6. SOZIALISATION IM CV



Die Sozialisation in den CV ist in erster Linie ein Integrationsvorgang in eine der Verbindungen.

Dem außenstehenden Betrachter fällt auf, dass sehr viele Rituale (siehe Kapitel 5,1) sie kennzeichnen, dass sie lebenslänglich ist und dass eine Spezialsprache erlernt werden muss. Diese Spezialsprache werde ich auch in der Folge zur Beschreibung verwenden und jeweils die Erklärung hinzufügen.

In diesem Kapitel soll versucht werden, auf die Erziehungsprozesse im  weitesten Sinne des Wortes näher einzugehen und einige Strukturen der CV-Sozialisation aufzuzeigen.

Es wäre auch zu überprüfen, in welchen Teilen eines semantischen Raumes ein Großteil der Begriffe dieser Sprache des CV liegen und was sich daraus für den  Verband ergibt.

Diese Sprachregelungen beziehen sich nicht nur auf die Organisation sondern  auch auf die meisten Feste.

Inwieweit die Spezialsprache in Verbindung mit dem "commentisierten"und ritualisierten Verhalten zu dem jetzigen Stereotyp des CV in der Öffentlichkeit beigetragen hat, kann ich leider nicht sagen, da die nötigen empirischen Befunde darüber noch nicht erhoben sind.

Nach einer etwas idealtypischen Darstellung der Sozialisationsmodelle, die im  CV zwar nicht explizit aber implizit vertreten werden, sei der Weg eines CVers  von der Werbung, bei der natürlich dem Verbandsimage große Bedeutung zukommt, bis zur Trauerkneipe, die im CV zur Ehre der Toten geschlagenwird, in zum Teil phänomenologischer Art dargestellt.

Die Ergebnisse von schriftlichen Befragungen zu Verbindungs- und Verbandsproblemen werden dieses Kapitel abschließen.

Bevor ich die konkreten Erörterungen über die Sozialisationsmodelle im CV beginne, möchte ich noch drei, mir für die folgende Begriffsuntersuchung wichtige Termini erläutern.

Unter CV-Sozialisation kann in erster Annäherung der Aufbau besonderer Aspekte der sozio-kulturellen Persönlichkeit durch eine Folge von  sozialen Prozessen und Wechselbeziehungen gesehen werden. Der integrierte CVer  unterliegt dieser Sozialisation sein ganzes Leben lang.

Es geht dabei um Anpassungs- und Abstimmungsvorgänge der Verhaltensweisen des  Individuums auf die soziale Umwelt des CV's, wodurch die allgemeine sozial-kulturelle Persönlichkeit in bestimmten Teilen besonders ausgeprägt wird. (Politische Einstellungen, Einstellungen zur Frau, zur Kirche etc.)

In den einzelnen Phasen stehen die verschiedensten Sanktionen zur  Durchsetzung der Normen und Werte zur Verfügung (Strafen, Gericht, Rügen, Geldstrafen, Nichtaufnahme nach dem Probejahr, Berichte am BC, Verbindungsgericht, Wahl, Abwahl etc.)

Diese Institutionen der sozialen Kontrolle im CV sind teilweise auch im fünften Abschnitt behandelt.

Im wesentlichen steckt die Innenstruktur den Rahmen für die, im CV stattfindende Sozialisation ab.

In den ersten Abschnitten der Sozialisation die auch als Hineinwachsen (Integration in das CV-System) bezeichnet werden könnten, dominiert die  bestehende Innenstruktur und nicht die Möglichkeit der Veränderung durch den Einzelnen, zumal ja die Verbindungen meist eine lange Tradition haben. Selbstverständlich ist, dass der CVer in seiner Entwicklung auch von anderen Gruppen mitbestimmt wird, besonders im Beruf von den Berufsgruppen und von den politischen Gruppen, in denen er wirkt. Natürlich wird in der CV-Erziehung nicht ein neuer Mensch geschaffen, meist werden, doch auch das ist nocht nicht  untersucht, mittelschichtspezifische Verhaltensweisen bürgerlicher  Familien verstärkt oder generalisiert.

Die Hinwendung zur Politik ist ebenfalls ein allgemeines Kennzeichen der CV-Erziehung. Inwieweit das durch den männerbündischen Charakter des CV verstärkt wird, kann ich nicht sagen.

Während meiner Materialsammlung über den CV stieß ich auch auf einen Theorieansatz über die CV-Sozialisation. Aufgrund der mir bekannten Daten und Strukturen konnte ich ihn zu einem Überblick über die CV-Sozialisationsmodelle ergänzen.

Ritualien, Ritualismus oder ritualistische Sozialisation auf der einen Seite, argumentatorische vereint mit künstlerischer (Ritual) Erziehung auf der anderen Seite, ist die Benennung dieser Idealtypen.

Ritualien, Ritualismus bzw. ritualistische Sozialisation kennzeichnet sich dadurch, dass das Ritual (Siehe Fromm) zur Routine mit totaler Vorhersagbarkeit wird, die manchmal, z.B. durch Festreden, die sich ebenfalls meist in ihrem  Inhalt vorhersagen lassen unterbrochen wird. Weitere Kennzeichen habe ich im nächsten Kapitel angeführt. Fromm schreibt zu diesem Problem:

"Außer der Kunst ist die bedeutsamste Art und Weise, die Oberfläche der  Routine zu durchbrechen und zu den letzten Realitäten des Daseins (Liebe,  Schuld, Gott) vorzustoßen das, was man allgemein mit Ritual bezeichnen kann. Ich gebrauche hier das Wort in sehr weitgefasstem Sinn, beispielsweise auch für die Aufführung eines griechischen Dramas Ob wir an das griechische Drama denken, an ein mittelalterliches Mysterienspiel, an den indischen Tanz, an die  urchristliche Mahlfeier, an die feierliche Aufnahme in eine Gruppe, - es handelt sich immer um verschiedene Formen der Dramatisierung der Grundprobleme des menschlichen Daseins, um ihre Darstellung, ein Seitenstück zum Durchdenken der gleichen Probleme in Philosophie und Theologie. Was ist in der modernen Kultur  von solcher Dramatisierung geblieben? Beinahe nichts. Der Mensch verlässt fast nie den Bereich der von Menschen gemachten Konventionen und Dinge und durchbricht kaum je die Oberfläche der Routine (im Rausch oder der LSD-Psychose), abgesehen von gewissen grotesken Versuchen, durch Logen und  Bruderschaften das Bedürfnis nach Ritualien zu befriedigen!" (1)

Diese Ritualien wie Fromm sie nennt fallen in etwa mit dem Ritualismus, mit  der ritualistischen Sozialisation in eins. Sie werden nach dem Comment  vollzogen, sind zur Routine erstarrt. Obzwar ich nach wie vor der Meinung bin,  ritualistische Sozialisation sei ein guter Terminus für viele Tendenzen in der  CV-Sozialisation, meine ich doch, dass die folgenden Hollschen Alternativen den Aspekt des Rituals und des künstlerischen Ausdrucks in der Typologie hätten berücksichtigen müssen.



6,1) Ritualistische und argumentatorisch-künstlerische Erziehung

Diese beiden Idealtypen bestimmen mehr oder weniger die Sozialisationsvorgänge in den CV-Verbindungen und natürlich auch in anderen  Gruppen. Meist sind beide Elemente miteinander verschränkt anzutreffen. Dass im CV nach meiner Erfahrung sowie nach den Erfahrungen des österreichischen Religionssoziologen A. Holl das erste dominiert, soll nicht verschwiegen werden.  Als soziologisch gesichertes Wissen könnten diese Sozialisationstypen erst nach eingehender Untersuchung ausgegeben werden. Beiden Modellen liegen zum Großteil Holls Thesen über argumentatorische und ritualistische Sozialisation zugrunde.(2)

Unter "Sozialisationsmodelle an der Hochschule" schreibt er:
"Die Studentengemeinschaften der CV-Verbindungen bilden eine Sozialisationsinstanz, in der eine Verbindung zwischen religiöser und  politischer Sozialisation erfolgt, die gesamtgesellschaftlich wichtige Auswirkungen hat."

