7. Beobachtung eines Kommerses

Einige methodische Probleme im Zusammenhang mit  der Anwendung der teilnehmenden Beobachtung habe ich bereits im zweiten Kapitel erwähnt; die Schwierigkeiten bei der Beobachtung selbst waren sehr groß. Der Komplexität der eher informellen Kommunikation konnte kaum Rechnung getragen werden. Die genaue Analyse und Interpretation dieser Beobachtungsprotokolle wird einer eigenen Arbeit vorbehalten bleiben. Die ritualistische Dimension der  CV-Sozialisation wird durch die Konzantration auf die formelle Kommunikation in diesem Kapitel auch ohne Inhaltsanalysen sehr deutlich.

Zwei Beobachter (ein stationärer und ein mobiler) zeichneten die wichtigsten Abläufe des Kommerses auf. Ein weiterer Beobachter sollte Spannungen, Konflikte  und Normabweichungen protokollieren.



7,1) Vorbereitung

An der Vorbereitung des Kommerses sind besonders beteiligt: Senior,  Consenior, Fuchsmajor und Philistersenior.

Die Beobachtung der Redner hat gezeigt, dass beinahe alle Festredner ein Konzept verwendet hatten. Eingehende Beratung und Aufstellung des Programmes erfolgt am Chargen-Convent und in Verbindung mit dem Philistersenior. Lieder und Liedfolge wurden ausgewählt. Es kam zu Konflikten, da der Philistersenior entgegen der Meinung der Aktivitas der Meinung war, auf dem Kommers dürfte keine Rezeption stattfinden. Ebenso wollte der Philistersenior das Konzept der Reden(1) der beiden Aktiven sehen. Der Chargenconvent  setzte sich durch.

Das Pöstlingberghotel wurde gewählt, um den bayrischen Gästen Linz zeigen zu können. Der Senior bereitete sich ebenfalls auf den Kommers vor, indem er seine Contraspitzen instruierte und mit ihnen Teile des Kommerses durchspielte. Eine erste und vorläufige Begrüßungsliste wurde verfasst, die einzelnen Kommandos genau aufgeschrieben.  Einladungen an bedeutende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wurden verschickt.



7,2) Durchführung des Festkommersprogramms vom 29.11. der Katholisch-Akademischen Verbindung Austro-Danubia (AD, gegründet 1966)

In der Folge werde ich anhand einer Beobachtung durch, wie bereits erwähnt,  zwei Beobachter und einer Beobachterin und anhand einer Tonbandaufnahme (für die  eher formale und zu allen gesprochene Summe der Interaktionseinheiten) einen der  bedeutendsten (Kosten, Anzahl, Kontinuität) Programmpunkte von  Studentenkorporationen darstellen.

Drei- bis viermal im Jahr wirde dieses Fest in den Verbindungen in ähnlicher Weise wiederholt. Eine kurze Interpretation werde ich im Anschluss an die Protokollsätze versuchen, obwohl ich mir bewusst bin, dass die von drei ungeschulten Beobachtern festgestellten Tatsachen und Zusammenhänge nicht  ausreichen, signifikante Teiltheorien aufzustellen und zu überprüfen. Dennoch ist es sinnvoll für meinen Versuch der Darstellung der Struktur des CV möglichst exakt die festgelegten und seit Generationen tradierten Verhaltensweisen (Comment), die obzwar es Analoges z.B. in den Riten der Kirche gibt, doch spezifisch für Studentenverbindungen sind, darzustellen.



7,21) Ort, Datum, Beginn, Raum, Kleidung, Dauer

Ort: Festsaal des Pöstlingberghotels, Linz

Datum: 29.11.1969

Raum: im Stil der Zwischenkriegszeit gestalteter Festsaal, an dessen Rückwand die Türen herausgenommen wurden, um in das angrenzende Zimmer - in Fortsetzung der Tafeln des Saales - Tische stellen zu können. An der Stirnwand ober dem Präsidium ist die Fahne (blau-weiß-rot) angebracht. Auf den  Tischen stehen Blumen und Fähnchen.

Kleidung: Herren meist im schwarzen Anzug, jedoch auch einige graue Anzüge. Alle (bis auf die neu Aufzunehmenden tragen ihre  Verbindungsfarben auf der Brust. Diese Bänder sind je nach dem Grad der Mitgliedschaft zwei- oder dreifärbig. Nur das Vollmitglied darf die vollen Farben tragen. (Burschen und Burschen die bereits im Beruf stehen und nach einem eigenen Ritus philistriertwurden = Philister = Alter Herr, tragen ein dreifärbiges Band)

Dauer: offizieller Teil: 20.35 - 23.55 (identisch mit der  Zeit der Beobachtung)

geschätzte durchschnittliche Verweildauer im Festsaal: 3 Stunden 45 Minuten

Bemerkenswert: Uniform (Wichs-Festkleid) der Chargierten

Sie leiten des Kommers nach tradierten Regeln und vollziehen in  hervorragender Weise die Riten.



7,22) Sitzplan, Anzahl der Teilnehmer

 

Ich werde, soweit das mit zeichnerischen Mitteln überhaupt möglich ist, durch  den Sitzplan und einige relativ konstante Strukturen solcher Sitzpläne dem eingangs formulierten Ziel soziologischer Strukturanalyse einen kleinen Schritt näher kommen. Die geringen Mittel, die Anwendung nur einer soziologischen Methode, die auch noch die unexakteste ist, die Komplexität und die relativ  lange Dauer dieser sozialen Situation, sowie eine fehlende empirisch abgesicherte soziologische Theorie des Festes legen für mich Bescheidung in der Reichweite der Interpretation nahe.



Annäherungsweise Tabellarische Darstellung der räumlichen Gliederung der einzelnen Statusgruppenbeim Kommerse vom  29.11.1969

(Präzisere Darstellung in der Papierform der Diplomarbeit Seite 77)



Rednerpult

Senior, Präsidium

Musik

Leiter der aktivenVerbindung

Honoratiorentafel

Landeshauptmann, LH-Stellv., Abgeordnete, General, usw.

Altherrentafel







Altherrentafel

Altherrentafel

Ehrenmitglieder, CV-Spitzen, Philistersenior, Gattinen der Honoratioren, Alte Herren

Altherrentafel





berufstätige Stud.

berufstätige Stud.

berufstätige Studenten

Burschentafel





Burschentafel

Burschentafel

Burschen

Burschentafel





Burschentafel

Fuchsentafel



Füchse, Aufnahmewerber

Schriftführer

Fuchsmajor




In den Pausen wird die hierarchische Sitzplanordnung durchbrochen. Dies  findet besonders bei Begrüßungen und Gratulationen (nach dem Akt der Rezeption  und Burschung z.B.) statt.

 

Teilnehmerzahl:

5 Chargierte, 102 CV-Mitglieder, 27 Damen, also134 Teilnehmer.

 

Einige Arbeitshypothesen im Zusammenhang mit dem Sitzplan als eine der Repräsentationen für Verbindungsstrukturen müsste eine spätere und genauere Untersuchung überprüfen.

- Tendenziell gilt: Je weiter vorne desto höher der Status in der  Verbindung und vice versa.

- Je weiter vorne desto höher der Status in der Gesellschaft (Politik, Kirche, Verwaltung, Wirtschaft) und vice versa.

Folgende Einschränkungen sind notwendig: Die Thesen gelten nicht im Hinblick auf den Senior der aktiven Verbindung und seine Conchargen. Ein wichtiger Grund  hierfür dürfte sein, dass die hochbewertete Funktion des Seniors nicht in einem Semester mit der Person verbunden werden kann. Bei manchen Senioren führt das nach Abgabe ihrer Funktion zu Identitätskrisen über deren Ausmaß, Dauer und Bewältigung jedoch keine Ergebnisse vorliegen.

Die Statushierarchie in der aktiven Verbindung, die ja die Studierenden umfasst, ist, das kann ich aus mehrjähriger Beobachtung sagen, wesentlich labiler als in der Altherrenschaft. Betrachtet man die Gesamtverbindung, und nach offizieller Sprachregelung gibt es  nur eine Verbindung, kann man eine relativ stabile Statushierarchie ausmachen, die jedoch erst ihren temporären Charakter mit dem Übertritt in die  Altherrenschaft verliert. Ob die Statusunsicherheit der Studierenden, die in Studentenverbindungen Mitglieder sind, anders ist als bei unorganisierten  Studenten kann nur vermutet, jedoch nicht empirisch belegt werden.

Als weitere Einschränkung obiger Thesen muss angeführt werden: Politisch ist die Gruppe, die sich trifft um einen Kommers zu schlagen, relativ (siehe die Ergebnisse der Befragungen) homogen. Die Kommersierenden stehen, obwohl dem  Verband selbst politische Bestrebungen fernliegen, meist der österr. Volkspartei nahe, oder sie leiten sie.

Überrascht haben bei den Befragungen nicht nur die relativ hohen Prozentsätze  in denen junge CVer die SPÖ (vor allem aber die FPÖ) für den CVer für wählbar halten, sondern auch die hohen Prozentsätze die "Entrümpelung, Reduzierung ja Abschaffung vieler traditioneller Sitten" fordern.(2)

Um ein möglichst genaues und authentisches Bild von der Struktur dieses  Festes zu geben, was m.E. auch die Sprachstrukturen mitmeint, sei es mir gestattet, die alten studentischen Ausdrücke, die auch bei den nationalen Verbindungen ähnlich sind und die Generationen von Akademikern mitgeprägt haben,  zu verwenden.

Ich hoffe, dass ich als teilnehmender Beobachter, der ich ja nur im Hinblick auf diese Arbeit bin, soviel Distanz zum Beobachtungsgegenstand entwickelt habe, dass ich die notwendigen übersetzungen jeweils sofort leiste.

Die Bruchstückhaftigkeit dieser ersten, teilnehmenden Beobachtung unter  wissenschaftlichen Gesichtspunkten ist mir bewusst, doch scheint sie mir im Hinblick auf das untersuchte Neuland und in der Hoffnung auf weitere und dann präzisere Untersuchungen tragbar.



7,23) Erste Phase: Eintreffen der Verbindungsmitglieder und Gäste, Begrüßung, Einzug der Chargierten, Erstes Allgemeines, Colloquium, 2. Lied, offizielle Begrüßung,

Stichwortartig seien die Begebenheiten dieser Phase durch Kombination der  Aufzeichnungen der 3 Beobachter und durch Abschrift der Tonbandaufnahme dargestellt.

