese explizit als solche betreiben und verstehen(71), sondern auch in der unentbehrlichen Hilfe die die Psychoanalyse für den  sozialwissenschaftlichen Umgang mit den Wechselwirkungen von Individuum und Gesellschaft ist. Diese Interdependenz wird ja gerade an dem in dieser Arbeit thematisch gewordenen Problem der Kreativität, insbesondere der sozialen Kreativität, deutlich. Psychoanalyse ist für eine sozialwissenschaftliche Erklärung der kreativitätsermöglichenden Rollensysteme ein Begriff, den wir hier vorwegnehmen und den zu entwickeln erst Aufgabe dieser Arbeit ist - nicht nur  eine "ansehnliche Hilfe" wie Freud meinte - sondern für die Erstellung kreativitätsermöglichender Gesprächssituationen unentbehrlich. Freud selbst hat die Notwendigkeit der Hinwendung der Psychoanalyse zu den Sozialwissenschaften erkannt wenn er schreibt: "Wir halten es nämlich gar nicht für wünschenswert, dass die Psychoanalyse von der Medizin verschluckt werde und dann ihre endgültige Ablagerung im Lehrbuch der Psychiatrie finde, im Kapitel Therapie, neben
Verfahren wie hypnotische Suggestion, Autosuggestion, Persuasion, die, aus unserer Unwissenheit geschöpft, ihre kurzlebigen Wirkungen der Trägheit und Feigheit der Menschenrassen danken. Sie verdient ein besseres Schicksal und wird es hoffentlich haben. Als 'Tiefenpsychologie', Lehre vom seelisch Unbewussten, kann sie all den  Wissenschaften unentbehrlich werden, die sich mit der Entstehungsgeschichte der menschlichen Kultur und ihrer großen Insitutionen wie Kunst, Religion und Gesellschaftsordnung beschäftigen. Ich meine, sie hat diesen Wissenschaften  schon bis jetzt ansehnliche Hilfe zur Lösung ihrer Probleme geleistet, aber dies sind nur kleine Beiträge im Vergleich zu dem, was sich erreichen ließe, wenn Kulturhistoriker, Religionspsychologen, Sprachforscher, usw. sich dazu verstehen werden, das ihnen zur Verfügung gestellte Forschungsmittel selbst zu handhaben. Der Gebrauch der Analyse zur Therapie der Neurosen ist nur eine ihrer  Anwendungen; vielleicht wird die Zukunft zeigen, dass sie nicht die wichtigste ist. Jedenfalls wäre es unbillig, der einen Anwendung alle anderen zu opfern,  bloß weil dieses Anwendungsgebiet sich mit dem Kreis ärztlicher Interessen berührt."(72)

Psychoanalyse tritt in folgenden Aspekten ihrer Arbeit als sozial- und kreativitätswissenschaftlich relevant auf. Erstens als die grundlegendste (neben der Gruppendynamik) der Kreativitätstechniken, die bemüht ist, eine Gesprächssituation zu erstellen, deren Ziel die Hilfe bei der Herstellung einer  tendenziell personalisierteren und kreativeren gesunden Persönlichkeit  ist.
Psychoanalyse tritt jedoch nicht nur als eine besondere Form der Kommunikation und Interpretation auf - und liefert in den theoretischen  Gesichtspunkten und Techniken der Traumdeutung Regeln für den Aufbau kreativitäts- und identitätsermöglichender Sozialsysteme; sie ermöglicht auch die Entwicklung und Untersuchung eines Begriffs von kreativer Identität. Zum ersten sei noch der folgende Gedankengang Freuds angeführt, der bereits  unmittelbar nach der Darstellung der psychoanalytischen Regel der freien  Assoziation die Bedeutung dieser für die Steigerung der Kreativität hervorhebt. Die Entdeckung des "brainstormings" kann nach diesen 1900 in der "Traumdeutung" veröffentlichten Sätzen wohl kaum mehr sein als die Addition der frei Assoziierenden in einer Gruppe und die nachherige "Durcharbeitung" der  Assoziationen vom Standpunkt der Nützlichkeit her.
Freud weist den  Zusammenhang von kreativer und "freisteigender" assoziativer Produktion in  folgender Passage nach: "Die hier geforderte Einstellung auf anscheinend 'freisteigende' Einfälle mit Verzicht auf die sonst gegen diese geübte Kritik scheint manchen Personen nicht leicht zu werden . Die 'ungewollten' Gedanken pflegen den heftigsten Widerstand, der sie am Auftauchen hindern will, zu entfesseln. Wenn wir aber unserem großen Dichterphilosophen Friedrich Schiller Glauben schenken, muss eine ganz ähnliche Einstellung auch die Bedingungen der dichterischen Produktion enthalten. An einer Stelle seines Briefwechsels mit Körner, deren Aufspürung Otto Rank zu danken ist, antwortet Schiller auf die Klage seines Freundes über seine mangelnde Produktivität: 'Der Grund Deiner  Klage liegt, wie mir scheint, in dem Zwange, den Dein Verstand Deiner Imagination auferlegt. Ich muss hier einen Gedanken hinwerfen und ihn durch ein  Gleichnis versinnlichen. Es scheint nicht gut und dem Schöpfungswerk der Seele nachteilig zu sein, wenn der Verstand die zuströmenden Ideen, gleichsam an den  Toren schon, zu scharf mustert. Eine Idee kann, isoliert betrachtet, sehr unbeträchtlich und sehr abenteuerlich sein, aber vielleicht kann sie in einer  gewissen Verbindung mit anderen, die vielleicht ebenso abgeschmackt scheinen, ein sehr zweckmäßiges Glied abgeben: - Alles das kann der Verstand nicht beurteilen, wenn er sie nicht so lange festhält, bis er sie in Verbindung mit  anderen angeschaut hat. Bei einem schöpferischen Kopfe hingegen, däucht mir, hat  der Verstand seine Wachen von den Toren zurückgezogen, die Ideen stürzen pêlê-mêlê herein, und alsdann erst übersieht und mustert er den großen Haufen. -  Ihr Herren Kritiker, und wie Ihr euch sonst nennt, schämt oder fürchtet Euch vor  dem augenblicklichen, vorübergehenden Wahnwitze, der sich bei allen eigenen Schöpfern findet und dessen längere oder kürzere Dauer den denkenden Künstler  von dem Träumer unterscheidet. Daher Eure Klage der Unfruchtbarkeit, weil Ihr zu früh verwerft und zu streng sondert." (Brief vom 1. Dezember 1788)(73)

Schiller nimmt hier quasi im Handumdrehen vorweg,  was der Kern vieler Grundgedanken der Kreativitätstechniken ist, zuerst "die Gedanken hereinstürzen lassen" und dann den Haufen zu "mustern" wie er es nennt  - was im brainstorming "red light stage" heißt.



3.2.1. LEISTUNGSFÄHIGKEIT UND GRENZEN DES PSYCHOANALYTISCHEN BEITRAGS


Wenn hier von den Grenzen des psychoanalytischen Beitrags zu einer Sozialisationstheorie der Kreativität geschrieben werden soll, dann sind jene  Voraussetzungen gemeint, wie sie beispielsweise an dem für die psychoanalytische Kreativitätsforschung zentralen Begriff der Sublimation problematisch werden.  Die Psychoanalyse beschäftigt sich und wurde entwickelt aus einer Praxis  therapeutischen Umgangs mit psychischen Erkrankungen, die aus einem grundsätzlichen Konflikt zwischen der Kultur beziehungsweise einen subkulturell modifizierten Sozialisationsmilieu und seiner durch die wesentlichen Bezugspersonen des Kindes vorgenommen Definition der Realität einerseits und den Ansprüchen des Trieblebens von Kindern und Erwachsenen andererseits resultieren.  Die heute noch vorherrschende orthodoxe psychoanalytische Tradition ist zwar in  der Lage, diesen Konflikt als einen gesellschaftlichen, in der Lebens- und  Leidensgeschichte ansozialisierten zu erklären, sie bleibt aber so weit in der vorfindlichen Realität befangen, dass sie keine Möglichkeit sieht, durch Veränderungen der gesellschaftlichen Verhältnisse diesen Konflikt auf das historisch notwendige Maß zu reduzieren. Auf die für ein solches theoretisches  und praktisches Unterfangen notwendige "Theorie der konkreten Möglichkeiten"  einer Gesellschaft wird ansatzhaft im Schlußkapitel dieser Arbeit hingewiesen. Der Psychoanalyse selbst bleibt demnach als Aufgabe nur übrig, die Opfer der  Kultur nachträglich analytisch zu heilen. Psychoanalyse als Bestandteil einer möglichen Gesellschaftstheorie ist jedoch weit über die Theorie ihrer therapeutischen Anwendung hinaus gegangen und bei Marcuse(74)in Ansätzen zur Formulierung einer Utopie gelangt. Die Aufgabe dieses Abschnittes kann es jedoch nicht sein,  Psychoanalyse jener meines Erachtens nur teilweise berechtigten Kritik zu unterziehen, die dahin geht, dass die vielfältigen Vermittlungsformen zwischen Individuum und Gesellschaft nicht oder ideologisch verzerrt dargestellt werden. Auch kann in diesem selbstgesteckten Rahmen es ebensowenig eine Aufgabe sein, jene soziologisierende Revision der Psychoanalyse zu referieren, die umgekehrt das Grundsätzliche des historischen und auch derzeit bestehenden Konfliktes zwischen  Kultur und Triebansprüchen zugunsten harmonisch intendierter Vermittlungsformen  leugnet(75). Nach einer kurzen Darstellung psychoanalytischer Theorie im Hinblick auf ihren Beitrag zur Erklärung von Sozialisationsprozessen, werden auf dem Hintergrund dieses theoretischen Kontextes Thesen und empirische Ergebnisse von psychoanalytischen Kreativitätsforschern referiert. Das von der Psychoanalyse  bereitgestellte Instrumentarium zur Heilung beschädigter Sozialpersonen interessiert in diesem Zusammenhang weniger. Da das Triebleben für die Erklärung und das Verständnis kreativer Prozesse eine gewisse Rolle spielen dürfte, ist es die Absicht, in folgenden auf dem Hintergrund der biogenetisch determinierten  Entwicklungsphasen den je phasentypischen Konflikt zwischen Triebansprüchen und Versagungen im Sozialisationsprozess, also zwischen Individuum und Gesellschaft  in aller Deutlichkeit herauszuarbeiten. Die Art und Weise, wie dieser Konflikt jeweils gelöst wird, legt sich in der kreativen Ich-Entwicklung und in der für die weitere Entfaltung von Kreativität geeigneten oder ungeeigneten  Motivationsstrukturen nieder.