Für die These spricht auch ein Teil der Strukturanalysen und Darstellungen in  meiner Arbeit. Die folgende These von Holl jedoch erscheint gerade im Hinblick auf jüngere Ereignisse eher dem Bereich der zwischenverbandlichen Stereotypen (KHJ kontra CV) anzugehören, wenn er schreibt: "Die als ritualistisch  gekennzeichnete Sozialisation der CV-Verbindungen unterscheidet sich in folgenden Merkmalen von den Sozialisationsformen der Katholischen  Hochschuljugend (Argumentatorische Sozialisation)".

Wenn auch die schwerpunktmäßige Verteilung in etwa stimmt, so konnte ich doch  feststellen, dass es nicht nur in studentischen Verbindungen diese beiden  Sozialisationstypen gibt.

 

Ritualistische Sozialisation

Argumentatorische Sozialisation, Erziehung zur Spontaneität und zum künstlerischen Ausdruck

Rekrutierung

Rekrutierung

Hinweise auf politische und berufliche Vorteile

Hinweise auf Geselligkeit und Zugehörigkeit bedeutsam;

Viele Söhne der Altherrenschaft; Beamtenschaft überrepräsentiert

Überzeugungsversuche

persönl. Freundschaft

Mitwirkung bei Aktionen

Machtstruktur

Machtstruktur

Hierarchische Struktur mit kontinuierlicher Initiation (ritualisierte Übergänge von einer Stufe zur anderen)

Große Bedeutung von Mentoren (geistlichen Assistenten, Philistersenioren)

egalitäre Struktur mit innerer Funktionsdifferenzierung, Vollversammlungen,

Techniken des Abbaus von Informationsvorsprüngen





Sozialisationsmechanismen





Sozialisationsmechanismen

Übernahme eines Normensystems auf der Grundlage affektiver Solidarität, der Inhalt der Normen selbst wird selten verbalisiert und  diskutiert

Diskussionen der Inhalte und Begründungssysteme von Normen und  Werten im Mittelpunkt

Geringere affektive Solidarität, Strukturdebatten, wenige langfristige und institutionalisierte Normen, Ämterrotation, Versuche künstl. Ausdrucks,  Verwendung psychotherapeutischer Techniken




Sozialisationspraktiken(3)




Sozialisationspraktiken



restricted code

typisches Sprachsystem mit hoher Voraussagbarkeit

Tradierte Symbole (Farben Fahnen)

haben große Bedeutung



elaborated code

hoher Grad der Verbalisierung differenzierterer kognitiver Zusammenhänge



Sozialisationsergebnisse



Sozialisationsergebnisse

Erwerb neuer Identität und ein starkes WIR-Bewusstsein (Verbindungsnahme, Du-Wort)

Keine Kritik der Eigenenin der Öffentlichkeit

Vorbereitung auf bürokratische Tätigkeiten in Verwaltung und Kammern

Differenzierung und Individualisierung bestehender kognitiver  Systeme, kritische Haltung



Sanktionen



Sanktionen

Vollausgebildeter rite de passage, Sanktionen ähnlich den  Persuasionstechniken in Sekten, Pönale, Gericht

Keine kollektiven Sanktionen





Die beiden obigen Modelle stellen den Idealtyp dar. In der Folge relativiert Holl seine These ritualistische Sozialisation = CV-Sozialisation mit Argumenten, die teilweise an seine Versuche aus dem (kirchlichen) System auszubrechen  erinnern.

"In CV-Verbindungen sind z.B. immer wieder Versuche, aus diesem System auszubrechen zu bemerken, die jedoch meistens von oben erfolgreich unterdrückt werden."

Wobei das Oben meist im Einklang mit Unten handelt. Eine These, die ich aus Platzgründen leider nicht näher erläutern kann.  Ebenso können auch die Elitefunktionen des CV erklärt werden. Er kann herrschen, weil er ohnehin die Meinung des mittelständischen katholischen Bürgertums  vertritt. "Wenn das, was sie hier schreiben, ritualistische Erziehung ist, dann bin ich auch dafür," sagte mir ein Bekannter. Auf die Beziehung zwischen konservativem Bürgertum und Faschismus weist Hofstätter etwas näher hin.(4) Hier kann jedoch nicht näher darauf eingegangen werden.

Zwei weitere gesamtgesellschaftliche Auswirkungen der Sozialisationsvorgänge in CV-Verbindungen charakterisiert Holl folgendermaßen:

1) Tendenz zur Geheimhaltung, ritualistische Sozialisation tendiert zu Informationsrestriktionen

2) Tendenz zur Unterschlagung von erworbenen Merkmalen (achieved status) bei der Rekrutierung von Personen in Führungsspitzen zugunsten der Betonung der Gruppenmitgliedschaft.

Weitreichendere empirische Untersuchungen zu diesen Problemen gibt es nicht. J. Bartscher arbeitet allerdings an einem KV-Fragebogen, in dem er eine Skala: Einstellungen zur Ämterpatronage hat.

Wahrscheinlich wird die Grundthese stimmen, dass nämlich die Ritualisierung  der Sozialisationmit zunehmender Institutionalisierung und  Vergrößerung des Verbandes zunimmt. Inwieweit in Holls Ausführungen die Praxis gewisser CV-Verbindungen mit der Theorie der KHJ (um 1950) verglichen wurde, als  sie sozusagen noch eine Randgruppe war, bleibt zu fragen.

Weiters ist zu fragen, ob die argumentatorische Sozialisation überhaupt ein Kennzeichen des Sozialisationsprozesses in kreativen Minderheiten ist, die ja für den sozialen Wandel höchst bedeutsam sind? Meines Wissens wurde das im CV noch nicht untersucht.

Von großer Bedeutung ist aber die eher ritualistische Sozialisation auch für den kirchlichen Bereich. Im akademischen Bereich selbst  ist der CV ­ neben der KHJ ­ Teil des Intensivsegments der Kirche.

Bevor ich mit der konkreten Schilderung des Sozialisationsvorganges beginne, möchte ich auf ein Dilemma(5) hinweisen, dass sich  meines Erachtens bei jeder christlichen Sozialisation ergibt.

"Das soziologische Paradoxon des Christentums: Eine soziologische Analyse der  geschichtlichen Information über Jesus von Nazareth ergibt die Tatsache, dass es sich bei ihm um einen Außenseiter gehandelt hat (Deviant, marginal man), dessen Zielvorstellungen sich nicht in die damals üblichen Rollenerwartungen (Familie,  politische Gruppen, etc., Herrschaftsstruktur, Religio-kulturelles System) einordnen ließen. Die notwendige Institutionalisierung der jesuanischen Inhalte  seitens der Nachfolger musste zu einem Widerspruch zwischen eben diesen Inhalten und deren organisatorischen Repräsentation führen. Dieser Widerspruch wurde in der Folge kompromisshaft bewältigt, wodurch der Weg zur Großkirche frei wurde  (Max Weber, Ernst Troeltsch). Der jesuanische Impuls erhielt sich freilich in Orden, Sekten, Schwärmern aufrecht."

Für den studentischen und akademischen Bereich ergeben sich die von mir  gezeigten zwei Alternativen der Sozialisation sowie Mischformen.

Die beiden Sozialisationsmodelle sind für zwei gesamtgesellschaftliche Strategien: Restauration und Strategie des offenen Systems funktional oder dysfunktional.

1) "Restauration (Aufrechterhaltung des bestehenden Systems  unter Sanktionierung von Abweichungen) und Kanalisation (Ablenkung von Reformtendenzen in, für das bestehende System ungefährliche Bereiche, z.B. Liturgie, Caritas).