19.00 Uhr Eintreffen der ersten Verbindungsmitglieder, besonders Chargen.  Begrüßungsformeln: Servus, Servus lieber Bundesbruder, Servus lieber Alter Herr,Servus, Heil Dir, Servus, grüß Dich Gott. Händeschütteln. Wie geht es Dir. (Es fiel uns auf, dass junge Mitglieder diese Formeln teilweise häufen und in übertriebener und ironischer Art aussprechen.)

Auswahl der Plätze. Meist bei Freunden und nach der offiziellen Sitzordnung.

Zwischenfall: Aktiver Bursch, der berufstätig ist, will in die Nähe seines Chefs (also weiter oben) sitzen. Der Consenior in dessen Verantwortungsbereich  die Platzverteilung liegt, bittet ihn, weiter hinten Platz zu nehmen. Der Bursch jedoch bleibt hart und der Consenior gibt nach.

Quartett beginnt zu spielen. Die Bundes- und Cartellbrüder begrüßen einander. Von Tisch zu Tisch und alle begrüßend geht nur Landeshauptmannstellvertreter E. W.

20.15 wäre offizieller Beginn. Da wie bei jedem Kommers viele etwas späterkommen, marschieren die Chargierten erst um 20.35 Uhr ein.

 

Consenior ruft: "Silentium. Zum Einzug der Chargierten omnes surgite."

Alle, mit Ausnahme der Damen, erheben sich. In Vollwichs gekleidet erscheinen  die Chargierten (Senior, Fuchsmajor, Schriftführer, Kassier und zweiter Schriftführer). Sie begeben sich in Reihe zur Stirnwand, salutieren und nehmen anschließend ihre Plätze ein. Während des Einzuges spielt die Musik den  Hessenmarsch.

 

Alle Chargierten schlagen mit dem Schläger drei Mal auf den  Tisch.

 

Präsidium = Senior (Helmut Kukacka): "Silentium! Commercium festicum anläßlich der Bandverleihung an Kommerzialrat Friedrich Jahn incipit! Omnes sedeatis! Es steige das erste Allgemeine Gaudeamus igitur Musik einige Takte voraus! (Alle, bis auf die Chargierten, haben sich gesetzt). Zur Ersten!" (Diese Kommandos werden laut und deutlich gegeben.)

 

/: Gaudeamus igitur, iuvenes dum sumus; :/ post iucundam iuventutem, post  molestam senectutem /: nos habebit humus. :/

 

"Ubi sunt, qui ante nos! Zur Zweiten!"

 

/: Ubi sunt, qui ante nos in mundo fuere? :/ Vadite ad superos transite ad inferos, /: ubi iam fuere. :/

 

"Vita nostra brevis est! Zur Dritten!"

 

/: Vita nostra brevis est, brevi finietur, :/ venit mors velociter, rapit nos  atrociter, /: nemini parcetur. :/

 

"Vivat academia, vivant professores! Zur Vierten omnes surgite!"

(Alle, außer den anwesenden Damen, stehen auf und halten die Mütze vor der Brust. Die Chargierten strecken die Schläger mit der Schlägerspitze nach rechts oben. In dieser Stellung - "Schläger gestreckt" - verweilen sie zum Zwecke der Ehrenbezeugung während dieser Strophe.)

/: Vivat academia, vivant professores, :/ vivat membrum quodlibet, vivant  membra quaelibet, /: semper sint in flore! :/

 

"Vivant omnes virgines! Zur Fünften!"

 

/: Vivant omnes virgines faciles, formosae, :/ vivant et mulieres, tenerae,  amabiles, /: bonae, laboriosae! :/

 

"Vivat et respublica! Zur Sechsten omnes surgite!"

(Männer erheben sich, Schläger werden gestreckt)

 

/: Vivat et respublica et qui illam regit, :/ vivat nostra civitas,  maecenatum caritas, /: quae nos hic protegit! :/

 

"Pereat tristitia, pereant osores! Zur Letzten!"

(Männer setzen sich)

 

/: Pereat tristitia, pereant osores, :/ pereat diabolus, quivis  antiburschius, /: atque irrisores! :/

 

"Erstes Allgemeines bestens verdankt! Ich bringe meine erste Blume der festlichen Korona! (Erhebt Glas, trinkt) Fiducit!"

 

(Fiducit hallt es aus dem Saal. Die Chargierten salutieren.) "Colloquium" (Worauf sich die Chargierten niedersetzen und im ganzen Festsaal gesprochen werden darf. Gleichfalls dürfen die Plätze verlassen werden.)

 

Jene Leute, die noch kein Getränk bestellt haben (meist Bier) holen dies spätestens jetzt nach. Manche bestellen schon das zweite. Einer, davon wird noch später zu berichten sein, ist bereits betrunken. Viele nehmen sich Zeit einander zu begrüßen. Es wird nach dem Wohlbefinden und den Aktivitäten gefragt. Auch die Progressivenin der Verbindung nehmen teil. Meist höhere Semester, die fast ausschließlich in der ÖSU oder in der ÖH aktiv waren (sind). Man könnte  beinahe vom einem allgemeinen Zulächeln sprechen, was ja vielfaches bedeuten  kann. Sie machen Witze, lachen über den Text, oder singen übertrieben inbrünstig mit.

 

Die schönsten Redewendungen aus den Liedertexten, die vor jedem Platz liegen,  werden unterstrichen. Das Formale (Gruß, Gesang, Zutrinken) wird übertrieben. Zettel mit Mundarttext wird durchgegeben und Hühner in allen möglichen und unmöglichen Situationen und verschieden adjustiert, werden gezeichnet. Die nächsten Aktivitäten werden geplant.

Der Unmut über diese Riten wurde erst einige Male gemeinsam geäußert,  bemerkenswerter Weise wieder durch Riten!

 

- Auf einer Festkneipe wurde der Ruf "Ho Ho Ho Tschi Minh" angestimmt, dem sich ca. zehn Mitglieder anschlossen. Verweis von der Kneiptafel. Einzug der Ausgeschlossenen eingehängt und die Internationale singend. Abermaliger Verweis. Disziplinarische Maßnahmen am nächsten BC. Entzug des Rechts Farben zu tragen für einige Zeit usw.

 

- Auf einem anderen Kommers wurde versucht, eine Protesterklärung gegen die NDP zur Unterschrift durchzugeben und dem Landeshauptmann überbracht. Disziplinarische Maßnahmen konnten gegen diese Gruppe nicht erzwungen werden.

 

- Bei anderen Verbindungen wurden Festreden gehalten, die erstarrte Formen aufzeigten und angriffen. Auch werden bereits Happenings und mixed media shows  versucht.

 

- Außer diesen Unmutsäußerungen konnten an diesem Abend folgende Distanzierungsformen beobachtet werden: Mütze den ganzen Abend ablegen, Lächeln,  Übertreiben, Witzeln, zu falschen Zeitpunkten laut oder zweideutig Lachen, sowie  längeres Verlassen des Kommerses und Wackeln mit dem Kopf.

 

Nach ca. 10 Minuten:

 

Senior: Schlägt drei Mal mit dem Schläger auf den Tisch. "Silentium!"

 

"Hohe Corona! Ich freue mich als derzeitiger Senior Austro Danubiae zum heutigen Anlass eine so stattliche Corona von Bundesbrüdern und Freunden begrüßen zu dürfen, sodass wir mit umso mehr Berechtigung unseren nächsten Cantus anstimmen dürfen: "Sind wir vereint zu guter Stunde" Musik einige Takte voraus!  Zur Ersten!"

 

Sind wir vereint zur guten Stunde, wir starker froher Männerchor, so dringt  aus jedem frohen Munde die Seele zum Gebet hervor, denn wir sind hier in ernsten Dingen mit hehren, heiligem, Gefühl; /: drum soll die volle Brust erklingen ein  volles, helles Saitenspiel.:/

 

"Cantus steht! Silentium!"

 

"Ich freue mich besonders, Landeshauptmann Dr. Gleißner und  Mitglieder der Landesregierung und des Landtages begrüßen zu dürfen. Mein besonderer Gruß gilt den Münchner Cartellbrüdern, die den weiten Weg nicht  gescheut haben zu uns zu kommen. Eine besondere Ehre ist es mir Hochschulprofessor Dr. Hugo Hahn begrüßen zu dürfen.Mit besonderer Freude heiße ich unseren Ehrengast Kommerzialrat Friedrich Jahn willkommen."

"Es steige die zweite Strophe: "Wem soll der erste Dank  erschallen?""

 

Wem soll der erste Dank erschallen? Dem Gott, der groß und wunderbar aus langer Schande Nacht uns allen in Flammenglanz erschienen war; der unsrer Feinde Trotz zerblitzt, der unsre Kraft uns schön erneut /: und auf den Sternen waltend sitzet von Ewigkeit zu Ewigkeit :/

 

"Cantus steht! Silentium!"

 

"Weiters erlaube ich mir zu begrüßen die Spitzen des oberösterreichischen Cartellverbandes: den Vorsitzenden des Altherrnländerrates Fosen, den Vorsitzenden Stellvertreter der Altherrenschaft Roth, den Vorsitzenden des oberösterreichischen Cartellverbandes Altherrnschaft-Landesvorstand-Fuchs, sowie Ehrensenior Landeshauptmannstellvertreter Wenzl.

Eine besondere Freude ist es mir, die anwesenden Damen begrüßenzu dürfen."

"Zur Letzten! Rückt dichter in der heil'gen Runde!"

 

Das dritte freier Männer Weide, am hellsten soll's geklungen sein! Die Freiheit heißt unsre Freude, die Freiheit führet unsre Reihn; für sie zu leben  und zu sterben, das flammt durch jede Männerbrust; /: für sie um hohen Tod zu werben ist unsre Ehre, unsre Lust. :/

 

"Herrlicher Cantus bestens verdankt! Ein Smollis den Sängern!" (Salutieren) "Colloquium!"





7,24) Zweite Phase: Rezeption

 

Fuchsmajor: "Silentium rekommandiert!"

Präsidium: "Silentium diktiert!"

Fuchsmajor: "Hohes Präsidium, ich frage an, ob die Rezeption  steigen kann?"