3.2.2. ANSÄTZE ZU EINER PSYCHOANALYTISCHEN THEORIE DER KREATIVITÄT


Ansätze zur Erforschung der Psycho- und Soziodynamik der Kreativität stehen  unter starkem psychoanalytischen Einfluss. Die Grundlage der Überlegungen bildet  das Freud'sche Energiemodell, das allerdings von der New Yorker Gruppe, zu der  Hartmann, Kris und Löwenstein gezählt werden, und von Erikson abgewandelt wurde.
Wodurch wird also nach Ansicht von Psychoanalytikern das Individuum  veranlasst, kreativ zu sein?

Fairbairn(76) analysiert die künstlerische Persönlichkeit. Er orientiert sich an Freuds letzter Konzeption, derzufolge das  Individuum gleichzeitig vom Lebenstrieb (der Libido) und vom Todestrieb (der  Aggression) beherrscht wird. Diese beiden Triebe können sich auf das gleiche  Objekt richten. Aggression gegen ein Objekt bedeutet, dass versucht wird, dieses  zu zerstören. Die dadurch entstehenden Schuldgefühle werden beseitigt, indem mit  Hilfe der libidinalen Energie eine neue Synthese, ein neues Objekt geschaffen wird. Destruktion und Konstruktion werden allgemein als Kennzeichen kreativen  Verhaltens angesehen.(77) Fairbairn nun stellt sich diese Handlungen ähnlich den Traumvorgängen vor. Im Traum tauchen verdrängte Inhalte wieder auf, erwecken aber Schuldgefühle und werden deshalb in der "Traumarbeit" abgeschwächt, verarbeitet, symbolisiert.  Ebenso sei künstlerische Arbeit von Verdrängung abhängig und ohne Verdrängung könne nichts Außerordentliches erreicht werden. Je stärker diese Vorgänge beim  Kunstschaffen sind, umso besser ist - nach Fairbairn - das künstlerische Produkt. Eine ähnliche Ansicht findet Ulmann(78) bei Wiebe(79). Aus der Tatsache, dass kreative Menschen so selten sind und dass kreative Einsicht meist in symbolischer maskierter Form erscheint, leitet er die Annahme ab, dass durch den kreativen Prozess Schuldgefühle entstünden, weil in ihm ja allgemein anerkannte Tatsachen verneint würden. Einsicht werde behindert von der Anstrengung, sie nicht zu bemerken, und nur besonders mutige Menschen würden es wagen, einen kreativen Gedanken sich selbst einzugestehen und schließlich zu kommunizieren. Wenn auch keine grundlegenden Untersuchungen über einen möglichen soziologischen Begriff von Mut und seiner Sozialisation und seinen Sozialisationsbedingungen vorliegen, so kann doch gesagt werden, dass ein hohes Maß an Selbstsicherheit und die Fähigkeit, Risiko zu tragen, von der sozialen Umwelt die die Psychostruktur des Einzelnen geprägt hat, abhängig ist. McKinnon(80), der allerdings von Panks Theorie der Persönlichkeit ausgeht, glaubt, dass der kreative Mensch derjenige ist, der eine Integration zwischen "Will" (Lebenstrieb) und "Counter-Will" (Todestrieb)  erreicht und zu neuen, eigenen Zielsetzungen kommt - und diese realisiert. Mit  Hilfe einer Reihe von Persönlichkeitstests konnte er feststellen, dass seine  kreativsten Versuchpersonen ein positives Selbstbild hatten und, ohne auf die  Meinung anderer zu achten, sich ihre eigenen Ziele steckten und sie realisierten.
Für eine mögliche empirische Wissenschaftssoziologie ist eine  Untersuchung von M. Clelland(81) von Bedeutung, die das Entstehen und die Art der Aggression sowie die Wirkung ihrer Sublimation genauer mit empirischen Ergebnissen belegt hat, von  Bedeutung. Die von ihm untersuchten Physiker waren fast alle männlich, mit stark  maskulinen Interessen und entstammten vorwiegend protestantischen Familien. Sie  vermieden interpersonelle Kontakte und zeigten sich bei der Begegnung mit komplexen menschlichen Emotionen sowie Aggressionen verwirrt. Obwohl sie extrem hart arbeiteten, zeigten sie bei TAT- Untersuchungen nur eine mittlere Leistungsmotivation, sodass diese nicht zur Erklärung ihrer wissenschaftlichen  Motivation herangezogen werden kann. McClelland konnte in seinen Untersuchungen keinerlei Belege dafür finden, dass die Triebkraft dieser Wissenschaftler aus  einem sublimierten Sexualtrieb herrühre, es zeigte sich jedoch, dass sie einen besonders starken Aggressionstrieb besaßen. Aufgrund anderer Untersuchungen  nimmt er an, dass Kinder aus protestantischen Familien besonders stark frustriert  werden. Der Frustrations-Aggressions- Hypothese von Dollard und Miller zufolge  resultiert aus starker Frustration Aggression. Da die Aggression gleichsam  bestraft wird, entsteht ein Konflikt zwischen der Aggressionstendenz und der Furcht, Aggression zu zeigen. McClelland folgert nun daraus, dass, soweit  Aggression nicht vermieden werden kann, sie zur Attacke gegenüber der Natur sublimiert wird.

Kreativität wäre also nicht die Befriedigung sexueller, sondern aggressiver Triebe.

Während die bereits erwähnten Kreativitätsforscher Fairbairn, McKinnon,  McClelland und Wiebe noch stark unter Freudschem Einfluss stehen und als Hindernis kreativen Verhaltens nicht sublimierte Es-Triebe ansehen, sieht  Barron(82) eher ein zu starkes Über-Ich, ein rigides Über-Ich als hinderlich für die kreative Persönlichkeit an.
Erst wenn das Über-Ich - Barron(83) spricht vom "Project of the Ego" - aufgegeben werden könne, seien die Menschen glücklich und zur eigentlichen Kreativität fähig.
Hulbeck(84) nimmt an, dass die Motivation zum kreativen Akt aus Furcht und Panik - die  bestehen, weil das Individuum glaubt, im Nichts zu leben - resultiert. Er meint, dass mit dem kreativen Verhalten sich das Individuum von dieser Angst, indem es aus dem "Nichts" etwas schafft, befreit.

Barron steht dazu im Gegensatz, er nimmt an, dass die Erfahrung des Nichts und damit der Freiheit, die eigentlich kreative Erfahrung ist, die keinesfalls  beseitigt werden sollte. Diesen Zustand glaubt Barron am leichtesten bei seinen Versuchspersonen zu erreichen, wenn er ihnen Drogen verabreicht. Leary(85) bezeichnet den gleichen Zustand als "Ego-Transencence".

Bei ihm und Barron stehen im Vordergrund der Betrachtung allerdings nicht mehr - so schreibt zumindest Ulmann - die Motivation zum kreativen Akt, sondern die kreative Erfahrung als Haltung gegenüber der Welt(86). Ebenso verstehen May(87) und Fromm(88) die "eigentliche" Kreativität. Von ihnen wird jedoch nicht nur das Konzept der Sublimierung, sondern auch das der Strukturierung der Persönlickeit in Es, Ich und Über-Ich, aufgegeben. May definiert Kreativität als die Begegnung des intensiv bewussten menschlichen Wesens mit der Welt, Fromm als objektives und  unverzerrtes Sehen der Welt. Diese Haltung der Umwelt gegenüber führt zum Einswerden mit ihr und ermöglicht gleichzeitig, dass die Welt durch die Identifikation aktiv umgestaltet wird. Durch diese Aktivität erfährt sich das Individuum selbst und fühlt sich durch keine außer seiner selbst liegenden Kräfte getrieben(89). Die Befriedigung das Selbst, was immer darunter auch bei Rogers(90) verstanden werden mag, ist nach seinen Vorstellungen die Motivation des kreativen Individuums.