2) Strategien des offenen Systems (Aufgeben jeglicher Restriktion in bezug auf Informationsgewährung, Abbau einer auf affektive  Steuerung hinarbeitenden Indoktrinationstechnik, Zulassung eines Pluralismus von Bezugsgruppen)" (6)

Die argumentatorische Sozialisation, die in anderen Sprachfeldern als antiautoritäre Erziehungverstanden wird, hat wesentlich künstlerische Elemente. Allerdings schließe ich mich der Meinung Erich Fromms an und glaube nicht, dass diese Art der Sozialisation alleine  sinnvoll bzw. überhaupt möglich ist.

Die Verbindungen stehen also einerseits vor dem Problem Ritualien abzubauen. Wer identifiziert sich beispielsweise noch mit dem Gottesbegriff der gängigen Ritualgesänge (Gott, der "auf den Sternen waltend und unsrer Feinde Trotz zerblitzet"). Andererseits stellt sich das Problem, in Experimenten eine Gemeinschafts-Kunst zu entwickeln, womit Ritual im "erschütternden Sinn" gemeint ist: eine Antwort auf die Welt mit unseren Sinnen auf schöpferische, mit anderen geteilte Art.

Der Terminus ritualistische Sozialisation trifft auf viele strukturelle Tendenzen in der CV-Sozialisation zu, aber ich bin doch der Meinung, dass die Holl'schen Alternativen den Aspekt des "erschütternden Rituals" und des künstlerischen Ausdrucks hätten berücksichtigen müssen.

Eine der besten Darstellungen des göttlichen Eingriffs in den bürgerlichen Ritualismus bietet Teorema von P. Pasolini. Zwei Fragen aus einem  Interview mit ihm über die Heiligkeit, die ja auch das Dilemma der bürgerlichen Religion aufzeigt, sei hier stellvertretend angeführt: "Dann ist also jedes religiöse Erlebnis beim bürgerlichen Menschen nur ein moralisches Erlebnis?" (7), "Demnach ist also die metaphysische Religion verlorengegangen, indem sie sich in eine Art Verhaltensreligion verwandelt hat?" (8)

Wie ich ja bereits gezeigt habe, ist zu den an den Knotenpunkten des  Lebens (Geburt, Essen, Aufnahme in eine Gemeinschaft, Sexualität, Tod, Gespräch) ohnehin von der Kirche situierten Sakramenten, zusätzlich das Ritual gewisser Zeremonien (Comment) gekommen. Wie Sakramente Zeichen sind mit der besonderen Funktion auf Christus hinzuweisen, haben die im Comment festgelegten Ritualien die Funktion auf den Verband und Verbindung hinzuweisen. Dies wurde schon klar, als ich die "commentisierten" Bereiche und Anlässe aufzähle.



6,2) Rekrutierung und Eintrittsmotivation

Der Eintritt in den CV erfolgt in der Regel indem ein Student sich in einer  Verbindung um die Aufnahme als Fuchs bewirbt. Folgende Faktoren dürften einen Studenten dazu bewegen, in eine Verbindung einzutreten. Da sie in den Selbsthilfefragebögenals Antwortmöglichkeitenaufscheinen, müssen sie doch nach der Meinung des Verfassers eine große Rolle spielen.

" -Um in einer fremden Stadt Anschluss zu finden

- Wurde von einem Kollegen gekeilt (angeworben)

- Durch Verwandte bei der Verbindung

- Um gesellschaftlichen Kontakt zu pflegen

- Um beruflich besser vorwärts zu kommen

- Um einer katholischen Vereinigung anzugehören

- Weil ich als MKV'er dem CV zuneige

- Aus anderen Gründen."

Diese Begründungen werden sehr oft genannt, meist wahrscheinlich sogar kombiniert. Einige Ergebnisse dazu sind in Punkt 6,6 angeführt.

Der Eintritt in eine Verbindung ist ein wichtiger Verknüpfungsprozess, der die Wechselwirkungen besonderer Aspekte der Außenstruktur (wie z.B. das Image, das der Verband in der breiten Öffentlichkeit hat) und der Innenstruktur verbindet. Wenn der Maturant zur Universität kommt, wird er in vielen Fällen schon von der Existenz studentischer Verbindungen durch Veröffentlichung in Presse, Rundfunk und Fernsehen unterrichtet sein. War er bei einer Verbindung des  Mittelschülerkartellverbandes (MKV), so kennt er viele Normen des CV (z.B. den Comment) schon.

Auch mögen ihm seine Lehrer vom Bestehen der Verbindungen berichtet haben. Abgesehen von dem Fall, dass ein Verwandter oder Bekannter Mitglied in einer Korporation ist, wird der Maturant keine genauen Vorstellungen vom Leben in  einer Verbindung haben. Die einzelnen Verbindungen versuchen den Studenten eine Vorstellung vom Verbindungsleben zu vermitteln, indem sie diese zu Veranstaltungen einladen. Neben den persönlichen Einladungen und den Veranstaltungen auf der Hochschule (Vorträge, Bälle, Arbeitskreise) werben die Verbindungen auch noch auf anderen Wegen (Schaukasten in der Universität,  Verteilen von Flugblättern usw.)

Außer einer Orientierung an den Grundkonzeptionen der verschiedenen Vereine  auf der Hochschule dürfte jedoch noch der persönliche Kontakt, den der Studierende zu den Verbindungsmitgliedern bekommt, einen wesentlichen Anteil zu  einer Eintrittsentscheidung beitragen. Je besser dieser Kontakt ist, umso größer wird in der Regel die Bereitschaft sein, Mitglied in dieser oder jener Korporation zu werden.(9)

Wie oben bereits erwähnt, können Informationen über Verbindungen vom Vater vermittelt werden. Dieser wird die Information - ob positiv, negativ oder  neutral gehalten - umso eher vermitteln, je mehr er der Überzeugung ist, dass der Sohn in eine Korporation oder in seine Korporation eintreten bzw. nicht  eintreten sollte. Um die Vorliebe für die eigene Gruppe (ingroup preference)  festzustellen, stellte Bartscher an die 117 Alten Herren, der von ihm untersuchten Verbindung, die folgende Frage:

"Sollte nach Deiner Ansicht der Sohn eines KVers in einer  katholischen Korporation aktiv werden?"

Beantwortung in Prozenten:

ja 83

nein 3

keine Meinung 6

Frage nicht beantwortet 8

Summe 100 (N = 117)

Bartschers Untersuchung zeigt weiter, dass die in-group preference mit steigendem Alter zunimmt.

Weiter konnte er empirisch nachweisen, dass jene Mitglieder, die keine Verwandten in der Verbindung hatten, erst in späteren Semestern in die Verbindung eintreten, als Studenten die aus "KV-Familien"kamen.

Ein Vergleich zwischen der Gesamtstudentenschaft der Universität Köln und den  studentischen Mitgliedern der untersuchten Korporation hinsichtlich der Vaterberufe zeige ebenfalls die von mir vermutete Tendenzen zur Institutionalisierung von Aufstiegswegen für Beamtenkinder in  Verbindungen und die tendenzielle Konvergenz  ritualistischerund bürokratischer Erziehung.

Angestellte sind unterproportional in der Korporation vertreten, Beamte überproportional. Weiters zeigte sich, dass Kinder von Beamten eher in die  Verbindung eintreten als Kinder von Angestellten. Diese Feststellung wird unterstützt durch eine Untersuchung, die H. Better im Sommersemester 1963 im süddeutschen Raum vorgenommen hat.(10)

Wir finden also nicht nur überproportional mehr Beamte in den Verbindungen,  sondern, und das erscheint einleuchtend, auch mehr Kinder von Beamten, da ja die Väter der Meinung sind, dass die Söhne auch diese Erziehung genießen sollten. Dieses Ergebnis und die "Bierfamilienpflege"weist auf die Tendenz hin, die Verbindung als Fortsetzung der Familie zu sehen.