Präsidium: "Sie steige sofort! Zur Rezeption steige der Caantus "Was kommt dort von der Höh'. Musik einige Takte voraus! Zur Ersten!"

 

Was kommt dort von der Höh', was kommt dort von der Höh', was kommt dort von der ledernen Höh', ca, ca ledernen Höh', was kommt dort von der Höh'?

 

"Es ist der Fuchsmajor! Zur Zweiten!"

 

/: Es ist der Fuchsmajor,:/ es ist der lederne Fuchsmajor, ca, ca Fuchsmajor,  es ist der Fuchsmajor.

 

"Was bringt der Fuchsmajor! Zur Dritten!"

 

/: Was bringt der Fuchsmajor, :/ was bringt der lederne Fuchsmajor, ca, ca Fuchsmajor, was bringt der Fuchsmajor?

 

"Er bringt uns seine Füchs! Zur Vierten!"

 

/: Er bringt uns seine Füchs', :/ er bringt uns seine ledernen Füchs', ca, ca  ledernen Füchs', er bringt uns seine Füchs'.

 

Fuchsmajor (Solo)

/: "Ihr Diener meiner Herr'n,:/ Ihr Diener meiner hohen Herr'n, Ihr  Diener meiner Herr'n"

 

Senior: "Silentium! Das Wort zur Rezeptionsrede hat  Bundesbruder Heinz Wolf.

 

"Als ich vor einigen Semestern der Verbindung beigetreten bin, da glaubte ich  einen Ort gefunden zu haben, wo ich meine Ideen und Vorstellungen, die ich so  von einer idealen Gemeinschaft hatte, verwirklichen und leben kann. Sich  einsetzen um jeden Preis war das Gebot der Stunde. Das Ergebnis ist mindestens  beruhigend. Die Gefahren dabei sind nicht zu übersehen. Auf der einen Seite rennt man offene Türen ein, denn man bemerkt, dass glorifizierte Ideen, man nennt sie Prinzipien, zur Selbstverständlichkeit erstarrt sind, andererseits aber  merkt man, dass man nicht der einzige ist, auf den es ankommt und überall gibt es mindestens einen, der besser ist, als man selbst sein möchte. Man beginnt  ziemlich schnell, bei einiger Präsenz im Verbindungsleben natürlich, zu begreifen, dass man in eine Gemeinschaft hineingeraten ist, die in ihrer Substanz sehr wohl widerstandsfähig und vital ist - man hat sich ja zusammengerauft - die aber auch den Außenseiter Außenseiter und den Spießer eben Spießer sein lässt. Es ist eine Gemeinschaft, in die jeder früher oder später hineinwachsen kann, es hängt nur von seiner Hartnäckigkeit ab. Je schneller ihr begreift, dass man sich bei unserer Gemeinschaft unterordnen, die Präexistenz von Mitgliedern und Prinzipien anerkennen und die Bundesbrüder verstehen lernen muss, umso eher könnt  ihr sehen, was euch die Verbindung zu geben imstande ist. Diese Einstellung zu erreichen gilt es. Wenn man sie hätte, vor allem, wenn sie jeder hätte, wäre die Idealvereinigung gefunden, aber diese gibt es leider nicht. Die Verbindung ist aber für jeden Versuch, den ihr in dieser Richtung macht, dankbar, denn sie weiß  wohl, dass nicht alles in Ordnung ist bei ihr und dass jederzeit, ohne ein  Revoluzzer oder ein Möchtegern-Linker zu sein, so in Frage stellen kann, dass von dem ideellen Überbau soviel zurückbleibt, dass es sich gerade noch auszahlt, die  Tradition und Geschichte zur nächsten Generation zu schleppen. Ich glaube man braucht viel Mut, um sich in dieses Wagnis Gemeinschaft zu begeben. Auf der  einen Seite wird euch erzählt werden, wie es einmal gewesen ist, wie schön es  gewesen ist, wie schwer es gewesen ist und wie is heute sein müsste, wie schön es heute sein könnte und das mit einem Unterton der Resignation, denn wie es heute  sein sollte, weiß man nirgends so recht. Auf der anderen Seite versucht man, Euch zu überzeugen, dass es gut so ist, wie es ist, dass es besser wird weil es  besser werden muss, dass der Zeitpunkt bald kommt, wo wieder unsere Reihen ganz  vorne stehen. auf diesen Zeitpunkt warten wir schon einige Zeit, aber er kommt  halt nicht. Vielleicht haben wir ihn in einer Art großzügiger Unaufmerksamkeit übersehen, Beispiele gäbe es. Nun, warum machen wir es uns so schwer? Bedenkt  man, dass unsere Prinzipien das politische Tagesgeschehen, die Kirche, die im wahrsten Sinn des Wortes explodierende Wissenschaft und die zwischenmenschlichen  Beziehungen beinhalten, also Probleme, die heute jeden beschäftigen und die zu  echten Zeit- und Weltproblemen geworden sind, kann man vielleicht verstehen, dass wir mit ihnen nicht recht zu Rande kommen. Früher, da waren sie sozusagen eine Plattform Gleichgesinnter und sicherlich ein wichtiges Panier gegen Unbill und Andersgesinnte. Heute hat aber auch der Außenstehende ein Recht auf seine Meinung und so wurde diese praktische und solide Plattform zu einem brodelnden  Boden, der niemandem so recht mehr Halt und Kraft geben will. So hat sich also  diese Waffe, und zweifellos waren die Prinzipien eine solche, gegen uns gerichtet. Ihr werdet genauso vor diesem Problem stehen wie wir. Diese schwellende Unzufriedenheit, die sich meist nicht in Artikeln der Diskussionen zeigt, ist ein eigenartiges Gefühl, mit dem jeder, der die Sache ernst zu nehmen versucht, einmal konfrontiert wird. Es ist ein unbehagliches Gefühl, mit dem man fertig werden muss. Dabei geht es weder um ein Generationsproblem noch um einen Aufstand der Unterdrückten, sondern es geht um die Existenzberechtigung unseres Bundes in dieser Form. Anfangs freute man sich noch heimlich über diese Art von  Revolte bei uns, jetzt allerdings glaube ich, weiß man nichts mehr so richtig damit anzufangen. Dass Meinung gegen Meinung prallt, ist verständlich und zu  begrüßen, solange keine destruktiven Formen offenbar werde, bei divergierenden  Lebensanschauungen, und um diese geht es; Gott sei Dank vor allem gibt es keine Formel, die sie zu einer einfachen Gleichung gegenüberstellt. Ihr werdet das  auch bei uns sehen. Denn neben einigen emotionellen Differenzen, die für den Außenstehenden lustig erscheinen, gibt es echte Probleme, die auf verschiedenen  Anschauungen beruhen. Es wird Euch ähnlich gehen, wenn Ihr zwischen Euch und der Verbindung entscheiden müsst. Es ist sicher kein Zeichen der Schwäche, wenn Ihr nachgebt, sondern ein altes Gesetz, dass sich der einzelne der Gemeinschaft unterordnet. Je schwerer Euch dies gelingt, umso wertvoller seid Ihr für uns und wir brauchen solche Leute. Haltet Ihr aber an Euren Idealen fest und versucht  Ihr Euch dahinter zu verstecken, so werdet Ihr durch die Isolation der Gemeinschaft bald von Eurer Lächerlichkeit überzeugt werden. Dann ist es aber zu spät, reuig den Gegenbeweis anzutreten, denn dann seid Ihr unglaubwürdig und unehrlich. Die Gesetze der Gemeinschaft sind hart und kompromisslos, sie verlangen von jedem Aufgeschlossenheit und Ehrlichkeit. Der Preis dafür ist schön, wenn man bemerkt, dass von jedem einzelnen und auch von sich selbst dieses  Zusammenleben getragen wird; und wenn Ihr das Gefühl habt, dass es gerade auf Euch ankommt, dann habt Ihr das erreicht, was wir von Euch verlangt haben. Die  Gemeinschaft wird undankbar sein, trotzdem braucht sie Eure Initiative. Glaubt ja nicht, dass Euch je einmal für Euren Einsatz gedankt wird, nein im Gegenteil, Ihr werdet Euch dumm vorkommen gegen jene, die largieren und über Euren Eifer lachen. Sie werden aber nie in die Gemeinschaft hineinfinden und sie bleiben für uns Außenstehende, denen man Inkonsequenz vorwerfen muss, denn wenn sie schon zu  einer Verbindung gehen, so sollte sie wenigstens irgend etwas am aktiven Leben  interessieren, nicht nur ein sicherer Job oder ein geregeltes Emporsteigen in der Skala der Angesehenheit. Deshalb benötigen wir Eure Ehrlichkeit. Seid ehrlich gegen uns und gegen Euch selbst, wenn es auch oft schwerfallen mag. Ja-Sager und Mitläufer haben wir schon genug. Ihr müsst uns den Vertrauensvorschuss, den wir Euch durch die heutige Aufnahme geben, voll bestätigen. Gebt uns die Gelegenheit, Euch kennenzulernen wie Ihr uns kennenlernt. Sicher werdet Ihr auf vieles verzichten müssen, aber dadurch gebt  Ihr unserer Gemeinschaft die großartige Chance, als solche echt bestehen zu können. Was das bedeutet, werdet Ihr nicht gleich verstehen, aber Persönlichkeit werden, und das sollt Ihr durch uns alle, ist nicht etwas, was man so einfach  lernen kann. Es bedarf einiger Zeit und Einsicht, aber diese Arbeit lohnt sich  sicher einmal. Was wir von Euch verlangen ist Kritik. Hätten wir sie nicht, so würden wir bald auf einem Abstellgeleise, fernab jeder Bewegung, stehen, eingeschlossen von alten Ideen, übernommen von unseren Vorgängern, nicht regenerierbar und einfältig. Eine aktive Verbindung ist für den einzelnen leider nur kurzlebig, früher oder später wird jeder vom Geschehen Abstand nehmen müssen, sei es durch seinen Beruf oder einfach deshalb, weil er meint, ohnehin  alles gemacht zu haben, was zu tun war. Deshalb brauchen wir Euch, weil Ihr uns beweisen müsst, dass es außer uns noch andere gibt, die mit uns arbeiten wollen und die uns beweisen, dass es noch vieles besser zu machen gibt. Beschränkt Euch nicht auf ein passives Hineingestelltwerden, sondern arbeitet mit uns und gebt uns Impulse; unsere Gedanken sind auf Grund der Semester, die wir bei der Verbindung bereits verbracht haben, oft schon einseitig und farblos geworden. Lasst uns ruhig an uns selber zweifeln; wenn wir nicht stark genug sind, Eure Kritik positiv verarbeiten zu können, haben wir nichts besseres verdient. Schätzt jeden einzelnen von uns und achtet in ihm den Bruder, mag es auch oft  schwerfallen! Niemand verlangt von Euch, dass Ihr Euch mit allen in freundschaftlicher Art versteht, diese Gefühle werden immer nur auf einige wenige beschränkt bleiben, aber Ihr dürft auch nicht vergessen, dass uns ein falsch verstandenes Freund sein müssen oft vor größere Probleme stellt, als es diejenigen wollten, die erkannt haben, dass gewisse persönliche Beziehungen in einem ideellen Verein brauchbar und notwendig sind. Aber wenn man mit Menschen  in so konzentrierter Weise wie bei uns zu tun hat, benötigt man eine gewisse Toleranz, die Voraussetzung für unser Zusammenleben sein muss. Ihr sollt begreifen, dass man nicht immer recht haben muss, von können ganz zu schweigen. So wünsche ich Euch für Euren Versuch, den Schritt vom Ich zum Wir zu wagen, alles Gute. Wir sind durch unsere Mitgliedschaft zur Verbindung verpflichtet und gerne bereit, Euch zu helfen, soweit wir können."