Die Selbstaktualisierungsphase vom Ursprung der Kreativität wird auch von Maslow(91) und Golan vertreten. Sich selbst aktualisierende Menschen sind nach Maslow  solche, die in der realen, natürlichen Welt leben, statt in der verbalisierten  Welt der Begriffe, Abstraktionen und Stereotypen. Maslows Hauptkonzept, das sich  durch seine vage Allgemeinheit auszeichnet, ist das der Integration. Integration  innerhalb der Persönlichkeit, die zur Integration der Persönlichkeit mit der Welt führt. Selbstaktualisierung sei "gesunde Selbstsucht", die den Menschen durch Besinnung auf sich selbst zur Aktualisierung seiner Möglichkeiten in der Welt befähige. Golan(92) versucht aufgrund eines Experiments zu entscheiden, ob für die Erklärung der Psychodynamik Kreativer eher eine reduktionistische Theorie oder eine Theorie  der Selbstaktualisierung zutreffend ist. "Selbstaktualisierung"

versucht er als Vollgebrauch des perzeptiven,  kognitiven und expressiven Potentials in der Interaktion mit der Umwelt. Dieses Verhalten, so nimmt er an, ist je nach Individuum graduell unterschiedlich. Je stärker diese Dimension in einem Individuum ausgebildet ist, umso kreativer wird das Verhalten sein, das heißt, umso mehr werden Situationen von ihm bevorzugt  werden, die eine persönliche Art des Erlebens und Mitteilens ermöglichen. Golan konnte zeigen, dass Künstler und die Versuchspersonen, die hohe Werte in  Kreativitätstests erzielten, mehrdeutige Stimuli und solche Tätigkeiten, die Selbstexpression erlaubten, bevorzugten. Golan sieht darin eine Bestätigung und  Präzisierung der Selbstaktualisierungstheorie und keine Anhaltspunkte für eine  reduktionistische Theorie der Psychodynamik Kreativer. In Ansätzen, die sich besonders auf die Theorien Hartmanns(93) und Kris'(94)stützen, wird dem "Ego" eine gewisse Eigenständigkeit, eine Autonomie zugebilligt. Das Ich wird nicht als vom Es beherrscht angesehen, als Schauplatz der Kämpfe von Es und Über-Ich, sondern  diesen Ansätzen gemäß ist das Ich fähig, sich das Es zu unterwerfen. So sieht Bellak(95) den kreativen Prozess als Regression im Dienste des Ich an. Die kognitiven und adaptiven Funktionen des Ich regredieren zeitwillig zu einem niedrigeren Niveau psychischen Funktionierens, wo durch Vorherrschaft definierte Grenzen aufgelöst und primitivere, triebbestimmte und nicht-logische gedankliche Konfigurationen ermöglicht werden. Die dem Es zugeschriebenen Eigenschaften der Verschiebung und Verdichtung von Inhalten sowie von Inhalten und Zeiten machen es zum prädestinierten Ort, neue Verbindungen herzustellen. Unter Aufsicht der nun wieder einsetzenden "synthetischen Ego-Funktionen" werden diese neuen  Gedanken kontrolliert und überprüft. Die Regression im Dienste des starken, die Realität prüfenden Ichs und die Synthesefunktion des Ichs bilden nach Bellak(96) die Grundvoraussetzung für Kreativität, eine Art genereller Faktor, der mit zahlreichen spezifischen Faktoren integriert sein kann. Die übermäßige Stärke des Ich, in diesem Konzept als Trieb verstanden, wirkt sich im überdurchschnittlichen Narzissmus, im Wunsch zu produzieren und der  Bewertung des Produktes als Selbstextension aus.

Auch zu diesem theoretischen Ansatz sind einige empirische Beiträge erbracht worden. Schmeidler(97) untersucht die Hypothese, dass im kreativen Prozess Material aus dem Unbewussten übernommen wird. Er konnte zeigen, dass kreative Menschen im Gegensatz zu nicht-kreativen fähig waren, konkrete Imaginationen, Bilder, willentlich hervorzurufen. Wild(98) bestätigt die Annahme, dass Kreative eine unregulierte (im Sinn von  nicht-logisch) Arbeitsweise einer regulierten (im Sinne von logisch) vorzogen.  Pine(99) schließlich prüfte die letzte Bellaksche Annahme, nämlich dass kreative Menschen in triebbestimmter Weise denken können.
Er untersuchte seine Studenten mit dem TAT, einem "science-test" und zahlreichen Kreativitätstest. Es zeigte sich, dass die Qualität der literarischen und wissenschaftlichen Produktion sowohl mit deren "Triebgehalt" (drivecontent) als auch mit der  Kontrolle dieser Prozesse und die Effektivität der Kontrolle dieser Prozesse nicht in Beziehung zueinander stehen. Damit wäre gezeigt, so schließen Pine und Holt, dass zwar beide Aspekte - Regression im Dienste des Ich und Kontrolle  dieser Regression - im kreativen Prozess notwendig sind, jedoch nicht gleichzeitig in einer Person vorhanden sein müssen.

Zusammenfassend kann gesagt werden:
Bei Freud werden schöpferische Produktionen unter zwei Aspekten  betrachtet:

1. Unter dem Aspekt ihrer Ähnlichkeit mit Traum und neurotischem Symptom, die auf den primären Prozessen beruhen und Lustgewinn bringen. Die gemeinsamen Punkte sind: die narzistische Zurückgezogenheit von einer unbefriedigenden Wirklichkeit in die Phantasie, die Regression auf eine frühere Stufe der  psychischen Entwicklung und der Versuch eines mehr oder weniger gelungenen  Kompromisses zwischen Triebansprüchen und Realitätsforderungen. Daher wird der Eindruck gewonnen, dass die Psychoanalyse auf der Linie Lombrosos steht und  kreative Manifestation als Psychopathologie missversteht.

2. Hat Freud selbst Kunst und Wissenschaft von neurotischen Prozessen  differenziert. Anders als der Neurotiker versteht der schöpferische Mensch den Rückweg zur Realität wieder zu finden. Während Traum und Neurose individuelle (egoistische) Geschehen bleiben, enthalten die kulturellen Schöpfungen eine  Kommunikation mit dem anderen. Die ersten können als asozial, die zweiten als sozial bezeichnet werden.

Die Verbindung von Realität - hier ist auch die soziale Realität gemeint - und Lust in kreativen Tätigkeiten, beschreibt Freud an mancher Stelle als Sublimierung(100) und daher als Desexualisierung, von der die "sozialen Triebe" abhängig sind.  An anderer Stelle bestreitet er aber, dass sexuelle Abstinenz "energische, selbständige Männer der Tat oder originelle Denker ... heranbilden helfe "(101).

Der Sublimierungsbegriff stellt daher eher ein Problem dar, als eine Lösung. Freuds Fragestellung, die sich im Thema des Konfliktes von Realität und Trieb zeigt, bleibt bestimmend für seine Nachfolger.

Der Versuch P. Kris', schöpferische Tätigkeit als Regression im Dienste des  Ichs zu verstehen, bringt die Diskussion ein Stück weiter; insofern, als er unter Ich eine mit autonomen Funktionen begabte Instanz und nicht nur ein defensives System versteht. Er bleibt aber befangen im dualistischen Schema des primären und sekundären Vorgangs.
Winnicotts Begriff des Übergangsobjektes zeigt andererseits, dass Kreativität sich in der Interprenetation, der inneren und äußeren Welt abspielt und dass der ungestaltete Teil der Realität, um den es im schöpferischen Akt geht, wie ein Liebesobjekt behandelt werden kann.  Bedeutungsvoller für uns ist die Hypothese L. Kubies, dass schöpferische Tätigkeit aus vorbewussten Vorgängen besteht, die sich zwischen dem kontrollierenden Bewusstsein und dem störenden Unbewussten bewegen. Dabei wird deutlich, dass Kreativität dynamisch zu verstehen ist, dass sie die Überwindung beider hemmenden Quellen darstellt. Ferner verzichtet Kubie auf die Sublimierung  als eigenen Mechanismus der Kreativität und sieht die schöpferischen Prozesse  als frei orientierte Bewusstseinszustände.
Günter Ammon schließlich unterscheidet zwischen Sublimierung und Kreativität. Er fasst Sublimierung als einen Abwehrmechanismus des Ichs auf. Die Entwicklung von Kreativität hingegen geht nach Ammon(102) mit der Entwicklung von Sexualität einher und ist als eine Äußerung des Ichs  an dessen zentrale Funktion der konstruktiven Aggression gebunden. Die Möglichkeit von Kreativität ist nach Ammon, dem Veranstalter des Kongresses "Gruppe und Kreativität", ohne die wechselseitige Kommunikation mit der umgebenden Gruppe nicht denkbar. Über Thesen von diesem Allgemeinheitsgrad kommt er allerdings nicht hinaus.



3.2.3. KREATIVITÄT, NEUROSE UND THERAPEUTISCHE SOZIALISATIONSPROZESSE


Wenn wir von der These ausgehen, dass es sich sowohl bei der individuellen Grundlegung der Neurose der Familiengruppe und bei dem Versuch der Heilung in der Zweiergruppe von Analysand und Analysator um einen Sozialisationsprozess handelt, dann ist für uns die Frage nach dem Zusammenhang von Neurose und  Psychotherapie von großer Wichtigkeit.