6,3) Fuchsenzeit

Die Phase die der endgültigen Aufnahme vorgelagert ist - "die Rezeption", ist  ja auch schon eine Art Aufnahme - ist die Fuchsenzeit. Es handelt sich um ein Probejahr, um ein Noviziat in dem der Fuchs ca zwei Semester 2 - 3 Veranstaltungen zu besuchen hat. Wobei der Budendienst (Reinigung des  Verbindungslokal) den ebenfalls die Füchse unter Leitung eines gewählten Budenwarts zu leisten haben, nicht mitgerechnet wird.

Durch die häufigen Veranstaltungen wird, was ja Hofstätter auch bei Rekruten, Novizen u.a. aufzeigt, der Kontakt zur Außenwelt wesentlich eingeschränkt und der Neuling in der Verbindung integriert.

Er hat alle Veranstaltungen der Verbindung zu besuchen, (Ausnahme BC) auf dem  Fuchsenkonvent (FC - wöchentliche Veranstaltung unter der Leitung des  Fuchsmajors) Referate zu halten, sowie kleinere Funktionen auszufüllen (Kassier der Füchse usw.).

Die Fuchsenzeit wird nach den Rechtsbüchern der Verbindungen wieder in drei  Abschnitte eingeteilt.

Spefuchs ist ein Student, der zwar schon in Verbindungskreisen  verkehrt, aber noch nicht den Ritus der Rezeption hinter sich hat. Er hat somit  auch noch keinen Verbindungsnamen.

Krafuchs ist er von der Rezeption zur Branderung.  (Ein von mir nicht näher behandelter Ritus, der unter anderem verschiedene  Fähigkeiten des Fuchses überprüfen soll: trinken, dichten, singen). Vorher ist jedoch vor einer Kommission, welche aus dem Senior, Consenior, Schriftführer und Fuchsmajor zusammengesetzt ist, die Branderprüfung abzulegen.

Sie umfasst meist:

- Geschichte der jeweiligen Verbindung

- Geschichte studentischer Gruppen, insbesondere des CV

- Grundsätze der Verbindungen (siehe Wertorientierungen)

- Österreichische Hochschulen

- Hochschulgruppen am jeweiligen Studienort, sowie Mittelschulgruppen

- die Geschäftsordnung der Aktivitas (da ja vereinsrechtlich zwei Vereine, Aktivitas und Altherrenschaft angemeldet sind).

- Verbindungskomment

- Verbindungslieder

Besteht der Fuchs die Prüfung, dann erfolgt auf einer Kneipe "die  Branderung".

Als Brandfuchs ist er bereits um eine Stufe in der Verbindungshierarchie höher gestiegen. Er führt aber nach wie vor das Leben  eines Fuchses. Meist hat er sich bereits einen Leibburschen gesucht. Er bereitet sich auf die Burschenprüfung vor. In manchen Verbindungen müssen auch Burschenarbeiten (Referate ca 10 Seiten) geschrieben werden. Die ähnlich zusammengesetzte Kommission stellt Burschenfragen zu folgenden Themen:

- Burschungsarbeit

- zu den Rechtsbüchern der Verbindung

- über Grundsätze der christlichen Weltanschauung

- über Fragen der christlichen Sozialpolitik

- über soziale Fragen der Gegenwart

- über das Auftreten als Coleurstudent

- Wiederholungsfragen aus der Branderprüfung

Wird die Burschenarbeit angenommen und besteht der Fuchs die Prüfung, so wird  er nach dem Burschungsritus geburscht.

"Zum Zeichen seines geänderten Wesens trägt er einen neuen Namen (oder akademischen Grad). Manchmal ist diese Wandlung durch Masken, Gesichtsbemalung (Branderung) und Körpertätowierung ausgedrückt

Firmung, Priesterweihe, das Ritual der Aufnahme in geheime Gesellschaften  oder studentische Kameradschaften zeigen uns noch einen schwachen Abglanz der  Initiationszermonien." (11)

Eine tatsächliche Analyse der Verbindungsnamen müsste, da sie in der Nähe der  Symbolbedeutung liegt, mit Interviews verbunden sein, um die Struktur der  "himmlischen" Bezugsgruppe aufzudecken. Wie heterogen diese Bezugsgruppe ist  wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass seit einiger Zeit auch Mao und Che als Verbindungsnamen verwendet werden.

E. Goffmanns These; "immer wo eine Beschäftigung einen Namenswechsel mit sich  bringt, ob registriert oder nicht, kann man sicher sein, dass es um einen bedeutsamen Bruch zwischen einem Individuum und seiner alten Welt geht"(12), trifft auch teilweise auf den Coleurnamen zu.

Ein Name ist eine sehr übliche, und meist auch sehr verlässliche Art, persönliche Identität zu bestimmen. Da aber nun die Namensänderung ja nur auf den Rufnamen beschränkt ist, und teiweise alte Spitznamen ihre  Fortsetzung im vulgo der Verbindung haben, ist es meist kein Bruch der Identität, sondern eine Akzentuierung.

Das Tragen von Band und Mütze und die damit verbundenen sozialen Informationen an die Öffentlichkeit, dürften nicht nur die soziale, sonden auch  die personale Identität wesentlich beeinflussen (Bekenntnisse). Inwieweit ein Farbenträger in der Atmosphäre der heutigen Hochschule zum Stigmatisierten wird,  wäre festzustellen.



 

6,31) Verbindungsnamen

 

"In Anlehnung an das Rittertum und das Ordenswesen erhält der Fuchs einen  neuen NamenDer tiefe Sinn des Coleurnamens soll der Beginn eines neuen Lebens sein, das der Fuchs in seiner Verbindung beginnt!" (13)

Um die Richtung der Identifikation festzustellen auf  die Coleurnamen hinweisen, habe ich die Namen einer 1907 in Wien  gegründeten Verbindung zusammengestellt.

Die folgenden Namen berühmter Götter, Helden, Heiliger, Propheten, Dichter, Philosophen und Wissenschaftler werden von den Verbindungsmitgliedern meist ihr Leben lang getragen und bei Unterschriften im Verkehr mit Bundesbrüdern dem Namen angefügt. (z.B. N. N. v. (vulgo) Cicero, gefolgt vom Verbindungszirkelund den Chargenzeichen: x für Senior, xx für Consenior, FM für Fuchsmajor, xxx für Schriftführer, 2. xxx für 2. Schriftführer, xxxx für Kassier. Hatte N. N. die Funktion in einem vergangenen  Semester, so werden die Chargenzeichen in Klammer gesetzt)

Diese erweiterte Unterschrift bietet genug Informationen zur ersten  Bestimmung persönlicher und sozialer Identität.

Die Verbindungsmitglieder werden in den Verkehrskreisen des CV mit ihrem Couleurnamen angesprochen.

Die Zahl der Namen, die auf einen Identifikationsversuch mit einem Vorbild hinweisen, oder den eigenen Namen aufwerten, nimmt in den letzten Jahren ab. 1966 gab es in der von mir untersuchten Verbindung beinahe so viele Spitznamenund lustige Coleurnamen wie große und bedeutende Namen.