 

(Ton: Der Situation und dem Text angemessen. Teilweise zu den  Aufnahmebewerbern gesprochen. Alter des Redners 22 Jahre, Alter der Aufnahmewerber ca. 20 Jahre)

 

Senior: "Lieber Bundesbruder ich danke Dir für Deine Worte!  Der Hohe Fuchsmajor nehme die Rezeption vor!"

 

Fuchsmajor: "Versprichst Du der KAV - Austro Danubia ihre  Interessen nach Kräften wahrzunehmen, so bekräftige dies durch einen Handschlag.  (Handschlag) Hohe Korona, ich begröße Studiosus N. N. als unseren Freund und  Bundesbruder und trinke mit ihm im Namen der Verbindung den ersten  Freundschaftstrunk. (Beide trinken, wenn der Fuchs ausgetrunken hat, Beifallsklopfen) Kollege N. N. wie willst Du Dich nennen?"

(Fuchs nennt laut den Biernamen)

 

Fuchsmajor: "Hohe Korona ich frage an! Was war Stuiosus N. N.  ?"

 

Korona: Fink, Vorarlberger, usw.

 

Fuchsmajor: "Was ist Bundesbruder (Biername)?"

 

Korona: "Fuchs!"

 

Senior: "Heil ihm!"

 

Dieser Vorgang wiederholt sich vier Mal.

 

Senior: "Zum Abschluss der Rezeption steige der schöne Cantus  "Dir öffnet sich jetzt unsere Brust". Musik einige Takte voraus! Zur  Ersten!"

 

Dir öffnet sich jetzt unsre Brust zu treuem Bruderleben. /: du teilst mit uns  Leid und Lust in ernstem Geistesstreben. :/

 

"Sei fromm in Denken, Wort und Tat! Zur Zweiten!"

 

Sei fromm in Denken, Wort und Tat und wahre reine Sitten; /: das Böse, wann  und wo es naht, sei immer kühn bestritten.:/

 

"Sei frisch und voller Jugendkraft! Zur Dritten!"

 

Sei frisch und voller Jugendkraft in deinen Frühlingstagen; /: nur tatenfrohe  Ritterschaft darf Siegerkronen tragen. :/

 

"Sei frei im Geiste immerdar! Zur Vierten!"



 

Sei frei im Geiste immerdar, das ist der echte Adel. /: Der freie Mann, der  ist auch wahr und stark und sonder Tadel. :/

 

"Sei fröhlich, dass du jederzeit ein Liedlein könntest singen! Zur Fünften!"

 

Sei fröhlich, dass du jederzeit ein Liedlein könntest singen; /: fürwahr ein trefflich gut Geleit bei allen ernsten Dingen! :/

 

"So reich' uns deine Bruderhand zum treuen Herzensbunde! Zur Letzten!"

 

So reich' uns deine Bruderhand zum treuen Herzensbunde! /: Um uns schließt sich ein Bruderband durch diese Weihestunde. :/

 

Senior: "Schöner Cantus bestens verdankt. Ich erhebe mein Glas auf das Wohl unserer Neofuchsen! Heil Ihnen!"

(Salutieren)

"Colloquium!"




7,25) Dritte Phase: Burschung

 

Senior: "Silentium! Als Einleitung zur Burschung steige der Cantus "Alles Schweige". Musik einige Takte voraus! Zur Ersten!"

 

Alles schweige! Jeder neige ernsten Tönen nun sein Ohr! /: Hört, ich sing' das Lied der Lieder! Hört es, meine Bundesbrüder! Hall es, hall es wider, froher  Chor! :/

 

"Österreichs Söhne, laut ertöne! Zur Zweiten!"

 

Öst'rreichs Söhne, laut ertöne euer Vaterlandsgesang! /: Vaterland! du Land  des Ruhmes, weih' zu deines Heiligtumes /: Hüter :/ uns und unser Schwert! :/

 

"Hab' und Leben dir zu geben! Zur Dritten!"

 

(Während dieser Strophe werden die Lichter gedämpft)

 

Hab' und Leben dir zu geben, sind wir allesamt bereit - /: sterben gern zu jeder Stunde, achten nicht der Todeswunde, /: wenn das :/ Vaterland gebeut.:/

 

Senior: "Canuts ex! Silentium dauert an! Das Wort zur Burschungsrede hat Bundesbruder Erich Reichhuber vulgo Rüdiger!"

 

"Die Fuchsenzeit soll in erster Linie dazu dienen, die Verbindung als  Gemeinschaft, die die Verwirklichung bestimmter Wertvorstellungen anstrebt, kennen, verstehen und bejahen zu lernen. Ihr liebe Neoburschen habt in einer zweisemestrigen Fuchsenzeit unsere Verbindung kennengelernt, Ihr habt auf einen Teil Eurer persönlichen Freizeit verzichtet, um Euch der Gemeinschaft unterzuordnen. Indem Ihr den Burscheneid auf die Fahne Austro-Danubiae ablegen  werdet, bringt Ihr zum Ausdruck, dass Ihr die Verbindung, die Gemeinschaft und vor allem die Zielvorstellungen unseres Verbandes bejaht. So und nicht anders  soll unser soll unser Burscheneid verstanden werden. Erst indem wir unser Wollen in die Zukunft projezieren, sind wir dazu legitimiert, uns im Sinne des  Burscheneides an Austro-Danubia zu binden.

 