Nach einer landläufigen Meinung stehen "Genie und Wahnsinn" in enger Beziehung zueinander. Aus den referierten Ansichten geht jedoch eher das Umgekehrte hervor: So betont Wiebe(103), dass der Kreative höchste  intellektuelle Fähigkeiten gekoppelt mit Mut haben muss. Maslow(104) definiert die kreative Persönlichkeit als völlig integrierte Persönlichkeit. Hart betrachtet die Kreativität überhaupt als gleichbedeutend mit "gesund". Wie kann es nun zu der Meinung kommen, dass geniale Menschen meist neurotisch oder psychotisch seien? Es geht nun aus Biographien berühmter Künstler und Wissenschaftler tatsächlich oft hervor, dass diese als krank erkannt wurden. Geklärt müsste jedoch werden, ob der Anteil der Kranken in der Population der  Kreativen höher ist als der Anteil Kranker in der gesamten Bevölkerung. Und inwieweit der soziale Druck auf abweichendes Verhalten nicht zu einer großen zusätzlichen Belastung auch gesunder Sozialpersonen führen kann. Eine etwas andere Erklärung für die Entstehung der oben genannten Meinung wäre, dass viele Persönlichkeitstheoretiker gleichzeitig Therapeuten waren und von ihren -  manchmal kreativen - Patienten auf die Persönlichkeit aller Kreativen schlossen. Hilgard(105) zeigt eine Reihe dieser Ähnlichkeiten auf: Kreative wirken oft kindlich. Diese kindliche Naivität wird immer wieder als ein konstituierendes Merkmal von Kreativität bezeichnet. Auch wird angenommen, dass gerade kreative Aktivität um  ihrer selbst willen auftritt und so einer spielerischen Tätigkeit näher kommt als seine Aktivität, die harte Arbeit zu einem Ziel bedeutet. Weiterhin werden Kreative oft als emotional unstabil und unreif bezeichnet, das heißt, sie sind gerade in lebenspraktischen Angelegenheiten unselbständig, obwohl sie in ihren Interessensgebieten eher dominant und selbständig sind. Kreative sind oft einseitig in ihren Interessen. Außerdem hebt Bellak(106) hervor, dass der Kreative seine Impulse nicht verdrängt, sondern auslebt. Damit wird sein Verhalten abweichend von dem der anderen. Gerade diese Variabilität im Verhalten, die kreatives Verhalten ausmacht, ist oft unverständlich und wird als krankhaft angesehen. Große Unterschiede zwischen Kreativen und Neurotikern bzw. Psychotikern zeigen sich jedoch besonders im  Ablauf des kreativen Prozesses. Wie wir bereits festgestellt haben, wird er durch einen Konflikt beziehungsweise "eine Begegnung, eine Konfrontation oder ein Problem" ausgelöst. Während aus dieser Ausgangssituationen beim Kreativen eine Umstrukturierung erfolgt, die zu einer Lösung führt, bleibt der Konflikt für den Kranken bestehen und er kann ihn nicht ertragen, er leidet unter ihm. Bellak(107) nimmt an, dass sowohl Kranke, als auch Kreative große Leichtigkeit im Nutzbarmachen primitiver Funktionen und Triebe besitzen, das heißt, dass sie regredieren können. Kranken, so glaubt er, fehlt weiterhin die Fähigkeit zur anschließenden Interaktion und zur Synthese. Der Kranke kann seine Gedanken nicht an der Realität prüfen, und es gelingt ihm nicht, adäquate Ausdrucksmittel  zu finden.

Das Problem des Zusammenhanges zwischen Kreativität und Neurose ist von  Hilgard(108) weiter behandelt worden. Es stellte sich die Frage: Vermindert erfolgreiche Psychotherapie die Kreativität? Oft haben sich schöpferische Personen vor der Psychotherapie gefürchtet, da sie glaubten, Kreativität und Neurose sei gekoppelt, Neurose die Voraussetzung, Neurose sogar die Quelle der Kreativität. Sie glaubten, dass mit der Psychotherapie nicht nur ihre Neurose, sondern auch vor allem ihre kreativen Fähigkeiten schwinden würden.

Torrance(109) bestreitet diese Ansicht. Seiner Erfahrung nach kann Unterdrückung kreativen Verhaltens in der frühen Kindheit zur Neurose führen. Etwas einfacher macht er sich, wenn er feststellt, dass ein Künstler oder Wissenschaftler, der nach der Therapie nicht mehr kreativ ist, von der Therapie auch kein wirklich kreatives Verhalten, sondern eher eine nachgeahmte Tätigkeit zur Selbstwerterhöhung war. Da die Ego-Funktionen beim Kreativen so übermäßig stark ausgebildet sind, sind Kreative besonders therapieresistent. Barron konnte dies mit einer  "ego-strenght-scale", die Reaktionen auf Psychotherapie vorhergesagt, zeigen(110). Im gesamten gesehen wirkt sich Therapie jedoch günstig auf kreatives Schöpfen aus, wenn störende neurotische Symptome beseitigt werden.

Der Stellenwert, den die psychoanalytische Kur im Kontext der Sozialisation zur Kreativität spielt, kann nicht überschätzt werden. Die methodisch vermittelte Selbstreflexion, die in der Psychoanalyse stattfindet, ist die  Kreativitätstechnik per excellence, wenn man einen anspruchsvollen Kreativitäsbegriff hat.



3.2.4. KREATIVITÄTSFÖRDERUNG DURCH KATATHYMES BILDERLEBEN


Das katathyme Bilderleben(111) ist eine mehr als 15 Jahre  bekannte Tagtraumtechnik, in der der Patient auf der Couch des Therapeuten zu träumen lernt und zugleich laufend über seine Vorstellungen, Träume und Phantasien berichtet.

Die Anwendung des katathymen Bilderlebens auch außerhalb der Arzt-Patient-Gruppe in Gruppen unterschiedlichster Art erfolgte zum Zwecke der Steigerung der Kreativität zwischen den Gruppenmitgliedern erst im Rahmen der Weiterentwicklung des Methodenkanons der Gruppendynamik und Gruppenpädagogik.

Es handelt sich dabei darum, dass in einem leicht hypnoiden Zustand ein  Gruppenmitglied beginnt, von seinen Bildern, Vorstellungen und Phantasien über  die Gruppe zu sprechen und ein anderer, der ebenfalls vom Gruppenleiter in einen hypnoiden Zustand versetzt wurde, spricht ebenfalls über seine, durch die  Phantasie des ersten hervorgerufenen, davon abweichenden oder damit konvergierenden Bilder.
Die Idee der Anwendung des katathymen Bilderlebens zur Steigerung der Kreativität von Individuen in Verbindung mit der Herstellung eines kreativen Milieus überhaupt ist aus zwei Überlegungen hervorgegangen:

1. führte die Verarbeitung der Erfahrung, dass Selbsterfahrungsgruppen dann besonders schöpferisch in der Umgestaltung der Beziehungen der einzelnen  Gruppenmitglieder zueinander waren, wenn jemand einen Traum erzählte, in dem einzelne Gruppenmitglieder vorkamen.

2. Die bildhaft analoge, zum mitfühlenden und verstehenden Denken anregende Sprache des Traums ermöglichte es viel eher, über Wünsche und Erwartungen zu sprechen und damit auch die Frage nach der Veränderung der  bestehenden Verhältnisse und Beziehungen konkreter zu stellen.

Die Besprechung der eigenen Erwartungen, Wünsche (Phantasien, Tagträume, usw.) und ihre Enttäuschung auch gerade im Hinblick auf verhinderte  Selbstverwirklichung und erlittene Unterdrückung mit anderen Personen ähnlicher sozialer Lage, kann als ein wesentliches Element der Organisation von Handlungen angesehen werden, die in einem zweiten Schritt die "Realität" so verändert, dass sie den Wünschen entspricht und befriedigender ist. Diese Tatsache der "Gefährlichkeit" kommunikativer Beziehungen führt immer wieder dazu, dass von den Herrschaft ausübenden Personen und Institutionen die intensive Entfaltung und Vertiefung von Beziehungen durch Freundschaften, Gespräche und Offenheit zu verhindern versucht werden.

Dies erfolgt nicht zuletzt dadurch, dass Gesprächssituationen und die in ihnen verwendete Sprache (z.B. Hochsprache) durch Titel, Raum und Zeitdauer sowie durch die Festlegung der Thematik (oft auch als "Sache", zu der zu sprechen ist) im Interesse der jeweils Herrschenden stabil gehalten wird.
Der Einsatz des katathymen Bilderlebens hat als eine Technik, die damit beginnt, die eigenen Vorstellungen und Probleme ernst zu  nehmen und weiters in Gruppen dazu herangezogen wird, bei der Selbstbestimmung der Gruppe zu helfen, durchaus einen wichtigen Stellenwert bei der Einübung in emanzipatorische Kreativität, wenn die angeworfenen Wünsche, Enttäuschungen und Fixierungen im Zusammenhang mit der gesamtgesellschaftlichen Befreiung und Befriedigung der Wünsche gesehen werden und außerdem die Notwendigkeit zur  Solidarisierung mit anderen Depravierten gesehen wird. Diese Technik in den Dienst von Befreiung und Veränderung der herrschenden Realität gestellt, kann - wie übrigens auch andere therapeutische Techniken - einem Heilungsbegriff  verpflichtet sein, der nicht die affirmative Anpassung an die Irrationalität kapitalistischer Markt- und Persönlichkeitsmechanismen im Auge hat, sondern der mithilft, an der Selbstorganisation und Veränderung individualisierter Pathologien und Fixierungen mitzuarbeiten.

Das katathyme Bilderleben erlaubt unter anderem ein experimentelles Vorgehen im Bereich der tiefenpsychologischen und sozialen Dynamik der Kreativität. In  der Therapie und in der Kreativierungspraxis tritt dieser Ansatz allerdings zurück. Hier wird vielmehr die freie Entfaltung spontaner Emotionen und Beziehungsphantasien gewünscht. Das katathyme Bilderleben, auch "Symboldrama"  genannt, lässt die je individuelle und soziale Kreativität im Umgang mit Symbolen in einer Art dramatischer Erlebnisentfaltung vergrößern. Es ist eine psychoanalytisch orientierte Methode, die auf dem Boden einer kontrollierten Regression (Ich- Regression) wirksam wird.
Das Verfahren kann als ein System verschiedenartiger technischer Ansätze aufgefasst werden, die auf der gemeinsamen  Grundlage der vom Phänomen der Phantasie getragenen Imaginationsfähigkeit des Menschen beruhen, wie es vom Traum spätestens seit Freud bekannt ist. Durch sie und aus der Dynamik des Unbewussten entwirft sich der Mensch immer wieder von neuem und tritt sich selbst und den anderen  in einem dialektisch-kreativen Prozess gegenüber.