- Dichter und Philosophen: Wulfila, Wolfram, Tasso, Orpheus, Anaximenes, Anaximandros, Villon, Cicero, Thales

- Heilige und Propheten: Hubertus, Leo, David, Elias

- Wissenschaftler: Paracelsus, Einstein, Archimedes, Gauß

- Götter: Baldur, Loki(2), Bacchus(2), Mars, Diogenes, Amor,  Mercur(2), Neptun, Mephisto, Paris, Hermes(2), Apoll, Eros, Wotan

- Helden: Hildebrand(5), Tristan(3), Parsival(2), Laurin(2),  Rüdiger(5), Hadubrand(2), Wolfhart, Siegfried(3), Roland(4), Hartmuth,  Attila(2), Gunther(5), Gernot(2), Faust(4), Dietrich(2), Hagen(3), Pippin(2),  Sigurt, Lohengrin, Totila(2), Volker(2), Alarich, Karlos, Blondl(2), Giselher,  Hadrian, Hanibal, Titus, Egmont(2), Robin, Fidelio, Wozzek, Ramses, Kolumbus, Hektor, Odysseus, Kudlich, Romeo, Orest, Perikles, Gerhard, Winfried(2), Armin(2), Gawein, Herwig(2), Seyfried, Heribrand(2), Haymon(2), Ingo, Horand,  Vilmar, Rudolf(2), Walthari, Erek, Elmar(2), Immo(2), Gero, Roderich, Dankwart,  Siegwald, Tankred, Eberhard, Erik, Jago, Arnulf, Volkmar, Ulpianus, Ortwin,  Flavus, Sarastro, Oswin, Ditmar, Erek(2), Marco, Gero, Ike, Titus, Horand,  Boris, Achill, Rienzi, Nero, Samson, Becket, Ghandi

- Sonstige meist lustige Namen: Pips, Differential, Integral, Kiki, Topf, Polyp, Spatz, Gimpel, Mucki, Sküs, Mond, Specht, Reck, Paragraph, Stieglitz, Heini, Kodex, Appendix, Teddy(3), Flott, Wolferl, Ossi,  Longinus, Fips, Fink, Sinus, Pilz, Gratsch, Fridolin, Jack, Celsus(2), Pingo,  Gockel, Bobby(2), Mausi, Einserl, Funschi, Zapf, Strick, Humus, Auwo, Beni, Bumbi, Mico, Stift, Mario, Pedro, Murus, Ali, Sandor, Aspro, Maxi, Ado, Defizit, Jux, Virus, Saldo, Pagat, Apa, Nomos, Knirps, Sputnik, Pit, Lord, Minus, Plus, Logarithmus, Neutrino, Agricola, Heli, Lex, Bandl, Ati, Pedro, Graf, Baucherl, Flips, Floggy, Rolli, Philo, Cheese, Eggi, Gonzales, Knall, Maximus, Gonzales,  Eggi, Celsus, Bärli, Lukull, Much, Anopheles.

- Schließlich ebenfalls lustige Coleurnamen die auf ein wichtiges Element studentischen Brauchtums hinweisen: Spund(4),  Schnaps, Perkeo, Schluck, Stamperl, Schwips, Gambrinus(14)

- Fünf Couleurnamen waren Abkürzungen des eigenen Vornamens die restlichen Namen kann ich keiner der Kategorien zuordnen, da sie für mich mehrdeutig waren oder ganz alltägliche Vornamen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass zwischen 1907 und 1966 47% der  Verbindungsmitglieder den Namen eines Helden (139) oder einen Götternamen (18)  oder den Namen eines Dichters (5) eines Philosophen (4), eines Heiligen (4) oder  den Namen eines berühmten Wissenschaftlers (4) ihrem bürgerlichen Namen in Verbindungskreisen hinzufügten.

29 Prozent der gewählten und getragenen Namen sind "lustige"Namen  oder Spitznamen. Zehn dieser 107 Namen hängen unmittelbar mit dem Kneipen  (trinken in Gemeinschaft und nach bestimmten, im Kneipkomment festgelegten  Normen) zusammen.

90 Couleurnamen konnte ich wegen ihrer Alltäglichkeit und/oder Mehrdeutigkeit keiner Kategorie zuordnen. 371 Namen wurden von mir untersucht.

Interviews mit den Trägern der Namen müssten die Gültigkeit der von mir angenommenen Identifikationsrichtung allerdings erst bestätigen um daraus einige brauchbare Daten zur Ergänzung von Persönlichkeitstypen und Biographien zu gewinnen.

Auf die sozialpsychologisch relevante Dimension des neuen Namens weist Hofstätter hin, wenn er schreibt: "Nach den Initiationsriten die Tage, Wochen, Monate, selten länger als ein Jahr dauern (siehe Fuchsenzeit) trägt derjenige der die Normen und Selbstverständlichkeiten der Gruppe."

Couleurnamen sind allerdings nur ein Teil der etwas alt anmutenden Verbindungssprache. Wie wichtig jedoch die Sprache und insbesonders eine  Spezialsprache für die menschlichen Handlungen und die Identität einer Person ist, kann nicht genug betont werden. Benennungen und Klassifikationen implizieren in der Alltagssprache Bewertungen von Personen und Akten. Wer die Rhetorik, dass heißt die legitimen und verstehbaren Kontroversen über die  richtigeKlassifikation,(15) z.B. auf  den Conventen erlebt, wird ihre Bedeutung ahnen. (Debatte: Altherrenschaft und Aktivitas sind EINE Verbindung, usw.)



6,4) Burschenzeit

Nach Ablauf der Probezeit erfolgt die feierliche Promotion des Fuchsen zum Burschen (endgültige Aufnahme). "Durch den Burscheneid ist der Bursch zeitlebens  an die Verbindung gebunden." Alle Burschen können am Burschenconvent teilnehmen.  Oft nehmen aber nur die aktiven Burschen und nicht die Alten Herren, die ja auch Burschen sind, daran teil. Die meisten Mitglieder bekleiden während ihrer  Burschenzeit durchschnittlich eines der Verbindungsämter.

War ein Bursch mehr als 6 Semester aktiv, so kann er sich inaktivierenlassen. Er muss dann wesentlich weniger Veranstaltungen besuchen.

Erzieherische Wirkung hat sicher auch der Kontakt mit den Alten Herren, da sie in der Regel höheren Ranggruppen angehören, als der Studierende, der Studierende aber in sie gelangen will. Auch für künftige Politiker in den Verbindungen ergeben sich genügend Kontaktmöglichkeiten. Schlägt ein Bursch eine solche Richtung ein, wird das manchmal auch durch den ÖSU (Heute Aktionsgemeinschaft) - und/oder ÖH-Vorsitz angedeutet.

Diese Funktionen ermöglichen es, ein rhetorisches und organisatorisches  Talent zu überprüfen. Vorträge und Arbeitskreise geben Möglichkeiten zur Weiterbildung. Die einzelnen Verbindungszeitungen geben ebenfalls Trainingsmöglichkeiten für andere Elitefunktionen.

Alle diese Möglichkeiten der Einübung in Führungspositionen meinte wohl Vodopivec, wenn er schreibt: Der Cartellverband ist wohl die Organisation, die  sich in Österreich am intensivsten mit dem Problem einer modernen Elitebildung beschäftigt".(16)



6,41) Leibburschenverhältnis(17) und Bierfamilien.

Die Bierfamilien, die sich aus den Leibverhältnissen ergeben, sind noch immer ein bedeutendes Element der informellen Organisation. Der Leibbursch hat sich des Leibfuchsen mit besonderer Freundschaft anzunehmen, ihn in das Vereinsleben einzuführen, ihn auf dem Burschenconvent zu vertreten, sowie ihn bei Studienangelegenheiten besonders zu unterstützen. Die Initiative der Wahl geht vom Leibfuchs aus. Die Wahl eines  bestimmten Leibburschen kann auf Sympathiegrundlage stattfinden oder unter Zweckmäßigkeitserwägungen (z.B. um einen wortgewandten und einflussreichen Vertreter auf dem Burschenconvent zu haben). Bei einer Wahl des Leibburschen auf Sympathiegrundlage könnte sich das Gefühl der Neigung auch beim soziometrischen  Test bemerkbar machen. Andererseits ist es auch denkbar, dass der Leibbursch seinem Leibfuchs Gefühle der Zuneigung entgegenbringt. Sollte dieses Sympathiegefühl bei der Wahl seitens des Leibburschen gegenüber seinem Leibfuchs noch nicht vorhanden sein, so könnten sie sich jedoch im Laufe der Zeit entwickeln, z.B. aufgrund der häufigeren Interaktionen zwischen Leibfuchs und  Leibbursch, ohne die die Aufgaben, die in der Satzung dem Leibburschen gestellt  werden, nicht zu realisieren sind. Einfach ausgedrückt: Die jeweiligen zeitlich  folgenden Freundschaften werden untereinander verknüpft. Der Leibbursch wird vom Leibfuchsen auch ironisierend mit Vaterangesprochen, der Fuchs mit Sohn.