Diese Burschenschaft verpflichtet Euch, unsere Gemeinschaft mitzugestalten. Sie verpflichtet Euch, Eure Sicht weiter zu richten, indem Ihr fragt, in welchem Verhältnis die Verbindung zur Hochschule und zur Gesellschaft steht, und wie unsere Beziehung zur Kirche und Staat sind und sein sollen. Ihr seid nunmehr  verpflichtet, die gegebenen Zustände im Verband, auf der Hochschule, in der Gesellschaft mit unseren proklamierten Werten zu vergleichen, Vorschläge zu einer positiven Weiterentwicklung zu bringen, um eine bessere Verwirklichung unserer Ziele zu erreichen. Ihr seid zu persönlichem Engagement in diesen Fragen verpflichtet. Gerade in dieser Hinsicht werdet Ihr auch einen Konnex zur  Tradition im CV finden: der Satz "CVer sind wir nicht durch Mitgliedschaft, sondern werden wir durch Engagement" wird sich bei allen CV-Generationen wieder finden lassen. Wie steht es um das Verhältnis Kooperation und Hochschule? Es hat in der Universität- und Studentengeschichte immer wieder Zeiten gegeben, in  denen das Verhältnis der Universität zu den studentischen Gemeinschaften neu  bestimmt worden ist. Wie steht es heute im Zeichen des Umbruchs der  Universitäten mit diesem Verhältnis? Der deutsche Soziologe Hans Anger hat in seinem 1960 erschienenen Werk "Probleme der deutschen Universität" gerade dieses Problem sehr eingehend behandelt und abschließend festgestellt, "dass im Grund sehr viel für die Existenzberechtigung der Korporationen spricht, dass sie Aufgaben übernehmen, die die Universität eigentlich selbst leisten sollte, aber nicht leisten kann und dass, soweit der rechte Geist die Bünde beseelt, sie die wissenschaftliche Ausbildung der Universität in außerordentlicher Weise ergänzen können, ja, dass sie dann berufen scheinen, eine wesentliche Teilfunktion der Universität zu übernehmen, die sie selbst kaum erfüllen kann." Wenn die Universität von der studentischen Gemeinschaft erwartet, dass sie das tut, was sie selbst nicht kann, dann bedeutet das wohl zuerst den Studenten in der  Beziehungslosigkeit des Hochschulbetriebes einen Bereich zu bieten, indem  wertvolle zwischenmenschliche Beziehungen außerhalb des reinen Wissenschaftsbetriebes gepflegt werden, einen Bereich in dem durch Gemeinschaftspflege durch den Einzelnen die Möglichkeit der persönlichen Entfaltung besteht. In einer egalitären Welt, in der die Menschen sich mehr und mehr auf den Status wortarmer distanzierter Begegnungen zurückziehen, bedeutet die Verbindung für den Studenten ein Angebot, das nie notwendiger war als heute: nämlich das Angebot der Freundschaft. Diese Freundschaft kann und soll natürlich nicht beziehungslos im Raume stehen. Das wäre bloße Geselligkeit, für die es  keiner lebenslangen Bindung bedürfte. Sie bildet vielmehr die umfassende Voraussetzung für die Realisation unserer Wertvorstellungen: Christentum, politisches Engagement, kritisches Verständnis gegenüber Hochschule und  Gesellschaft. Wenn Anger von einem rechten Geist spricht, der unsere Korporationen beseelen müsse - damit wir diese Teilfunktion der Universität erfüllen können - so bedeutet das nichts anderes als Mitverantwortung für die Hochschule zu übernehmen. Diese Mitverantwortung, die in einer konkreten  Mitgestaltung ihren Ausdruck finden muss, ist meiner Einstellung nach der eigentliche Inhalt des Verhältnisses der studentischen Gemeinschaft zur Alma Mater. Denn immer steht die studentische Gemeinschaft in Beziehung zur Hochschule. Das Schicksal der Universität ist ihr Schicksal, die Wandlung der  Universitätsidee berührt die studentische Gemeinschaft existentiell. Heute erleben wir eine radikale Infragestellung der Universitätsstruktur und der  Funktion der Universität in Bezug zur Gesellschaft. Obwohl wir nun den existentiellen Zusammenhang zwischen Verbindung und Hochschule kennen, obwohl  wir uns in unserem Wissenschaftsprinzip zu einem kritischen Verständnis gegenüber der Universität bekennen, obwohl wir das Dilemma in unserer Bildungsplanung kennen, obwohl der österreichische Cartellverband der mitgliedsstärkste Akademikerverband Österreichs ist, hat sich der CV bisher noch nicht zu einem umfassenden Konzept für eine moderne Hochschule durchringen können. Alle Bemühungen in dieser Richtung blieben einigen linken Grüppchen, durchdrehenden hilflosen "CV-Ö Funktionären" und einer angefeindeten Verbandszeitschrift Akademia vorbehalten. Um letzte Zweifel für die Aktualität dieses Problemes zu beseitigen: Kommenden Jänner wird die österreichische Volkspartei ihr Hochschulreformkonzept der Öffentlichkeit vorlegen. Der ÖCV  jedoch, dessen Mitglieder zu den Adressaten dieses Konzepts zählen, hat dazu  derzeit noch wenig zu sagen. Wo bleibt hier die Wahrnehmung der Chance, Einfluss auf die parteipolitische Willensbildung zu nehmen? Wo bleibt die Rückkoppelung zwischen den Vorstellungen des Verbandes, dessen Mitglieder zu den potentiellen ÖVP-Wählern gehören und dem Programm, das berechtigte Chancen haben wird,  verwirklicht zu werden? Doch nicht nur auf dem Gebiete der Hochschulreform wird es in Zukunft gelten müssen, Disfunktionalitäten zu erkennen. Gerade die hochschulpolitische Entwicklung der jüngsten Zeit hat gezeigt, dass eine Konfrontation des Studenten - und damit unseres Verbandes - mit Gesellschaft und Politik unumgänglich geworden ist. Dabei sollen wir weder das indifferente Verhalten des Großteiles der Studenten umstürzen und zerstören wollen zugunsten eines imaginierten Morgens, noch unsere Einstellung und unser Verhalten gegenüber aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen prägen. Was wir brauchen sind nicht Utopien, sondern rationale realistische Reformpläne. Hier ein  konkreter möglicher Ansatzpunkt: Der ÖCV, seine Verbindungen und ihre Mitglieder könnten durch kritische Analysen konstruktive Alternativen und konkrete Aktionen  dazu beitragen, einer Erstarrung unseres demokratischen Lebens vorzubeugen. Nach  dem Vaterlandsprinzip, das immer mehr zum kategorischen Imperativ gesellschaftlichen Engagementes wird, sind wir dazu sogar verpflichtet. Die durch die völkerrechtliche Stellung in den letzten Jahren erreichte Sicherheit  nach außen, der wirtschaftliche Wohlstand und der bürgerliche Friede im Inneren haben zu einem erschreckenden Desinteresse am öffentlichen Leben geführt. Hohe Wahlenthaltungen, mangelnde Information über politische Probleme sind die Folge. Während in östlichen und westlichen Nachbarstaaten intensive Diskussionen über die Reform staatlicher Strukturen im Gange sind, z.B. Wahlrechtsdiskussion in der Bundesreprublik, Totaländerung der Schweizer Bundesverfassung, Prager Frühling, Reform-Parteitag der jugoslawischen KP, scheint Österreich von diesen Problematiken weitgehend unberührt zu sein. Die im Kielwasser des Olah-Prozesses  aufgewühlte Problematik des Gewerkschaftsbundes und seiner Führungs-Oligarchie, die Frage der Parteifinanzierung und der Kandidaten- auslese, die Problematik der Relikte des Staatskirchentums sind immer noch tabuisierte Fragen, an denen die bedrohliche Erkrankung unserer Demokratie offenbar wird. Ich meine, dem CV kommt  gerade infolge seiner Verflechtung mit all jenen Institutionen, in denen  Christliche Demokraten die Hauptverantwortung tragen, die bedeutende Impulsgebung zur permanenten Reform zu. Die laufende Überprüfung des Bestehenden  auf Mängel und die Anpassung der Strukturen an die Notwendigkeiten der Gegenwart  und die Möglichkeit der Zukunft übersteigt - wie die Praxis zeigt - zumeist die Kapazität der das System Tragenden (Establishment): schon für systemimmanente, evolutionäre Veränderungen ist der Anstoß von außen notwendig. Anstoß für notwendige Reformen zu sein, darin sehe ich eine der notwendigsten Aufgaben des CV im Bezug auf die Gesellschaft und Politik. Die Aufgaben, liebe Neoburschen, die Euch gestellt sind, werden den Einsatz Eurer ganzen Person verlangen. Ich beglückwünsche jeden von Euch, der bereit ist, die auf sich genommene Verpflichtung ständig wertbewusst zu leben."

 

Senior: "Lieber Rüdiger, ich danke Dir für Deine trefflichen Worte!  Silentium dauert an. Omnes surgite zum Burschungsakt!"

 

"Bundesbruder N. N. versprichst Du der KAV-Austro-Danubia unerschütterliche Treue, so gelobe es bei den gekreuzten Klingen: versprichst  Du, stets treu zur KAV-Austro Danubia zu halten, an ihren Prinzipien unverbrüchlich festzuhalten und ihre Statuten gewissenhaft zu befolgen, so gelobe es bei den gekreuzten Klingen."

 

N. N. spricht den Burscheneid: "Dir, Austro-Danubia, gelobe ich unerschütterliche Treue. Ich verpflichte mich, stets nach Deinen Grundsätzen zu leben, Deine Interessen nach Kräften zu fördern und jedem Bundesbruder in Freud  und Leid wahrhaft Freund zu sein getreu unserem Wahlspruch: factum est vita."

 

Senior: "So nimm denn hin das blau-weiß-rote Band und bedenke, daß es  Dich immer an unseren Bund kettet." (Er schlingt das Band um die Brust des  fast-Burschen) "Ego H. K. vulgo Orpheus pro tempore Austro-Danubiae senior, ex  auctoritate et dignitate conventus te N. N. in bursarium nomino, nominatum  declaro, declaratum proclamo." (Meist schlägt der Senior dabei mit dem Schläger auf die rechte und linke Schulter des Burschen)



"Hohe Korona, ich frage an! Was war N. N. vulgo N.?"

Korona: "Fuchs!"

 

Senior: "Was ist Bundesbruder N. N. vulgo N. ?

 

Korona: "Bursch!"

 

Senior: "Heil ihm!" (Korona klopft)

Musik einige Takte voraus! Zur Ersten!""Zum Abschluss der Burschung  steige der Cantus "Burschen heraus".

 

Burschen heraus! Lasset es schallen von Haus zu Haus! Wenn der Lerche Silberschlag grüßt des Maien ersten Tag, dann heraus und fragt nicht viel, frisch mit Lied und Lautenspiel Burschen heraus!

 

"Zur Zweiten!"

 

Burschen heraus! Lasset es schallen von Haus zu Haus! Ruft um Hilf' die  Poesei gegen Zopf und Philisterei, dann heraus bei Tag und Nacht, bis sie wieder freigemacht! Burschen heraus!

 

"Zur Dritten!"

 

Burschen heraus! Lasset es schallen von Haus zu Haus! Wenn es gilt für's Vaterland, treu die Klingen dann zur Hand und heraus mit mut'gem Sang, wär' es  auch zum letzten Gang! Burschen, heraus!

 

"Cantus ex! Colloquium!"

(Beinahe alle Verbindungsmitglieder gehen an den Tisch der Neoburschen und beglückwünschen sie zu ihrer Burschung. Meist erhält der Neobursch von seinem Leibburschen an diesem Tag einen Bierzipf in den Verbindungsfarben)



7,26) Vierte Phase: Bandverleihung

 

Senior: "Silentium! Zur Besinnung auf unsere Ziele und zur Ehre  unseres Verbandes steige das ÖCV-Bundeslied "Auf des Glaubens Felsengrunde".  Musik einige Takte voraus! Zur Ersten!"

 

Auf des Glaubens Felsengrunde stehe du, Cartellverband, wohlgeeint zu jeder  Stunde treu zu Gott und Vaterland! Unserm Österreich zur Ehre, was auch bringen mag die Zeit, /: und zum Schutze der Altäre sieh' uns, Herr, im Kampf bereit! :/

 

"Cantus steht! Ich bitte die hohe Kontraspitze Herrn Kommerzialrat Friedrich Jahn zum Präsidium zu begleiten."

"Nach der Wissenschaft zu streben! Zur Zweiten!"

 

Nach der Wissenschaft zu streben, sei uns allen ernste Pflicht; nur der  Wahrheit lasst uns leben in der Freiheit Himmelslicht! Hohen Zielen aufgeschlossen, gilt's die Tat, den ganzen Mann, /: gehet, Brüder, unverdrossen  unserm Volke stets voran! :/

 

"Cantus steht! Das Wort zur Ehrenbandverleihung an Kommerzialrat Friedrich Jahn hat der Landeshauptmann von Oberösterreich Bundesbruder Dr.  Heinrich Gleißner:

 

"Ich würde vorschlagen, dass Herr Komm. Rat Jahn auch sitzt. Liebe Cartell- und Bundesbrüder, verehrte Damen, insbesondere liebe bayrische Cartellbrüder, ganz besonders lieber Kommerzialrat Jahn!