Zwar konnten die therapeutischen Wirkungen und Möglichkeiten des katathymen  Bilderlebens eindrucksvoll nachgewiesen werden; über die Steigerung der Kreativität der Patienten wurde jedoch nur nebenbei berichtet.
Nicht selten zeichnen Gruppenmitglieder ihre katathymen Bilder oder schreiben sie nieder. Mir selbst sind Gruppenmitglieder bekannt, die aufgrund der Erfahrung mit dem katathymen Bilderleben ihre Biographie und ihr Leben selbst als ein mögliches kreatives Produkt betrachten und außerdem in der Lage sind, offener und kreativitätsermöglichender zu kommunizieren.
Ein sehr einfaches Experiment  zeigt die Tendenz jeder Sozialperson, sich selbst in sich selbst darzustellen.  Wir veranlassen jemanden, sich auf die Couch zu legen und weisen ihn an, sich  möglichst zu entspannen und zu lockern, seine Augen zu schließen und einfach passiv liegen zu bleiben, nichts zu wollen und nichts zu erwarten. Wenn wir mit  dem Betreffenden Geduld haben, ihn einige Minuten oder eine halbe Stunde so liegen lassen, wird er nach einiger Zeit berichten, dass er vor geschlossenen Augen eigentümliche, spontane, optische Erscheinungen bemerkt. Die zunächst abstrakten Gebilde vervollständigen sich im weiteren Verlauf mehr und mehr zu Bruchstücken von Bildern. Bald folgen Einblendungen von farbigen Einzelbildern,  die - zunächst vielleicht noch sinnlos erscheinend - sich allmählich zu einer szenischen Bildabfolge zusammenschließen. Anders ausgedrückt: im Endstadium stehen vollständig ausgebildete, optische Imaginationen vor Augen des Betreffenden. Sie haben in ihrer Hochform beinahe den Charakter von  Wahrnehmungen, besser inneren Anschauungen, obgleich der Betreffende - wie Leuner ausführt - niemals vergisst, dass er sich dabei in einem künstlichen Zustand befindet.
Nach wiederholter Übung, die eine Vertiefung der damit verbundenen Entspannung und Versenkung zur Folge hat, bemerkt der Betreffende  eine deutliche emotionale Beteiligung:
Stimmungen, Gefühle und Affekte  stellen sich ein, etwa Heiterkeit, wenn der Patient eine Blumenwiese imaginiert, Befriedigung angesichts eines Sonnenuntergangs oder aber Ängstlichkeit und  Furcht vor auftauchenden phantastischen Bezugspersonen.

Diese Bewusstseins- und Erlebnisebene ist eine jedem Menschen zugängliche Bewusstseinskategorie, die sich spontan in den sogenannten "Schlummerbildchen" beim Einschlafen zeigt.
Die voll entwickelten Imaginationen in der zuletzt beschriebenen Hochform werden als katathyme Bilder bezeichnet.
Ihre äußere  Eigenart liegt in ihrer Farbigkeit, Plastizität und Gefühlsgetragenheit im Gegensatz zu den einfachen Vorstellungen des Alltags. Die Alltagsvorstellungen sind im allgemeinen blass, farblos und willentlich leicht zu beeinflussen. Die Besonderheit der katathymen Bilder liegt allerdings darin, dass sie dem Willen nicht mehr gehorchen, sondern einem eigengesetzlichen inneren Ablauf folgen.
Allerdings gibt es hier Zwischenstufen von der reinen Vorstellung bis  zum vollausgebildeten katathymen Bilderleben.
Künstlerisch Empfindende oder sogenannte eidetisch, also optisch begabte Personen rechnen diese Erscheinungen zum alltäglichen Erfahrungsgut. Andere schizothyme oder stark rational  eingestellte Menschen brauchen viel länger, um diese Erlebnisebene zu erreichen.

Solche katathyme Imaginationen entwickeln sich am besten in Gegenwart eines  "Führers" durch diese, durchaus von sozialen Erfahrungen geprägte, Innenwelt. Die Fähigkeit zur Führung durch diese katathymen Bilder sowie die Hilfestellung  bei der Versenkung in sie, könnten als zum Rollenset des Kreativ-Lehrers gehörig angesehen werden. Mit Recht kann vermutet werden, dass das von uns dargestellte Symboldrama gerade auf dieser Erfahrung, die man als "Prinzip der imaginativen Selbstdarstellung der Psyche" bezeichnen kann, aufbaut.
Allerdings ist darauf  hinzuweisen, dass der Begriff der Psyche nur als ein sozialvermittelter möglich ist. Erstens ist das Symboldrama oft die Wiederholung und Umgestaltung erlebter Beziehungen (Symboldrama als Sozialdrama) und zweitens wird die  "Selbstdarstellung der Psyche" mitgeteilt, wobei - wie in jedem Kommunikationsvorgang dieser Art - Übertragungs- und Gegenübertragungsphänomene  zu beachten sind.
Der Vorgang, selbsttätige, freisteigende innere Bilder zu  entwickeln, ist seit geraumer Zeit bekannt.
So spielte er beispielsweise eine  maßgebliche Rolle in dem bekannten Fall der Anna O., in der Studie zur Hysterie,  den Anfängen der Psychoanalyse von Breuer und Freud.

An verschiedenen Bezeichnungen zeigt Leuner, dass alle Imaginationen in der Art des katathymen Bilderlebens als sogenannter "Autosymbolismus" bezeichnet werden kann, der in jenen unbewussten und vorbewussten Bereichen des Gefühlslebens entsteht, der für die Entstehung der Kreativität so wichtig ist.
Es ist verständlich, dass von den katathymen Bildern bis zum Traum nur ein kurzer Schritt ist. So können auch Träume im katathymen Bilderleben unter der Führung  eines Therapeuten oder eines Kreativ-Lehrers fertiggeträumt werden. Außerdem kann an die Analyse der katathymen Bilder nach Art der Traumanalyse  herangegangen werden.
Die Gesetzlichkeiten des Traumes, wie sie zuerst Freud aufgestellt hat, können dabei wiederentdeckt werden.
In den Bildern sind die  Kategorien der Verschiebung und der Verdichtung wieder zu finden.
So ist beispielsweise feststellbar, dass ein Affekt, der im Realleben einer Person gegenüber besteht, auf die Bildebene verschoben wird. "Wir finden in den schon erwähnten phantastischen Erscheinungen Menschengestalten mit Tierfiguren  verdichtet; z.B. beobachtete eine unserer Patientinnen, wie sich aus einem Loch mühsam eine Schildkröte herausarbeitete, deren Augen und Kopf sich in die eines Menschen umwandelten, Gesichtszüge und Haartracht waren die ihres Vaters, wie sie sie als kleines Mädchen kannte. Oder: aus einem Wald tritt die Gestalt des Chemieprofessors, der aber gleichzeitig die Haltung und den Gang des autoritären Vaters des Patienten hat."(112)

Die Beziehung zum Traum, überhaupt zu den typischen Kategorien des Unbewussten im Freudschen Sinn, sieht man schließlich auch darin, dass unser herkömmlicher Zeitbegriff verschwindet, wenn das Symboldrama abläuft. Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit verschmelzen miteinander und man erlebt nur punktuelle Gegenwart.

Auch der Satz vom Widerspruch ist, wie ja das Beispiel mit dem Chemieprofessor und dem Vater zeigt, aufgehoben.
Schließlich sind im  Symboldrama alle Phantasmen möglich: man kann fliegen, Räume überspringen, sich auflösen und Gestalten können miteinander verschmelzen.

Unter dem sich vollziehenden Autosymbolismus wandeln sich also die katathymen Bilder gemäß der sich jeweils wandelnden Gefühle, Stimmungen und Affekte, die durchaus auch die Beziehung zum "Führer" ausdrücken.
Das Symboldrama steht deshalb den projektiven Testmethoden überaus nahe. Es soll nur an die Zeichentests, den Rohrschach-Test und den  Thematic-Apperceptions-Test (TAT) von Murray erinnert werden, bei denen ein gegebenes Material durch die inneren psychosozialen Strukturen und gefühlsbedingten Motive eine ganz individuelle Gestaltung erfahren. Daraus können dann wichtige Rückschlüsse auf die Sozialpersönlichkeit des Betreffenden  gezogen werden. Dementsprechend kann das Symboldrama mit seinen phantasiegetragenen Vorstellungen auch als eine Art projektiver Selbstdarstellung gewertet werden. Gegenüber allen anderen bekannten, auch soziologischen Testverfahren hat es den Vorzug, dass ihm durch Art der Vorlage und Technik keine Grenze gezogen ist und dass sich auch der feinste Wandel innerer Regungen und Einstellungen sofort in Veränderungen des Bildes niederschlägt. Der Methodenkanon der empirischen Sozialforschung kann gerade im Hinblick auf eine Theorie des Tiefeninterviews durch die Methode des katathymen  Bilderlebens und und den mit ihr gemachten Erfahrungen erweitert werden.  Außerdem sind einer Sozialforschung, die auf Befreiung und bewusstmachende  Veränderung aus ist, mit dem Symboldrama ein Instrument in die Hand gegeben, das ihr dabei helfen kann. Auch der Begriff der Rolle, soweit er überhaupt eine sinnvolle Kategorie ist, gewänne neue "Tiefendimensionen", wobei es fraglich erscheint, ob die soziologische Rollenmetapher in der Lage ist, die Vorgänge im  Symboldrama und ihre Veröffentlichung in der Kreativbeziehung zu  beschreiben.
Es drängt sich die Frage auf, was die Rollenmetapher erklärt,  wenn die Person, die ihr katathymes Bild erlebt, dieses Bild ist, in ihm und es lebt. Genügt beipielsweise die Tatsache, dass man reflektiert schon von der  Rollenhaftigkeit des Erlebten zu sprechen? Diese Frage wird jedoch im Zusammenhang mit der Erörterung des Rollenkonzepts von Gruppe und  Sozialisationsprozess zur Erklärung sozialer Kreativität eingehender behandelt  werden müssen.