Das Verhältnis ist meist lebenslänglich. Bierfamilien spielen in der Verbindungspolitik eine gewisse Rolle, sie pflegen sich auch außerhalb der hochoffiziellen, offiziellen und inoffiziellen Veranstaltungen zu Gesprächen zu treffen. Ich möchte sie als Institutionalisierung und Organisierung der Freundschaft bezeichnen.

Der soziometrische Test, den Bartscher in seiner Verbindung durchgeführt hatte (Kriterium: Ferienfahrt) brachte folgendes Ergebnis: Bei Außerachtlassung von möglichen Gegenseitigkeitswahlen bestand für die Mitglieder innerhalb der Leibverhältnisse die Möglichkeit, 26 Wahlen (100%) abzugeben. Von dieser Möglichkeit wurde zu 50% (13 Wahlen) Gebrauch gemacht. Davon gingen 9 Wahlen von  den jeweiligen Leibfuchsen aus und nur 4 Wahlen von den Leibburschen.

"Generell bringen also die Leibfüchse den Leibburschen eher Gefühle der  Neigung entgegen, als das umgekehrt der Fall ist" Dies stimmt auch mit der These überein, dass bei der Wahl des Leibburschen seitens des Leibfuchsen Gefühle der  Neigung eine Rolle spielen können, wobei diese Gefühle beim jeweiligen Leibburschen aber nicht unbedingt vorhanden zu sein brauchen."(18)

Die Aufgabenstellung des Leibburschen deckt sich in den wichtigsten Grundzügen mit dem Aufgabenbereich der dem Tutor im Studentenwohnheim aufgrund der im Tutorenprogramm entwickelten Richtlinien des deutschen Bundesinnenministeriums zugeschrieben wird. Danach sollen Tutoren: "Zur Bildung und Förderung der Heimgemeinschaft dadurch beitragen, dass sie dem Wunsch der Heimgemeinschaft nach Hilfe und Beratung in ihren geistigen und menschlichen Anliegen entsprechen."(19)

Sowohl der Leibbursch als auch der Tutor sollen den meist jüngeren Studenten als Berater zur Seite stehen und ihnen den Übergang in einen neuen Lebensbereich erleichtern.

Dieser Aspekt der Verbindungsorganisation scheint, wie andere auch, darauf hinzuweisen, dass das Problem der Statusunsicherheit von den Verbindungen sehrwohl erkannt und teilweise auch gelöst wurde. Der Freizeitbereich und das Studium (Studienkommission) wurden zusätzlich strukturiert, um so den studierenden Jugendlichen Halt zu geben.

Bei dem Vergleich Tutor-Leibbursch ist jedoch zu berücksichtigen, dass der Tutor eine größere Anzahl Studenten erfassen soll - im Extremfall die gesamten  Heimbewohner, mindestens die Bewohner einer Etage - während der Leibbursch im Durchschnitt zwei Leibfüchse betreut.

Neidhardt führt zum Status des Tutors, wie er von den Trägern des Turorenprogramms gesehen wird, weiter aus:

"Bei den Trägern des Tutorenprogrammes haben sich aber mit zunehmenden Nachdruck im bemerkenswerten Gegensatz zu den oben zitierten Richtlinien (des  Bundesinnenministeriums) Erwartungen ausgebildet, die eine geistige (intellektuelle und besonders auch musische) Belebung der Hausgemeinschaft zur Aufgabe setzen und vor den Idyllen bloßer Kameradie und häuslicher Heimlichkeit warnen, also das Niveau und den akademischen Anspruch an die Studenten in den Häusern außerordentlich betonen."(20)

Da "die Hausgemeinschaft in ihren Erwartungen an die Position des Tutors sehr  nachdrücklich die menschliche Betreuung der Einzelmitglieder betont,"(21) ergibt sich für die Position des Tutors - laut  Neidhardt - ein Intra-Rollen-Konflikt, denn, die Position des Tutors steht an  einem sozialen Ort, der der Schnittpunkt einander widersprechender Erwartungen  ist."(22)

Ein derartiger Intra-Rollen-Konflikt - impliziert durch einander widersprechender Erwartungen - ergibt sich für die Position des Leibburschen nicht in dem Ausmaß.

In der Praxis liegt der Akzent des Leibverhältnisses eindeutig auf einem "Freundschaftsverhältnis zwischen Leibbursch und Leibfuchs", auf einer  "Vertretung der Interessen des Leibfuchsen auf dem BC" und auf einer "Einführung  in das Verbindungsleben."



6,5) Zirkelzusammenkünfte

Die Sozialisation im CV ist mit dem Abschluss des Studiums nicht beendet. Sie dauert vielmehr in den einzelnen regional und professional gegliederten Zirkel mehr oder weniger intensiv fort. In diesen Zirkeln treffen sich jene Alten Herren die in einem bestimmten Ort ansässig sind.

Die Zirkelvorsitzenden versuchen ein- bis zweimal im Monat möglichst viele Alte Herren zur Zusammenkunft zu bewegen. Auf der Landesebene sind die Zirkel in den Altherrenlandesbünden zusammengefasst. Sind genügend Alte Herren einer Verbindung in einem Ort wohnhaft, so veranstalten sie einen eigenen Zirkel.  Diese Zirkel stehen dann an den Schnittpunkten von Verbindungsinnen- und  -außenstruktur.

Über die Besuchsfrequenz bei den einzelnen Zirkelveranstaltungen gibt es meines Wissens keine empirische Untersuchungen.

Gerade in Klein- und Mittelstädten dürften die CV-Zirkel von enormer politischer Bedeutung sein, da sie ein Kommunikationszentrum der eher konservativen Machtträger in den einzelnen Orten sind.



6,6) Einstellungsverteilungen aus zwei schriftlichen Mitgliederbefragungen

In diesem Abschnitt sollen einige Wirkungen der Sozialisationsprozesse, die  auf den CVerwirken, gezeigt werden. Weiters werde ich versuchen auf  einige Wechselwirkungen von Innen- und Außenstruktur des Verbandes einzugehen.  Die schriftlichen Befragungen bei den Verbindungen Bajuvaria und Rudolphina  (1968 durchgeführt) werden mir eine, wenn auch etwas fragliche Basis liefern.



6,61) Einige Informationen über Bajuvaria und Rudolphina

 

Die Katholisch akademische Verbindung (K. a. V.) Bajuvaria wurde 1920 gegründet und 1929 in den CV aufgenommen. Bajuvariaspielte bei der 1933 erfolgten Lösung vom Deutschen CV und der Bildung des Österreichischen CV eine maßgebliche Rolle. Sofort nach Kriegsende reaktivierte  Bajuvaria ihr Verbindungsleben: Doktor Chaloupka (ich erwähnte ihn bereits in der Einleitung als Präsidialchef im Bundeskanzleramt) wurde Philistersenior. Neben anderen bedeutenden Ämtern hatte er auch den Vorsitz im ÖCV-Beirat inne.  Bajuvaria war auch in der Hochschulpolitik aktiv tätig.

Bajuvarias Mitgliederstand ist ständig im Steigen begriffen. 1949 zählte sie 115 Urphilister und Urstudierende, 1959 waren es 210 und 1967 bereits 290. Etwa 65 Prozent sind Wiener. An zweiter Stelle steht das Bundesland Oberösterreich. Ein Drittel der Urphilister gehören dem Beamtenstand an.