Die Verbindung Austro-Danubia hat beschlossen, Ihnen das Ehrenband der Verbindung zu verleihen. Sie sind zu diesem Anlass nun die halbe Welt hergeflogen. Vor wenigen Tagen hat er mir noch aus Australien eine Karte vom blühenden Frühling geschickt, jetzt kommt er von Mexiko, und zwar, wie es sich für einen Potentaten geziemt, nicht allein, sondern in einer Begleitung von  prominenten Leuten, die ich noch nennen möchte: das ist der General Otto W.  (Applaus), das ist der Präsident der Oberpostdirektor Emil H.. Hier (zeigt auf  ihn) das ist der Chefarzt der S.-Klinik, Primarius Dr. S. - hier und der letzte, der ist das, was der U-Thant bei der Uno ist - sein ständiger Begleiter Dr. D.  von München. Für diese prominente Begleitung wird jetzt ein österreichisch-bayrisches Fest gemacht. Ich freue mich darüber sehr. Ich freue mich deswegen, weil die Beziehungen zwischen Bayern und Oberösterreich nicht  besser sein könnten als jetzt. Kürzlich sagte ich in München: "Ist doch interessant, wenn keine Grenzen sind, sind wir wie Hund und Katz, sind Grenzen, lieben wir uns wie Brüder. Daher sind wir alle der Meinung, Grenzen sollen bleiben und wir lieben uns weiter wie Brüder (Heiterkeit und Applaus). Wir  suchen jede Verbindung mit dem Bayernland und unser  Landeshauptmann-Stellvertreter baut Brücken über den Inn, wo nur irgendeine Weinstube in einem Kloster ist, baut er schon wieder eine Brücke nach Bayern. Diese zum Kloster gehörigen Erholungsstationen gehen ja großartig - von Schlögl bis nach Reichersberg. Wir selber tragen bayrische Orden.

Wir besuchen uns gegenseitig ein-, zweimal im Jahr, der Cartell und ich muss sagen, ich freue mich, dass wir heute diese Prominenz hierhaben, bei einem Fest, das ich innerlich mitempfinde. Wahrscheinlich hat das die Aktivitas gespürt,  denn wieso komme ich zu der Ehre, dass ich die Laudatio halte und dass ich den Herrn Kommerzialrat Jahn begleite auf seinem schweren Weg, jetzt in die Austro Danubia. Ich freue mich darüber, und ich freue mich, dass man erraten hat, dass es  mich freut.

Und so sage ich Euch, liebe Austro Danuben, Ehrenbänder sind keine Gefälligkeitsangelegenheiten, Ehrenbänder sollen verliehen werden, wenn beide Teile, Aktivitas und das Ehrenmitglied, wissen, dass jeder dabei etwas gibt und etwas nimmt. Ich meine das nicht im materiellen Sinn und werde Ihnen das erklären, wie ich das meine: Die Corporation kann stolz darauf sein, dass es einen Österreicher, und zwar einen Urfahraner gelungen ist, aufzusteigen - sowie  die Austro Danubia eine Urfahraner Korporation ist, weil die Hochschule in  Urfahr steht - dass sie dieses Ehrenmitglied bekommt. Warum? Weil ich Euch sage, eine Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften lebt viel von Theorie - und hier haben wir einmal einen praktischen Fall, der ohne Hochschule in der ganzen Welt berühmt geworden ist. Genau. Und da kann man was lernen davon. Kommerzialrat Jahn kam aus einer großen Familie heraus. Seine Eltern, sein Vater glaube ich, war eines von 16 Kindern; in der Familie des Großvaters gab es 14 Wirte - also das ist ja keine Kunst, dass er ein Wirt geworden ist. Aber mit  nichts anderem, als mit seinem Fleiß, mit seiner Sparsamkeit, mit seinem unerhörten Geschick hat er es dazu gebracht, dass er momentan - ich weiß nicht  wieviel - aber sicher über 300 Gaststätten hat und mehr als ein Dutzend Hotels; dass er Industriebetriebe hat, die er für seinen Betrieb wieder braucht; dass er Herr ist von soundsoviel, ich weiß nicht wieviel, Hendln im Jahr - 15 Millionen, ich hab irgendwas gelesen, kann mich auch irren - macht ja nichts. Aber dass er das zustandebringt, dass er in der ganzen Welt solche Gaststätten macht, wo ein Urfahraner nicht nur Hemden verkauft, sondern dort österreichische Gastlichkeit zum besten gibt. Und das ist das ganze Problem, und ich finde, da sollten wir  stolz sein darauf. Der Österreicher ist ja ein kritischer Mensch. Er ist besonders dann ein Nörgler wenn es um eigene Sachen geht. Er wird dann wieder rabiat, wenn ein anderes Land angreift. Dann sagt er "Na, so war's ja nicht  gemeint." Aber ansonsten ist er ein großer Zweifler. Und in der Hauptsache müssen wir uns immer erst sagen lassen, dass wir Eigenschaften haben, die auch in der Welt bekannt sind und geschätzt werden.

Ein Beispiel: Ich war in Berlin eingeladen und habe bei einer Versammlung  gesprochen. Das Thema war: "Wieso hat Österreich die Russen weggebracht?" Bei  uns sagt jeder: "Alter Kaffee - brauchen wir gar nicht mehr darüber reden." Aber  dort, wo sie sie nicht weggebracht haben, dort redet man darüber. Und wie ich da gesprochen habe in meinem Dialekt, und so, so, so österreichisch geredet habe, bin ich vor folgender Situation am Schluss der Rede gestanden. Eine Frau hat gesagt: "Herr Landeshauptmann, Ihre Rede war wundervoll, ich hab kein Wort verstanden." Hab ich gesagt: "Wieso war's dann wundervoll?" Hat sie gesagt:  "Wenn sie österreichisch reden klingt's wie Urlaub." Stellen sie sich das vor.  Wer macht das nach?

Und wenn der Jahn Hendln verkauft, bekommt ein jeder Appetit, auch wenn er gerade von einer Krankheit aufgestanden ist. Weil er in seiner ganzen, in seiner  ganzen Erziehung seiner Leute hat er irgendetwas dabei, was da eine bestimmte Note gibt. Und ich glaube, da sollte man darüber dankbar und froh sein, dass es ein Urfahraner "Kleiner Mann" der aus einer sehr bescheidenen Familie herausgekommen ist, es so weit gebracht hat, dass er heute - bitte, das ist eine Äußerlichkeit - mit dem Flugzeug herumführt. Um die ganze Welt fliegt der, und das, nach sage und schreibe 14 oder 15 Jahren. Ist denn das überhaupt denkbar, das klingt doch wie ein Wunder. Wir machen so viele gescheite Dinge und konstruieren alle möglichen Dinge, um die Welt zu verbessern - richtig! Bin auch damit einverstanden! Aber, dass man nachdenkt, wie's der gemacht hat, der aus Eigenem sich zu so einer Stellung emporgearbeitet hat soll eine Verbindung interessieren, die eine österreichische Verbindung ist, und eine Verbindung an der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Hochschule. Daher ist es für die Verbindung Austro Danubia eine Freude und Ehre heute den Herrn Jahn zu bekommen als Ehrenmitglied. Ich begrüße ihn sehr herzlich (Applaus)

Und das Zweite: Der Herr Jahn ist ein Urfahraner, und wissen Sie, die  Urfahraner sind ein besonderer Schlag, ich weiß das, ich hab eine Urfahranerin geheiratet. (Redner und Corona lachen). Sie ist da. Daher werden Sie verstehen, dass ich da etwas diplomatisch bin. Urfahr war früher einmal eine selbständige Stadt, im Jahr 19 hat sie die Selbständigkeit verloren. Ich werden zu sehr vielen Jubiläen eingeladen, aber immer zu Jubiläen, wo man einen Sieg feiert, wo  man Stadt geworden ist, wo man Markt geworden ist. Aber die Urfahraner feiern jetzt noch einen Anlass, wo sie etwas verloren haben. Wer feiert den das? Wir waren im Urfahraner Markt, da wurde der 50. Jahrestag des Verlustes der  Selbständigkeit der Stadt Urfahr gefeiert. Das ist einmalig.

So sind die eingestellt, dass sie ihre eigene große Vergangenheit nicht  vergessen. Und außerdem sind sie hartnäckig im Verfolgen ihrer Interessen - und sind besitzesfroh.

Hartnäckig. Ein Beispiel: meine Frau war damals meine Braut. Und ich hab sie bewogen, dass wir in Höflein baden gehen. Da hab ich gesagt, dort ist es so schön, weil eine große Wehr dort ist, bei der Mühle. Wir kommen hin, die Wehr war abgesperrt. Meine Frau stellt sich unten hin, ich dreh oben auf und das  rinnt so schön hinunter. Es ist nur viel zu viel heruntergeronnen, und meine Braut ist in den Wellen verschwunden. Ich sah sie dann, wie sie ans Ufer kommt.  Ich stürze natürlich selbst hin, sie ist voll Blut, an der Betonwand sitzt sie und sagt - Urfahranerin - :"Wenn du glaubst, auf diese Weise die Hochzeit verschieben zu können, wirst du dich gründlich täuschen." Ich hab gedacht, das hätt ich mir früher überlegen sollen, so etwas Hartnäckiges zu heiraten. Aber sie ist auch in den schlechtesten Zeiten mir zur Seite gestanden. Geradeso wie  auch Jahn in guten und schlechten Zeiten auf seine Frau, deren Abwesenheit ich sehr bedaure, und auf seine Kinder sich verlassen konnte.