Mit Recht kann gefragt werden, worin eigentlich das kreativierende Moment  ist, das ja teilweise auch ein therapeutisches ist, liegt. Es wurde deutlich, dass die Bilderlebnisse Projektionen individueller und sozialer Konflikte  und Spannungen sind und im Sinne der Traumanalyse und der Soziologie des sozialen Wandels interpretiert werden können. Allerdings können auch ohne diese Interpretationen bei der vorliegenden Kreativitätstechnik kreativierende  Wirkungen entfaltet werden. Wodurch?

Ganz allgemein wäre die Frage so zu beantworten, dass sowohl der kreativierende als auch der therapeutische Prozess sich überwiegend in Form eines Übens und Probehandelns auf der Symbolebene vollzieht, indem der Übende durch  die verschiedensten Motive geführt wird. So werden neben anderen  Standardmotiven, die als Kristallisationskern typischer, spannungsgeladener Vorstellungen dienen, das Motiv eines Berges, der von der Wiese aus erklommen  wird und einen Rundblick über die Landschaft erlaubt, verwendet.
Schwierigkeiten des Aufstieges, die Berghöhe, die Art der  imaginierten Landschaft und viele Details geben Auskunft über die Probleme der  aktiven Durchsetzung des eigenen Anspruchs, der Leistungsmotivation und der gehegten Erwartungen und damit der Rivalität (mit dem Vater oder mit Brudergestalten).
Ein weiteres Motiv, das besonders wichtig für die Entwicklung sozialer Kreativität ist, besteht darin, dass man den Übenden sich Beziehungspersonen vorstellen lässt. Vorgesetzte, der Ehemann, Geschwister und Kinder können herbeizitiert werden.
Ihr Verhalten gegenüber den Patienten ist  aufschlussreich und regt zu Versuchen an, sich ihnen zu nähern, sie anzusprechen, zu berühren und damit die unbewusste Einstellung ihnen gegenüber zu erkennen. Für den Beginn der jeweiligen Kreativitätssitzung, aber auch für diagnostische Zwecke dient auch das Standardmotiv zur Ermittlung des Ich-Ideals.
Der zu Kreativierende wird angehalten, sich einen gleichgeschlechtlichen Vornamen  einfallen lassen, um die dazugehörige Person zu imaginieren.
In der Regel,  erscheint eine bekannte Person, die jene Eigenschaften verkörpert, die der Patient selbst gern haben würde. (Identifikationsproblem).

Als ein weiterer Faktor für die kreativitätsfördernde Wirkung des katathymen Bilderlebens kann die besondere Art der Sozialbeziehung von Kreativitätslehrer und Übenden verstanden werden. Sie  ist - wie Leuner ganz richtig feststellt - durch ein eigentümliches "sowohl - als - auch" gekennzeichnet.
Auf der einen Seite befindet sich - gehen wir  vorerst von der Übung in der Zweiergruppe aus - der Übende in liegender Position auf der Couch, neben dem bei ihm sitzenden Kreativlehrer in einer angenehm versenkten Entspannung. Es ist eine Situation, die an die passiv-behütete Position der frühesten Kindheit erinnert, und mit Spitz als anaklitische Übertragung bezeichnet werden kann. Dieses Moment der behüteten Geschütztheit  und passiven Hingabe ist die eine Seite, das bedeutet Angstschutz und Verminderung von Widerständen, sofern eine als positiv zu bezeichnende vertrauensvolle Übertragung auf den Therapeuten besteht.
Auf der anderen  Seite jedoch wird der Übende in die Welt der inneren Bilder versetzt und  übernimmt hier - wenn auch unter Anleitung - eine aktive Rolle, indem er das  Wagnis der imaginierten Traumwelt und das Probehandeln in unbekannter Tiefe auf sich nimmt. Als weiteres Moment kommt hinzu, dass der übende dem Kreativlehrer zuliebe manche Aktionen und Versuche, Schwierigkeiten auf der Bildebene zu überwinden, vornimmt. Weiters hat die Vergegenwärtigung des Gefühlstons der jeweiligen Spannungsbereiche kathartische Wirkung.
Dabei kann die Erfahrung des Traumes angeknüpft werden. Schon Freud und Jung haben darauf hingewiesen,  dass der Traum einen nächtlichen Ausgleichsvorgang der Seele darstellt. Allein  kann die Tatsache, dass sich in ihm Spannungen (intra- und interpersonale), Unruhe, Neugierde und neurotische Konflikte, die am Tage auftraten, in der traumhaften Form der Bilder äußern und damit auf der Ebene des Primärprozesses durchlebt werden, eine innere Entspannung den Versuch einer kreativen Lösung und ein Stück Verarbeitung bedeuten. Was uns sonst verborgen bleibt und nur hintergründig beunruhigt, tritt nun im Traum - erst recht im wachbewussten Zustand des Tagtraumes - gewissermaßen als sichtbare Produktionsform authentischer Erfahrung hervor. Die Imaginationen katathymer Bilder können, wie  wir ja schon ausgeführt haben, tatsächlich fast wie die reale Welt wahrgenommen werden.

Der Charakter der sonst latent bleibenden  verinnerlichten Soziostruktur und ihr Konflikt mit den Antrieben wird auch darin  deutlich, dass man das bisher nur Gefühlsartige jetzt bei der Beschreibung des Bildes sehr differenziert ausdrücken kann. Das Gefühl, erlebte Zurücksetzungen und Fremdbestimmungen, sowie die daraus folgenden inneren Spannungen und Konfliktlagen formieren sich zu einem anschaubaren Gegenstand. Wie ja bereits erwähnt wurde, wird großer Wert auf die Beschreibung des begleitenden Gefühlstones und der Stimmung gelegt. Eine damit verbundene modellhafte Bewältigung von unbewussten und vorbewussten emotionalen Impulsen ist nach Art einer "Mikrokatharsis" ein besonders wichtiges kreativierendes Moment. Manche  Personen, besonders stark schizoid strukturierte Neurotiker, lernen auf diese Weise überhaupt erstmals feinere Regungen in Beziehungen bewusst zu registrieren und sich andrängende Emtotionen zu gestatten.

Zum emanzipatorischen Stellenwert der Produktion katathymer Bilder muss jedoch gesagt werden, dass sie in ihrer unaufgehobenen Form als bloß triebökonomisches  Gleichgewicht gegenüber unerträglich entfremdeten Verhältnissen, selber bloß ein  Ausdruck dieser Entfremdung sind. Ihre Inhalte sind deshalb verkehrtes Bewusstsein. Der Form seiner Produktion nach ist das katathyme Bild jedoch unbewusste praktische Kritik an erlebten entfremdeten Verhältnissen. Diese Phantasietätigkeit kann als rudimentäre Produktionsform von emanzipatorischer  Kreativität, wie sie auch im nächsten Abschnitt im Rahmen der Rollentheorie zu  fassen versucht wird, angesehen werden.

Als weiteres kreativierendes und therapeutisches Moment kann die erlebnismäßige Rückwirkung des zum Objekt werdenden Bildes auf die Struktur der Sozialperson bezeichnet werden. Dieses erwähnte Ablösen und Herausstellen (Selbstdistanzierung als Rollendistanzierung) ist noch ausgeprägter, wenn die Person, die ihre Kreativität steigern will, das imaginäre Bild zum greifbaren  Objekt macht, etwa indem sie es zeichnet, malt oder das innere Drama mit anderen  Personen darzustellen versucht. Damit kann dem Bild in größerer Distanz gegenübergetreten werden, es ist möglich, das katathyme Bild ausführlich zu besprechen, was während der bloßen Imagination in der Sitzung nicht aus dieser  kritischen Distanz möglich ist.

Über dem medizinisch-therapeutischen Gesichtspunkt der Betrachtung des katathymen Bilderlebens wird der Versuch der Sozialperson, befriedigende Beziehungen herzustellen, individualistisch dann so  gesehen:
"In diesem spontanen Gestaltungsdrang der Psyche durch Hinausprojektion der eigenen emotionalen Zustände manifestiert sich aber nicht  nur ein Moment der Selbstheilungstendenz. Ein ebenso wichtiges Moment liegt darin, dass das Hinausverlagerte ja nun wieder betrachtet wird und damit eine unmittelbare Rückwirkung auf vorbewusste und unbewusste Bereiche der Psyche hat. Wir sehen diese Rückwirkung ebenfalls deutlich, wenn wir eine konfliktfreie Zone des Erlebens einstellen, etwa die Betrachtung eines lieblichen Sees, das Bad in der gestauten Quelle oder das Verweilen auf einer freundlichen Wiese. Sofern es  sich dagegen um die Konfrontation mit Bildern neurotischer Konflikte handelt, wird ein Prozess der Auseinandersetzung der Psyche mit sich selbst in Bewegung gebracht und gehalten."1) Die Idee der Veränderung der je konkreten Beziehung im Hinblick auf eine bessere Wunscherfüllung wird für die psychoanlytisch orientierte Kreativitätssteigerung in der analytischen Beziehung selbst  teilweise zu recht als Ausagieren denunziert.