Neben Dr. Chaloupka der bereits verstarb und dem höchst CV-Ehrungen zuteil wurden, gehört dieser Verbindung neben anderen bedeutenden Persönlichkeiten der Chefdramaturg des Burgtheaters Friedrich Heer ein prominenter Links-CVer und Doktor Taus, der Präsident der ÖIG an.

Rudolphinia-Wien wurde 1989 gegründet. Bei Rudolphina sind, ebenso wie bei Bajuvaria, hauptsächlich Studenten Mitglieder, die in Wien beheimatet sind. Beinahe zwei Drittel der Urphilister haben ihren Wohnsitz in  Wien. Seit 1963 blieb die Mitgliederzahl mit ca. 450 Mitgliedern konstant. Die Hälfte der Mitglieder sind Bundes- oder Landesangestellte. Dieser Verbindung gehört nicht nur Kardinal König, sondern auch der ehemalige Bischof von Graz-Seckau Schoiswohl und der Kanzleidirektor im Sekretariat der  Bischofskonferenz Alfred Kostelecky, sowie der Leiter der Sektion I im Bundeskanzleramt Roland Jiresch sowie der Bundeskanzler selbst an. Auch noch einige andere Inhaber bedeutender Positionen in den politischen, bürokratischen, wirtschaftlichen und kirchlichen Hierarchien gehören dieser Verbindung an.



6,62) Bericht der Kommission über die Fragebogenaktion des WS 1967/68 bei Bajuvaria

 

1. Ziel und Zweck der Aktion:

1) Erfassung der Einstellung aller Bundesbrüder (Bbr.) zu grundsätzlichen  Fragen der Verbindung

2) Grundlage zukünftiger Diskussionen

3) Richtlinien für Änderungen und künftige Programmgestaltung

4) Ausgangspunkt für weitere schon auf bestimmte Probleme konzentrierte Meinungsumfragen

 

2. Ergebnis der Befragung:

1) Teilnahme gesamt: 57%

2) Weit über dieser Zahl liegt die Teilnahme der Aktivitas (93%), weit darunter allerdings die Teilnahme der AHAH zwischen 30 und 45 Jahren (35%)

3) Von den eingesandten Fragebogen unterstützten 85% die Aktion, 10% sprachen sich dagegen aus, der Rest bezog keine Stellung.

4) 11% finden die Verbindung hoffnungslos festgefahren, wobei die Aktivitas  mit 18% über diesem Durchschnitt liegt. (AHAH 6%)

Dennoch ist den gleichen 85% so wie es ist, nicht alles recht (2. Frage)

5) Gründe für den Beitritt zur Verbindung sind: vor allem

a) Weil wir katholisch sind (AHAH noch 17% mehr als Aktivitas)

b) Kontakte und c) gekeilt (AHAH noch 6% mehr als Aktivitas)

Persönliche Vorteile fallen bei den Alten Herren fast überhaupt nicht ins Gewicht (11%), bei der Aktivitas allerdings bereits immerhin 29%.

6) Fast 3/4 der Befragten nehmen aktiv am Verbindungsleben teil, mehr als die Hälfte davon sogar aus Freude (Hier dürfte Aktivität recht großzügig ausgelegt worden sein.)

7) Die Hauptgründe für Nichtteilnahme sind Kontaktlosigkeit (Inaktive 21%, AHAH 15%, und Aktive 0%), Langeweile und Zeitverlust(jeweils 13%)

8) Die Hälfte der Befragten hält den Kneipkomment für die Traditionspflege wichtig, 26% für unterhaltsam und 27% für veraltet und überflüssig. (Davon Aktive Burschen sogar 48%. Nur 15% würden etwas Besseres wissen.

9) Beim Farbentragen liegt es allerdings ganz anders. Nur  11% halten davon gar nichts.

Als Symbol der Verbindung: AHAH über 45 fast 100%, als Gegenstück inaktive Burschen 58%.

Gegen das Farbentragen in der Öffentlichkeit sind 25% der AHAH und 34% der Aktivitas.

10) Überwältigende 82% sehen im Verbindungsprogramm primär die Aufgabe, uns rahmenartig Gelegenheit zu geben Gemeinschaft zu sein, 10% wollen es ganz anders orientiert. 39% (aktive Burschen 59%) finden jedoch die  Veranstaltungen zu zahlreich.

11) 92% können über den CV eine positive Antwort geben, durchschnittlich 81% sind der Meinung, dass sich die Verbindung hochschulpolitisch betätigen soll.

12) Die Abschaffung von

1) Du - Komment, 2) Farbentragen, 3) Prinzip der Katholizität und Erweiterung auf alle christlichen Religionen, 4) des Prinzips Vaterland und Rezeption von  Ausländern

halten mit dem Gedanken vom CV, wie sie ihn haben, nicht vereinbar: 1) 92%,  2) 75%, 3) 65%, (AHAH 70%, aktive Burschen 52%), 4) 71% (AHAH 74%, aktive  Burschen 62%)

13) Gegen Mädchenrezeption sind 90%

14) Mit der bisherigen Form des BC ist nur eine knappe Mehrheit unzufrieden aber 86% sehen in ihm ein Forum, Verbindungsprobleme zu lösen.

15) Wieder nur eine knappe Mehrheit ist mit den bisherigen religiösenVeranstaltungen zufrieden (AHAH 57%, aktive Burschen 28%, aber 89% sehen den berechtigten Platz religiöser Betätigung in der Verbindung (AHAH 94%, inaktive Burschen 76%)

16) 3/4 besuchen jeden Sonntag die Heilige Messe (AHAH 83%, Aktivitas 62%)

17) 64% haben ihren besten Freund in der Verbindung (inaktive Burschen 55%)

18) 78% sind für einen erfolgreichen Studienverlauf als Voraussetzung für den Verbleib in der Verbindung (AHAH 78%, Aktivitas 67%)



6,63) Ergebnisse der schriftlichen Meinungsbefragung bei Rudolphina

Die im Mai 1968 bei Rudolphina durchgeführte Umfrage erbrachte eine  Beteiligung von 52,9%, wobei etwa 75% der Studierenden und knapp 50% der Alten  Herren den aus 30 Fragen bestehenden Fragebogen einsandten. Die 253 eingelangten  Antworten wurden auf Lochkarten übertragen und durch Computer nach insgesamt 25 Untergruppen (Status in der Verbindung, Wohnort, Beruf, Alter, Einkommen usw.)  ausgewertet.

In den folgenden Auszügen aus dem Ergebnis der schriftlichen Befragung bezeichnet die erste Kolonne das Gesamtergebnis; es folgen die Kategorien jüngere Aktivitas, Ältere Aktivitas, Wiener Alte Herren, Alte Herren  in den Bundesländern oder im Ausland.

Eine Kritik der Fragestellungen wird ebenso wie eine kurze Interpretation der  Daten, soweit es die soziologische Analyse als notwendig erscheinen lässt, im Anschluss an die Darstellung der Ergebnisse versucht. Ebenso werde ich, wie bei  Bajuvaria, einige wissenswerte Tatsachen über die Verbindung selbst, anfügen, um die soziologische Strukturanalyse mit Detailinformationen anzureichern.


1) Viele Leute sagen, der CV passe nicht mehr in unsere Zeit, er sei hoffnungslos veraltet und habe kaum eine Zukunft. Bist Du auch dieser Ansicht? Ja - Nein - Das stimmt nur teilweise. (Vergl. Ergebnis 4)

Ja 1,2 3,4 3,2 -- 1,4

Nein 55,7 41,4 48,4 62,0 54,2

Teilweise 40,7 55,2 48,4 35,5 40,3


2) Immer wieder wird in der Verbindung über das Farbentragen  diskutiert. Welcher der folgenden Meinungen würdest Du Dich am ehesten anschließen? (Vergl. Erg. 9)

Das Farbentragen hat seine Bedeutung zur Gänze verloren und könnte ohne Schaden für die Verbindung abgeschafft werden. Das Farbentragen sollte in irgendeiner Form der modernen Zeit angepasst werden.