Besitzesfroh. Wir haben in Urfahr ein Haus gehabt, Hauptstraße 69, - Bausparkasse - abgespart. Ich war Beamter bei der Warenvermittlung, mein Nachfolger sitzt da (Gelächter). Ich habe ja, um das Unternehmen zu retten - aus der Warenvermittlung herausgeheiratet. Weil wir Personal sparen mussten (Gelächter). Aber besitzesfroh! Im Jahr 45 war ich in Weyregg auf Urlaub, es wird gemeldet, unser Haus ist auf Grund und Boden vernichtet durch eine Bombe. Es steht nicht einmal ein halber Meter von den Grundmauern. Meine Frau war am  Telephon und weint um das Haus, und mein Sohn Wolfgang - 12 Jahre alt - sagt: "Warum weint denn die Mama?" Hab ich gesagt - in der Familie herrscht auch bei solchen Anlässen ein guter Humor - "Na," hab ich gesagt, "sie wollte gerne einmal am Patezettel wenn sie stirbt, stehen haben: Hausbesitzerswitwe, und jetzt kann sie es nicht mehr schreiben". (Gelächter) Sagt mein Sohn Wolfgang mit 12 Jahren: "Na Papa, so soll sie schreiben: gewesene Hausbesitzerswitwe". (Gelächter) Daraufhin hat meine Frau erklärt: "Du, mir macht das jetzt gar nichts mehr", so lustig war die Bemerkung. Ein Besitzstolz, eine Hartnäckigkeit, und noch etwas, die Urfahraner haben zusammengehalten wie Pech und Schwefel. Ich  ging durch Urfahr durch als Bräutigam. Meine Frau sagt: "Die jetzt kommen sind  Verwandte von uns. Sag du zu ihnen:"Sag ich du. "Das sind wieder Verwandte." Ich hab gefragt: "Sind alle verwandt?" "Ja", sagt sie "hier gibt's 12 Familien, die  sind alle verwandt." Das waren die Pfeifer, das waren die Rieseneder, Weixlbauemer usw. Diese Familien waren alle verwandt. Sie können sich ja  vorstellen, in so eine Verwandtschaft hineinzuheiraten war schwierig. Aber  daraus ersehen sie, dass gewisse Komponenten bei Herrn Kommerzialrat Jahn darauf  zurückgehen, dass er in den Boden seiner Heimat und seiner Heimatstadt fest  verwurzelt war. Und das ist der Vorteil, dass Sie hier noch einen Kontakt weiter herstellen mit der Heimat. Wie Sie, wie mir Ihre Begleiter auf Ihren Luftreisen  sagen, wie Sie so oft davon sprechen, wie schön die Welt ist und wie Sie noch immer daran denken müssen, wie schön die engere Heimat ist. Daher kommen Sie immer zu Ihrer Mutter her. Sie kommen zu uns her, sie kommen zur Austro Danubia her, und das ist das, was Ihnen die AD bietet auch als Gegenleistung, dass Sie jetzt diese Verwurzelung in dieser Familie junger Leute haben. Und ich möchte, dass Sie das auch sehr gut aufnehmen und euch, liebe Bundesbrüder möchte ich  sagen, dass wir nicht hinweggehen darüber. Über das, was ihr besonders heute auch gesagt habt. Über die Kritik, über die Schwierigkeiten, die ihr habt. Ich gebe sie zu, sie sind nur anders als unsere. Wir wurden unserer Gesinnung wegen geprügelt - eingesperrt. Das ist nicht mehr, Gott sei Dank. Aber es sind andere Probleme, die euch bewegen. Aber denkt manchmal auch daran, dass eigentlich die großen Fragen, die uns bewegen, es erfordern, dass wir kleine Gemeinschaften erhalten, in die nicht jeder hineingehen muss, aber der hineingeht dann spürt, dass er hiert was anderes hat, als in irgendeinem wissenschaftlichen Verein oder irgendeinem religiösen Verein, sondern dass es hier einmalig ist, dass hier eine  Lebensfreundschaft versucht wird. Im Krieg, in Gefangenschaft, im Gefängnis, wo ein CVer war, waren wir wieder daheim. Und dass vergisst man nicht. Das könnt ihr  aber nun gar nicht wissen, weil wir hoffen, dass es vielleicht Gottes Gnade gibt, dass ihr nicht diese ungeheuren Schwierigkeiten und Erschütterungen auch mitmacht. Das möchten wir doch vermeiden. Aber denkt an folgendes: Bei mir waren Akademiker aus Prag nach diesem furchtbaren Niedertrampeln des Prager Frühlings. Und diese Hochschüler haben mir gesagt: "Herr Landeshauptmann, wir verstehen, warum wir auf die Straße gehen und alles riskieren. Warum gehen ihre (Studenten) auf die Straße, wo wir kein anderes Ziel haben als das zu erreichen, was in  Österreich da ist?" Ich musste ihnen dann erklären, dass naturgemäß auch dann, wenn der Ausländer sieht, hier herrscht kein Terror, hier kann jeder seine  Meinung äußern, hier hat jeder die freie Studienwahl, die freie Berufswahl, die Möglichkeit auszuwandern, hinzugehen wo er will, dass auch dann Probleme auftreten. Ich möchte nur bitten, dass wir immer wieder die Größenverhältnisse nicht übersehen. Und eines noch, was auch mit Ihnen zu tun hat, Herr  Kommerzialrat, Sie sind jetzt von einer Weltreise zurückgekehrt. Sie haben mir erzählt, was sie alles an Unerhörtem, Ungerechtigkeiten, schwierigsten  Lebensfragen, bittersten Entbehrungen, gesehen haben. Und jetzt sage ich euch, die Welt ist klein geworden. Es ist nicht mehr wahr, dass es uns nichts mehr  angeht, was in einem anderen Erdteil vor sich geht. Das weiß jeder vom andern, das wird er uns niemals verzeihen, wenn wir nicht imstande sind, von uns aus als dem reicheren Erdteil dort überall mitzuhelfen in vernünftiger Form. Nicht in der Meinung, dass Geschenke das regeln, sondern wenn nicht Gerechtigkeit kommt, wird Revolution auf der klein gewordenen Erde. Und dann werden wir keine Zeit  mehr haben, um uns um kleine Strukturerstarrungen die Köpfe gegenseitig einzuschlagen. Denn dann geht es gegen alle, gegen uns alle. Und ich weiß nicht, ob nicht auch der CV hier daran denken soll, dass ein Wort wahr ist, das ein Amerikaner einmal gesagt hat: "Die Welt ist zu klein geworden für irgend etwas anderes als für die Wahrheit. Die Welt ist zu gefährlich geworden für irgend etwas anderes als für die Brüderlichkeit." Und wo die Menschen sehen werden, dass die stärkere Wahrheit und die stärkere Brüderlichkeit ist, dorthin werden sich die Kontinente hinneigen. Wir haben es in der Hand aus unserem Christentum heraus die richtige Lösung zu finden. Nicht deswegen, weil der eine mehr Christ  oder weniger Christ ist. Man muss im Innern die Verantwortung des Menschen verspüren, hier zusammen in der Gemeinschaft mit dem Bundesbruder mitzuhelfen, dass diese Probleme geregelt werden. Und glaubt es, nicht eure kleinen Sorgen sollen dadurch übersehen werden. Wir verstehen auch vollkommen die Frage, die  heute angeschnitten worden ist, dass konfrontiert werden muss, dass Dialog sein muss, dass man sich unterhalten muss über alle Sorgen, die ihr habt. Nur bin ich dagegen, dass man glaubt, das sind die einzigen Sorgen, die maßgebende Politiker  auch in Österreich bewegen. Denkt daran, dass die Regierung in Österreich aus CVern besteht zu zwei Dritteln. Dass sie die Verantwortung seit dem Jahre 45 tragen, dass die ersten, die damals im Bewusstsein eingerückt sind im Jahre 14 zur Verteidigung der Monarchie, doch unsere CVer waren. Dass die ersten, die in die Gefängnisse gegangen sind im Jahre 38, CVer waren. Und dass CVer seit 45 dieses Land führen. Und manchmal hat man so den Eindruck, das würde weniger anerkannt  mit all den Sorgen und Schwierigkeiten, die damit verbunden sind. Ich bitte nur,  nur diesen goodwill, den auch die älteren von den jüngeren erwarten dürfen. Wir selbst haben keine andere Absicht als euch das Leben so weit zu erleichtern, dass ihr nicht in Uniformen, vielleicht in fremden Uniformen an fremden Grenzen verbluten müsst. Wir haben uns zuviel daran gewöhnt, dass Friede sein muss. Er muss nicht sein. Österreich ist an einer ungeheuer gefährdeten Grenze. Und wenn ihr einen Menschen der durch die ganze Welt geflogen ist, wenn ihr den in eure Reihen aufnehmt, ladet ihn gelegentlich ein, dass er Euch darüber erzählt, damit  ihr einen offenen Blick für die Welt kriegt, und nehmt eure großen Sorgen, die  großen Gefahren auch mit, denen wir alle gegenüberstehen. Im CV soll es nichts anderes geben, als gegenseitiges Vertrauen. Und mir ist so - ich bin vielleicht der Älteste in dem Kreis - wie wenn das alle Söhne wären, die ich selber habe. Mit denen ich genauso rede, bei denen ich genauso das Gefühl habe,dass wir uns das Leben erleichtern und nicht erschweren wollen in dieser ungeheuer gefährlichen Welt. Glaubt es, es gehört viel Gottvertrauen und vor allem viel  Vertrauen in die eigene Ansicht und Weltanschauung dazu, dass man, wie hier ein Mann, der nur mit eigener Kraft soweit es gebracht hat, dass er aus eigenem sehr viel zustande gebracht hat und sehr viel Menschen Arbeit und Brot gegeben hat. Es ist ein guter Gewinn für eine Akademikerverbindung, die selber ja auch daran  denkt, so jeder für sich, einmal das zu leisten, was ihm eigentlich aufgegeben  ist. Ich freue mich, das sozusagen das Geben und Nehmen sich die Waage hält. Und Herr Kommerzialrat, ich hab' sie einmal gefragt: "Warum laden sie gerade mich  ein zu einer Fahrt nach New York auf ihrem Düsenflugzeug", das sie da haben. Da sagte er: "Ich kann ihnen nur das eine sagen, es fahren so viele Menschen mit  mir, aber ich bin ein Urfahraner., ihre Frau auch, und da sehe ich nicht ein, warum ich nicht mit einem Landeshauptmann auch einmal fliegen soll." Ich verdanke es meiner Frau, dass ich fliegen konnte mit ihm, ich verdanke es ihnen, dass sie an mich gedacht haben. Aber er denkt an seine Heimat eben auch. Ich wünsche ihnen allen, dass er sie mitnimmt in einen anderen Erdteil. Da wird es  ein bisschen ein größeres Flugzeug sein müssen. Aber wir sollten eine Freude haben, Menschen von diesem Erfolg heute bei uns hier einreihen zu dürfen. Ich kann nur, lieber Herr Kommerzialrat hier sagen: "Ich begrüße dich als Bundesbruder der Austro Danubia und möchte wünschen, dass du auch die gleiche Freude hast, dass Du in diesen Kreis kommst, wie ich sie habe"." (Applaus)

 

Senior: "Lieber Alter Herr ich danke dir für deine laudatio. Omnes surgite. Herr Kommerzialrat Friedrich Jahn, geloben Sie, stets treu zur KAV Austro Danubia zu halten, an ihren Prinzipien unverbrüchlich festzuhalten, ihre  Statuten gewissenhaft zu befolgen, ihre Interessen nach Kräften zu fördern und  allen ihren Mitgliedern in Freud und Leid wahrhaft Freund und Bruder zu sein getreu unserem Wahlspruch factum esvitaso geloben Sie mit Handschlag."
(Handschlag zwischen F. Jahn und Senior)



"So nimm den hin das blau-weiß rote Band und bedenke, dass dich dieses Band für immer an unseren Bund kettet."