Als ein viertes kreativierendes Moment kann das übende Vorgehen mit  Einstellung wechselnder konfliktbesetzter und konfliktfreier Bereiche verstanden  werden. Ein wichtiges Element beim übenden Vorgehen in konfliktbesetzten Bereichen ist, dass der Kreativlehrer sehr genau und differenziert den Schüler auf Einzelheiten seines aufsteigendes Bildes achten lässt. Eine auf diese Weise ernüchternde Betrachtung der ins Auge gefassten Einzelheiten - also ein solches Stück-für-Stück-Abtasten und Beschreiben - nimmt angsterregenden Gestalten häufig ihren Effekt. Es ist die Aufgabe des Führers, seinen Schüler an einige  als frustrierend empfundene Verhinderungsmotive heranzuführen, die bis ins Detail in ihrem Gefühlston zu beschreiben sind. So ist es möglich, ihn mit  seinen neurotischen Gehemmtheiten, seinen Abwehren, Befehlserwartungen, Ich-Idealen und Beziehungsschwierigkeiten zu konfrontieren. Konfliktfreie, belohnende und erholende Bereiche findet der Schüler häufig auf seinem Rundgang durch das katathyme Panorama von selbst.

Als weiteres kreativierendes und therapeutisches Moment kann das bereits kurz erwähnte Probehandeln von Realsituationen in der Imagination angeführt werden. Es besteht kein Zweifel, dass alle Bildmotive im katathymen Bilderleben Symbolcharakter haben. Das hindert freilich den Kreativlehrer nicht, sich bei der Einstellung des schöpferisch zu lösenden Konfliktes die Frage vorzulegen, ob er symbolisch eingekleidet oder bewusstseinsnäher in einer Realsituation  aufgegriffen werden soll. Voraussetzung dabei ist allerdings, dass der Kreativlehrer das Besprochene von den aktuellen Konfliktsituationen des Alltags  her kennt. Es wird also die entsprechende reale Situation vorgestellt, und den bereits erwähnten Schritten der differenzierten Beschreibung des angstmachenden Objektes wird gefolgt. Dies ist auch in Form eines phantasierten  Wechselgesprächs mit dem Gegenüber möglich. Die schrittweise Freisetzung von  Ängsten ermöglicht einen schöpferischen Umgang mit dem furchterregenden Objekt. Abschließend sollen noch einmal der kreativierende Ansatz des katathymen Bilderlebens und seine Instrumente erwähnt werden.
 

1. Die übende Methode

Allein die Übung der Imaginationen der ersten drei Standardmotive: Wiese,  Bach, Berg, ev. unter Einschluss der Kontaktaufnahme zu Beziehungspersonen und  der Ermittlung des Ich- Ideals kann eine fruchtbare kreativitätssteigernde  Wirkung haben.


2. Das assoziative Vorgehen

Im Gegensatz zu der relativ streng gelenkten übenden Methode wird das  katathyme Bild beim assoziativen Vorgehen besonders frei gehandhabt. Der Gefühlston des Erlebens soll registriert werden, der Gesichts- und Augenausdruck von symbolischen Gestalten daraufhin untersucht und Realeinfälle sollen assoziativ aus der Vergangenheit und der Gegenwart angereichert werden. Auch die Frage nach möglichen Zukünften wirkt in diesem Zusammenhang für die eigene  Lebensplanung kreativitätssteigernd.


3. Das regieführende Symboldrama

Unter dem Gesichtspunkt der dramatischen Auseinandersetzung der  Symbolgestalten miteinander wurden Instrumente der Regieführung entwickelt. Diese Instrumente der Regieführung sind allerdings nicht indifferent, da jeder suggestive Eingriff in die inneren Spannungsfelder wieder einen relativ verbindlichen, symbolischen Charakter hat. So können sich bei falscher Anwendung kreativitäsmindernde (z.B. neurotische) Zustände verstärken. Diese Instrumente sollen deshalb nur von erfahrenen Kreativitätslehrern und Therapeuten benutzt werden.


4. Kombination mit der psychoanalytischen Technik

Ursprünglich wurde das katathyme Bilderleben als eine nichtinterpretierende  Methode konzipiert. Auch ohne psychoanalytisch-verbale Durcharbeitung von Problemlösungssituationen können befriedigende kreativierende Ergebnisse erzielt werden. Bei Sozialpersonen mit sehr rigiden Erwartungen und Charakterdeformierungen bedarf es allerdings streckenweise der Hilfe einer psychoanalytischen Durcharbeitung, um die soziale Kreativität zu steigern.


5. Selbstanalytische Aktivität

Angeregt durch die Arbeiten von Leuner wurde in den USA eine introspektive Technik des katathymen Bilderlebens entwickelt. Es werden regelmäßig selbstanalytische Sitzungen durchgeführt, in denen der Proband seine  imaginierten Inhalte auf Tonband spricht, hinterher abhört und Einfälle und  Assoziationen dazu zu Protokoll bringt. In regelmäßigen Abständen wird das  Material einem Supervisor vorgelegt und mit diesem unter dem Gesichtspunkt der Steigerung der sozialen Kreativität diskutiert.


6. Das katathyme Bilderleben in Gruppen


Dies ist auf zweifache Weise möglich. Einerseits können die Gruppenmitglieder  angehalten werden einer Person, die sich in einem katathymen Bild befindet,  sozusagen in ihrem Bild zu folgen, um dann über Differenzen und Übereinstimmungen in den Vorstellungen zu sprechen, andererseits kann ein Gruppenmitglied zu sprechen  beginnen und die anderen veröffentlichen dann auch ihre Bilder. Es ergibt sich sozusagen ein katathymes Gespräch. Für die Steigerung sozialer Kreativität wird  diese Art des katathymen Bildes (Gruppenphantasie) dann besonders steigernd  wirken, wenn Realsituationen durch Probehandeln im katathymen Bild verändert  werden. Ausgehend etwa von der Frage: Was ist unser Problem? Oder: Was könnte in den Beziehungen geändert werden? usw. Die dazu imaginierten Inhalte veranschaulichen oft eindrucksvoll die latenten Ängste, Fehlerwartungen, Beziehungen und Wünsche. Tiefere Emotionen werden aktiviert, leichte  kathartische Reaktionen gefördert und mit Hilfe von Assoziationen und Realeinfällen wird die kreative Auseinandersetzung mit zunehmender Einsicht gefördert und rigide Einstellungen und neurotische Fixierungen können sich lösen.




3.2.5. FRÜHKINDLICHE SOZIALISATION UND KREATIVITÄTSENTWICKLUNG IN  PSYCHOANALYTISCHER SICHT



Welche Phasen muss der Mensch durchlaufen, bis er zu schöpferischer Liebe und Arbeit fähig ist, beziehungsweise bis er - was heute ja nahezu die Regel ist - an diesem Ziel scheitert? In den "drei Abhandlungen der Sexualtheorie"(113) hat Freud seine Lehre von der Persönlichkeitsentwicklung dargestellt, die später von seinen Schülern erweitert wurde. Die eher kulturpessimistische einleitende Fragestellung, wie wir sie auch bei Gottschalch(114) finden, wollen wir nicht näher behandeln, vielmehr geht es uns darum, von der Psychoanalyse für die Soziologie der Kreativität wichtige Informationen über die charakterprägende Bedeutung solcher Erziehungsvorgänge wie Entwöhnung, Reinlichkeitserziehung und Beschränkungen der frühkindlichen Sexualbetätigung zu erhalten und wie folgenreich die emotionalen Beziehungen zwischen Kindern und Eltern sind.  Nach der Lehre der Psychoanalyse ist die erste Phase menschlicher Sexual-,  Sozial- und Kreativitätsentwicklung die Oralphase. In dem, dem folgenden  Abschnitt zugrundeliegenden Schema der kindlichen Entwicklung werden die hier behandelten Sozialisationsabschnitte unter folgenden leitenden Gesichtspunkten gesehen:
Der jeweiligen biogenetischen Phase wird die jeweils phasenspezifische Stufe der kreativen Ich-Entwicklung und der Entfaltung eines flexiblen Über-Ichs zugeordnet. Weiters werden die wesentlichen Kriterien des  sozialen Umkreises, die phasenspezifischen Konflikte und phasenspezifisch abweichende Entwicklungen zugeordnet.

In der Oralphase wird die Sexualitätigkeit von der Nahrungsaufnahme, zumindest in der psychoanalytischen Terminologie noch nicht unterschieden. Das Objekt der Sexualtätigkeit ist auch das der Nahrungsaufnahme, das Sexualziel besteht in der Einverleibung des Objektes, dem Vorbild dessen, was in der weiteren Folge als Identifizierung und Internalisierung, sowie bei der Bildung der Identität eine so bedeutsame psychische und soziale Rolle spielt. Wenn dem  Kind in dieser Phase die Mutter oder eine andere ständige Pflegeperson verweigert wird, es also ganz oder teilweise unter Mutterverlust und Entzug affektiver Zufuhr leidet, wird das Kind nicht die Fähigkeit, andern und sich  selbst zu vertrauen, erlernen. Die für das Kind zur Verfügung stehende Zeit, die  ja subkulturspezifisch variiert, sowie die Sensibilität und schöpferischen Liebe der Mutter beeinflussen, was wir als die Grunddisposition zu kreativer Selbstsicherheit bezeichnen können.

Im Anschluss an die orale Phase folgt dann ab Beginn des zweiten Lebensjahres  die anale Phase. In dieser Phase reift das Muskelsystem, das Kind lernt, die  analen und urethalen Schließmuskeln zu beherrschen. "Festhalten" und  "Loslassen", die Fähigkeit, den Vorgang der Entleerung von Darm und Blase  regulieren, wird erworben und in Kulturen, in denen man auf eine relativ rigide Sauberkeitserziehung Wert legt, als Machtmittel in den Dienst kindlichen Selbständigwerdens gestellt. Der soziale Umkreis erweitert sich von der Mutter auf den Vater. Dem Kind werden erste Vorstellungen von "Gesetz und Ordnung und wie man sie bricht" vermittelt.

In einem günstig strukturierten familialen Rollen- und Kommunikationssystem kann das Kind mit Ende dieser Phase bereits ein relativ dauerndes Gefühl von kreativer Autonomie und Stolz erwerben.

Können jedoch die sich aus dieser Phase ergebenden Schwierigkeiten und Krisen  des Kindes kommunikativ nicht aufgearbeitet werden, folgt die Entwicklung und  Zwangscharakter, der in der politischen Psychologie auch als autoritärer Charakter beschrieben wird. Dieser Zwangscharakter, auch als Analcharakter bezeichnet, ist geizig und kleinlich in bezug auf Liebe, Zeit, Geld und - was  für die Kreativitätsforschung wichtig ist - im Hinblick auf das Hergeben und Loslassen von Ideen, sowie im Hinblick auf die Anerkennung von abweichendem kreativen Sozialverhalten. Jedenfalls zeigt der Zwangscharakter übertriebene Schaumhaftigkeit. Er fühlt sich stets exponiert und beobachtet und belauert sich auch selbst nach Regungen, die er für "unsauber" und "nonkoform" hält. Die Bedeutung dieser Phase kann als für die Gestaltung der Objektbeziehungen konstituierend angesehen werden. Nur die konsistente und kontinuierliche  Entwicklung ermöglicht es dem Kind, alle Fähigkeiten, die aufgrund seines Reifungszustandes möglich sind, auszubilden. Außer koordinierter  Muskelbetätigung ist besonders auf die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten und des kreativen Sprachgebrauchs zu achten. "Jeder Bruch wird die Ausbildung weiterer Umweltkontakte und Entdeckung von Neuem zumindest erschweren, die Persönlichkeit in ihren Möglichkeiten einschränken und sie später als besonders rigide erscheinen lassen".(115) Da ja weitgehend gesellschaftlich definiert wird, was neurotisch ist, muss weder der "orale" noch der "anale"  Charakter neurotisch sein.

Im dritten oder vierten Lebensjahr gerät das Kind in die phallische oder infantil-genitalische Phase. Diese Phase kräftiger Entwicklungsschübe ist jedoch  auch ein Sozialisationsabschnitt, der seine spezifischen Krisen hat. Das Kind lernt in dieser Zeit, sich freier und kraftvoller zu bewegen und gewinnt dadurch  ein weiteres, wie es ihm scheint, unbegrenztes Tätigkeitsfeld.

Auch vervollkommnet sich sein Sprachvermögen, sodass es sehr viel verstehen und fragen kann. Sowohl die sich erweiternde Bewegungsfreiheit wie auch die Sprache weiten seine Vorstellungswelt. Es zeigt  einen intensiven Wissensdurst auf sexuellem Gebiet, dessen Ignorierung zu einer Unterdrückung der Intelligenz, der Kreativität und damit in Verbindung des Mutes zum Fragen und Denken überhaupt führen kann. Die Entfaltung der frühkindlichen genitalen Sexualität macht diese Zeit für viele Eltern zu einem peinlichen Problem. Die Abwehr der inzestuösen Bestrebungen der Kinder führt in einer  sexualfeindlichen Kultur wie unserer, zur Sexualabwehr überhaupt. Die dabei  entstehenden Schuldgefühle aber lähmen wiederum Initiative und Kreativität der  Kinder. Die Schwierigkeiten und Probleme, die das Kind in diesem Alter hat,  wurden von Freud unter dem Begriff des "Ödipuskonfliktes" gefasst. Das Kind muss in dieser Phase lernen, seine sexuellen Neigungen zum gegengeschlechtlichen Elternteil zu verarbeiten. Gelingt dies nicht, entwickelt sich aus dem "Ödipuskonflikt" der "Ödipuskomplex". Die Identifikation mit den stark libidinös besetzten Eltern und die Internalisierung ihrer Verbote sind konstituierend für das Über-Ich.

In der Latenzzeit erfolgt eine Verallgemeinerung des Über-Ichs sowie - unter günstigen Bedingungen - eine Entfaltung des kreativen Ich-Ideals und erste  Realisierungsversuche dieses Selbstkonzeptes. Der vierte Abschnitt der sozio-sexuellen Entwicklung ist gekennzeichnet durch eine Erweiterung der sozialen Umwelt von Vater, Mutter und Familienangehörigen auf die Umgegend und  die Schule. Die gesellschaftlich-historische sowie subkulturelle Bedingung der Verlaufsformen von Latenz wäre zu untersuchen. Mit der Lösung der ödipalen Konflikte setzen wir die primäre Sozialisation als beendet an.
Während des  vierten Abschnittes der kindlichen Sozialisation beginnt - in soziologischen  Termini ausgedrückt - die "sekundäre Sozialisation", deren gesamter Verlauf wesentlich davon bestimmt ist, wie die Probleme der ödipalen Phasen verarbeitet  wurden. Für das Ende der Latenz können wir, auch wenn der Beginn des zweiten Ansatzes der Sexualentwicklung kulturell unterschiedlich ist, ein eindeutig  physiologisches Kriteritum angeben: Die Ausbildung der Keimdrüsen und der sekundären Geschlechtsmerkmale.

"Die allmähliche Rückbildung der polymorphen Sexualität des Neugeborenen,  ihre Konzentration auf bestimmte Zonen und Organe und ihre Negation mit dem Beginn der Latenzperiode, treten auf mit einem sozialen Prozess der Unterdrückung und Versagung der Triebbefriedigung, mit dem die Ausbildung des  Wirklichkeitssinnes, die Ich-Entwicklung, einhergeht."(116)
Ein weitergehender Ansatz, der sowohl vom Standpunkt der analytischen Sozialpsychologie, als auch der  Sozialisationsforschung überhaupt von Bedeutung ist, ist bei Richter(117) zu finden, der wesentliche empirische Aspekte des familialen Rollensystems  im Hinblick auf die Verhaltensstile der Eltern beschreibt. Bei ihm werden als  maßgeblich für den Einfluss der Eltern auf das Kind die unbewussten elterlichen  Phantasien angegeben. Ohne das Reduktionismusproblem jetzt in seiner  rollentheoretischen Dimension entfalten zu können, sei doch auf den von Richter herausgebildeten Begriff von Erwartung eingegangen. In den unbewussten elterlichen Phantasien drücken sich affektive, auf das Kind gerichtete, Erwartungen aus. Die strukturierte Gesamtheit dieser Erwartungen ergibt die Festlegung einer bestimmten Rolle für das Kind. Das die Rollenvorschriften  motivierende elterliche Bedürfnis ist es, sich der Hilfe des Kindes bei der Austragung eines eigenen Konfliktes zu bedienen. In seiner Rolle soll das Kind entweder einen anderen Rollenpartner, der zumeist aus der Kindheitsgeschichte  der Eltern stammt, oder einen Aspekt ihrer kreativen oder unkreativen Ich-Identität repräsentieren. Welche der beiden Erwartungen in den Eltern aktiviert wird, ergibt sich daraus, ob sie auf das Kind eine Übertragung oder  eine narzisstische Projektion vollziehen. Der Autor führt aus, wie die dem Kind von den Eltern unbewusst vorgeschriebene Rolle eine traumatische Bedeutung  erlangen kann und es dem Kind teilweise unmöglich gemacht wird, sich mit dieser Rolle in realitätsgerechter Weise auseinanderzusetzen. Folgende  rollendeterminierende Erwartungen können unterschieden werden.
Erstens kann das Kind als Substitut für einen anderen Partner gesetzt werden.. So zum  Beispiel als Eltern-, Gatten- oder Geschwisterersatz.

Zweitens kann das Kind als Substitut für die eigene (elterliche) Identität gesetzt werden. Dies ist als Abbild schlechthin, als Identitätsideal und als negative Identität möglich. Ein dritter Rollentypus entsteht, wenn beide Elternteile mit widersprechenden Rollenerwartungen um den  Einfluss auf ihren kindlichen Rollenpartner konkurrieren. Besonders deutlich wird in diesem Ansatz die oft verhängnisvolle Verquickung von identitätsbildender  Individualgeschichte und der Sozial- und Leidensgeschichte der sozialisierenden Gruppe.
Die zusammenfassende Darstellung der Phänomenologie kindlicher Entwicklung in einer Matrix, die aus vier Altersgruppen und nach sechs  Gesichtspunkten, die relevant für eine psychoanalytisch orientierte Betrachtung kreativitätsfördernder Sozialisationsprozesse sind, erfolgt umseitig.
 

Sozialisation und Kreativität

Gestaltung und Bearbeitung by Petra Hafner &
Daniela Czell

Video im real player format auf http://kanalb.de/index.php
.
siehe auch:
deportation-class.com

Neu in der philosophischen Audiothek
Z
um Download und Streaming zugänglich:

http://audiothek.philo.at