 

"Hohe Corona, ich begrüße im Namen der Verbindung Kommerzialrat  Friedrich Jahn als unseren neuen Bundesbruder. Heil Ihm!"

 

Korona: "Heil Ihm"

(Kräftiger Applaus; Glückwünsche der Ehrentafel)

 

Senior: "Für die Freundschaft die uns bindet! Es steige die letzte Strophe!" (Strecken der Schläger)

 

Für die Freundschaft die uns bindet, gebt das Letzte freudig hin! Unser  Burschenband verkündet dieses Bundes schönsten Sinn. Uns als Brüder zu bewähren, jeder treu zum Bunde hält. - /: Dir will immer ich gehören, Heil CV, du meine  Welt! :/

 

Senior: "Herrlicher Cantus bestens verdankt. Ich erhebe mein Glas auf  das Wohl und Gedeihen unseres Verbandes! Heil CV!"

(Aus der Corona ertönt es ebenfalls. "Heil CV! Heil Ihnen!")

 

"Colloquium!" (Dauert ca. zehn Minuten an)

 

"Silentium! Das Wort hat unser Kartellbruder General W."

 

"Hochverehrter Herr Landeshauptmann, bewährter und erprobter Freund des Linzer CV, meine sehr geehrten Damen, liebe Kartellbrüder, liebe Freunde! Ich habe den ehrenvollen Auftrag, euch den Dank des Münchner CV zu überbringen und die Glückwünsche zum heutigen Tag. Den Dank, dass ihr uns eingeladen habt, und ich bin gern gekommen zu diesem heutigen Festtag, allerdings ohne jede Strapaze, und das danken wir unserem Freund Jahn und seiner Mystere. Der uns bewiesen hat, dass München und Linz praktisch nur mehr in einem Vorortverkehr bestehen kann. Und den wollen wir beibehalten. Ich danke euch, meine lieben Kartellbrüder, ich  darf einer sehr verehrlichten Austro Danubia recht herzlich gratulieren zum heutigen Festabend. Und dir liebes hohes Ehrenmitglied der Austro Danubia und  lieber Kartellbruder für deine heutige verdiente Ehrung. Nach alledem, was unser verehrter Landeshauptmann und Kartellbruder Dr. Gleißner gesagt hat, kann man  eigentlich nichts mehr hinzufügen, aber ich möchte doch auf eines hinweisen, was wir zusammen eben gesungen haben, - dass passt meiner Meinung nach auf unseren lieben Freund und Cartellbruder Jahn in außerordentlichem Maße, nämlich: nur tatenfrohe Ritterschaft darf Siegeskronen tragen (Applaus). In diesem Sinne wir von Herzen und in aller Freundschaft Glück wünschen. Nimm unsere Freude mit an, und damit glaube ich, wenn wir alle unsere Freundschaft so im Sinne des CV annehmen, die sich bewährt hat in der Vergangenheit in den schwierigsten und in schwersten Zeiten. Und die sich auch bestimmt bewährt in heutiger Zeit, wo so manches revolutionäre - und es ist ja gar nicht zu beklagen - lasst es doch gären, denn aus dem Gären wird der gute Wein. Und ich glaube nie, dass es ein schlechter Jahrgang wird, den wir - die alten CVer - mit den Jungen zusammen hier in unserer Freundschaft erzeugen (Applaus). Glauben wir an unsere Freundschaft, und ich bin glücklich, meine Freunde, dass ich euch aus jüngstem Erlebnis der Freundschaft berichten kann. Ich hatte die Ehre mit dem bayrischen Ministerpräsidenten auf einem Staatsbesuch in Südamerika zu weilen. Und da hat in München am CV-Stammtisch zu mir ein alter, ganz bemooster CVer zur mir  gesagt: "Du schreib doch wo du hinfährst mal an die CVer!" Und das hab ich dann getan, und ich kann euch nur bestätigen, sie waren alle da, und nicht nur waren sie da, weil sie viele tausend Kilometer entfernt waren. Man hat gespürt, sie waren da wegen unserer alten CV-Freundschaft. Und ich glaube an Sie! Und sie  wird leben, und sie wird bestimmt auch gerade zwischen Linz - München Fäden  schlagen zum Nutzen und zum Frommen des Münchner CV und zum Nutzen und Frommen  des Linzer CV. Und ich bitte unseren lieben Freund Jahn, seine Mystere, die ja immerhin seinen Gewalten untersteht, recht häufig im Vorortsverkehr zwischen München und Linz landen zu lassen. Ich zweifle nicht, dass daraus das erwächst,  was wir alle ersehnen, unsere Freundschaft und darauf trinke ich Prost, ihr lieben Freunde!"

(Applaus)

 

General W.: "Heil euch!"

 

Korona: "Heil Dir!"

 

Senior: "Lieber Cartellbruder, ich danke dir für deine aufrichtigen  Worte."

 

"Colloquium!"

(Dauert für einige Zeit an)

 

"Silentium! Lasst uns besingen was ebenso Teil unserer Gemeinschaft  und nicht zuletzt Grund unseres Kommens ist: "Hier sind wir versammelt zu löblichen Tun!" Musik einige Takte voraus! Zur Ersten!"

 

Hier sind wir versammelt zu löblichem Tun, drum, Brüderchen, ergo bibamus! Die Gläser sie klingen, Gespräche sie ruh'n, beherziget: ergo bibamus! Das heißt noch ein alles, ein tüchtiges Wort, es passet, zum ersten und passet fort, und  schallet ein Echo vom festlichen Ort, ein herrliches ergo bibamus! ein herrliches: ergo bibamus!

 

"Mich ruft das Geschick von den Freunden hinweg! Zur Zweiten!"

 

Mich ruft das Geschick von den Freunden hinweg: ihr Redlichen! ergo bibamus! Ich scheide von hinnen mit leichtem Gepäck, drum doppeltes: ergo bibamus! Und  was auch der Filz von dem Leibe sich schmorgt, so bleibt für den Heitren doch immer gesorgt, weil immer dem Frohen der Fröhliche borgt; /: drum, Brüderchen:  ergo bibamus! :/

 

"Was sollen wir sagen zum heutigen Tag! Zur Letzten!"

 

Was sollen wir sagen zum heutigen Tag? Ich dächte nur: ergo bibamus! Es ist  nun einmal von besonderem Schlag, drum immer aufs neue: bibamus! Er führet die Freude durchs offene Tor, es glänzen die Wolken, es teilt sich der Flor, da leuchtet ein Bildchen, ein göttliches, vor /: wir klingen und singen: bibamus! :/

Senior: "Herrlicher Cantus bestens verdankt! Ein Smollis den Sängern!"

"Colloquium!"

 

Nach ca. 10 Minuten

 

"Silentium!"

 

"Zum Ausklang unseres feierlichen Kommerses steige das letzte  Allgemeine: "Wenn wir durch die Straßen ziehen!" Musik einige Takte voraus! Zur  Ersten!"

 

Wenn wir durch die Straßen ziehen, recht wie Bursch in Saus und Braus, schauen Augen grau und blaue, schwarz und braun aus jedem Haus. Und ich lass die Blicke schweifen, von den Fenstern, hin und her, fast als wollt ich eine suchen, die mir die allerliebste wär.

 

"Und doch weiß ich, dass die eine wohnt viel Meilen weit von hier! Zur Zweiten!"

 

Und doch weiß ich, dass die eine wohnt viel Meilen weit von hier, und doch kann ich's schauen nicht lassen nach den schmucken Mädchen hier. Liebchen, wollt  dich nicht betrüben, falls dir eins die Kunde bringt, und dass dich nicht überrasche, dieses Lied ein Studio singt.

 

"Es steige die Burschenstrophe einer verehrlichen Austro Danubia!"

 

Alle Austro-Danuben erheben sich und singen lautstark die Burschenstrophe.

 

Nachdem das Lied beendet ist erschallt: "Heil Austro-Danubia", "Heil uns". Manche werfen auch ihre Mützen hoch.

 

"Es steige die Fuchsenstrophe einer verehrlichen Austro Danubia!"

 

Die Füchse erheben sich zur Fuchsenstrophe. Bei manchen Kommersen müssen die Füchse in den ersten Stock. Wird das entsprechende Kommando vom Fuchsmajor  gegeben steigen die Füchse auf die Stühle und singen.

 

"Zur Letzten! Liebchen nicht um Goldeslohne!"

 

Liebchen, nicht um Goldeslohne hört ich auf, dir treu zu sein, nicht um eine Königskrone, ewig, ewig bleib ich dein. Doch das Schauen nach schmucken Mädchen, die so freundlich nach mir sehen nach den Braunen, nach den Blonden, wirst Du  mir doch zugestehen.

 

Senior: "Cantus ex! Silentium ex! Commercium festium ex!"

"Omnes surgite zum Auszug der Chargierten!"

(Alle singen: "Muss i denn zum Städtele hinaus." Die Chargierten verlassen salutierend den Saal)

 

Offizielles Ende des Kommerses.

 

Die empirisch ermittelten Einstellungen zu vielen Elementen des Brauchtums im CV werden im nächsten Kapitel anhand der Ergebnisse der Totalerhebung noch eingehender behandelt.

 

 


 

1. vgl. dazu T.W. Adorno, Jargon der Eigentlichkeit, Frankfurt, 3. Auflage 1967

2. vgl., Diem Peter, Bericht über die schriftliche Befragung Rudolfinas, in: Academia, 19. Jg., Heft 12, S. 23

Der Männerbund ÖCV

Gestaltung und Bearbeitung by Petra Hafner &
Daniela Czell

Video im real player format auf http://kanalb.de/index.php
.
siehe auch:
deportation-class.com

Neu in der philosophischen Audiothek
Z
um Download und Streaming zugänglich:

http://audiothek.philo.at