Es genügt das Band zu tragen.

Das Farbentragen ist in seiner bisherigen Form beizubehalten.

Das Farbentragen in der Öffentlichkeit ist zu intensivieren.

Abschaffen 4,7 6,9 9,7 5,0 1,4

Anpassen 26,1 41,4 19,4 21,5 30,6

Band genügt 6,7 -- 6,5 6,6 9,7

Unverändert beibehalten 35,2 17,2 16,1 43,8 36,1

Intensivieren 26,5 34,5 48,4 22,3 20,8


3) Und wie ist Deine Einstellung zum Kneipkomment? (Vergl.  Erg. 8)

Der Kneipkomment hat trotz guter Seiten so viele Nachteile und schadet dem Ansehen der CV so stark, dass er abgeschafft werden sollte.

Der Kneipkomment sollte entrümpelt und auf ein Mindestmaß reduziert werden.

Der Kneipkomment hat eine wichtige, gemeinschaftsbildende Funktion und ist in  der traditionellen Form beizubehalten.

Abschaffen 5,5 13,8 9,7 2,7 5,6

Entrümpeln und reduzieren 54,9 44,8 41,9 61,2 54,2

Unverändert beibehalten 39,1 41,4 48,4 36,4 38,9


Als Spezifikation und Interpretation der bereits im 4. Kapitel angeführten Ziele (Prinzipien) der von mir untersuchten Organisation seien auch die folgenden Tabellen, die ebenfalls in der "Academia" publiziert wurden, wenn auch in teilweise unbefriedigender Form, übernommen. Die Zitation macht auch die Übernahme der Form zur Bedingung. Die Begriffe "jüngere Aktivitas" (vermutlich hauptsächlich Füchse) und "Ältere Aktivitas" (vermutlich Burschen) sind in dem Artikel leider nicht genau definiert. Die lockere und für wissenschaftliche  Zwecke etwas unexakte Darstellung wird jedoch aus dem durch diese Untersuchung  anzusprechenden Leserkreis und den nicht nur wissenschaftlichen Zwecken der Befragung gerechtfertigt. Soweit ich den politisch sehr engagierten (Dr. Diem  ist sozialwissenschaftlicher Berater und Organisationsreferent der ÖVP-Bundesparteileitung) und pädagogisch denkenden Verfasser und Initiator der  Befragung kenne, sollte diese nicht nur die Einstellungsverteilungen ermitteln, sondern auch meinungslockernd und bewusstseinsbildend durch In-Fragestellung z.B.  der Prinzipien wirken.

 

4) Ein Thema das gegenwärtig die Gemüter erhitzt, ist die Frage der Aufnahme nichtkatholischer Christen in CV-Verbindungen.

Was denkst Du darüber? (Vergl. Erg. 12,4)

Man sollte im Hinblick auf die ökumenischen Bestrebungen der Kirche auch nichtkatholische Christen in CV-Verbindungen als Vollmitglieder aufnehmen.

Die Zeit ist noch nicht reif, vielleicht in einigen Jahren.

Wir sollten auch in Zukunft eine rein katholische Verbindung bleiben.

Aufnehmen als Vollm. 21,3 31,0 35,5 14,9 22,2

Vielleicht in einigen J. 34,4 41,4 41,9 31,4 33,3

Rein kath. Verbindung 44,3 27,6 22,6 53,7 44,4

 

5) Würdest Du der Aufnahme von ausländischen Studenten nichtdeutscher Muttersprache zustimmen, wenn diese sonst für den CV geeignet wären?

Ja - Nein

Ja 46,2 58,6 58,1 38,0 50,0

Nein 53,0 41,4 41,9 60,3 50,0

 

6) Und wie beurteilst Du die sogenannte "Studentinnenfrage"?

Im Hinblick auf den steigenden Anteil der weiblichen Studierenden und ihre zunehmende Gleichberechtigung im akademischen Bereich sollte man ernstlich darangehen, auch Studentinnen in den CV aufzunehmen.

Wir sind ein Männerbund, die Rezeption von Studentinnen ist völlig ausgeschlossen.

Es wäre zu überlegen, in irgendeiner Form - etwa durch "Freundeskreise", "Bursen" oder reine Studentinnenverbindungen - die weiblichen Studierenden zu erfassen.

 

Aufnehmen 9,1 17,2 19,4 4,1 9,7

CV ist reiner Männerbund 40,7 6,9 32,3 51,2 40,3

Mädchenverbindungen und Bursen 49,4 72,4 48,4 44,6 48,6

 

Die nächste Frage (Schulnote für das Verbandsorgan "Academia", dessen  "progressive und liberale" Redaktion immer wieder, besonders von Alten Herren angegriffen wird) bestätigt teilweise die Kritik von Soziologen an "Benotungsfragen" (im Durchschnitt wird Note 3 herauskommen), bestätigt aber auch den Trend der anderen Fragen, die doch alle, vom Verfasser zwar nicht explizit gemacht, auf der Dimension die ich als "Modernität" bezeichnen möchte,  liegen. Für die in Wien lebenden Verbindungsmitglieder dürfte gelten, dass die Modernität der Meinungen im Hinblick auf die Lösung von Strukturproblemen der  Innen-, sowie auch der Außenstruktur (Frage 8,9,10) mit zunehmenden Alter abnimmt. Auf die beiden durch die Ergebnisse der Befragung notwendigen Einschränkungen, die mir sehr interessant erscheinen, werde ich später noch eingehen.

 

7) Probleme wie die obengenannten und darüber hinaus ein weites Feld anderer Themen werden jetzt oft in der Academia diskutiert. Wenn Du die Verbandszeitschrift inhaltlich beurteilst, welche Schulnote würdest Du ihr geben?

Durchschnittsnote aus der Note in den einzelnen Gruppen berechnet.

2.8 2,3 0,9 3,1 2,5

 

8) Jetzt zu etwas ganz anderem. Hältst Du es mit den Prinzipien des  CV für vereinbar, SPÖ zu wählen?

Ja - Nein

 

Ja 18,2 41,4 32,3 10,7 15,3

Nein 74,3 41,4 61,3 85,1 75,0

Unter Umständen 4,3 6,9 6,5 1,7 6,9

 

9) Und ist es Deiner Meinung nach für einen CVer zulässig, FPÖ zu  wählen?

Ja - Nein

 

Ja 27,3 55,2 54,8 11,4 20,8

Nein 69,6 34,5 41,9 81,8 75,0

 

Die Trennschärfe ist zwar bei einigen anderen Fragen auch nicht in der von einem methodisch sauberen und notwendigen Standpunkt aus gewünschten Weise gegeben, doch bei der folgenden Frage wird durch eine Fülle von Stimuli bei den einzelnen Antwortmöglichkeiten und die Verschiedenheit der Dimensionen in denen die Antwortmöglichkeiten liegen, die Beantwortung und vor allem auch die Interpretation enorm erschwert, wenn nicht überhaupt unmöglich gemacht.

 

10) Ein sehr wichtiger Bereich des Verbindungslebens ist die Hochschulpolitik. Hierzu gibt es etwa folgende Ansichten. Welcher schließt Du  Dich an?

(Vergl. dazu die Frage 11 der Befragung bei Bajuvaria)

 

Der Verband - und damit Rudolfina - soll sich mehr als bisher in der Hochschülerschaft engagieren, indem man die Mandatare zielbewusst ausbildet und  freistellt.

Der CV soll an den Bemühungen um die Demokratisierung der Hochschulen und um die Reform des Studiums auch außerhalb der Hochschülerschaft in "informellen  Gruppen" und bei spontanen Aktionen, wie bei Diskussionen und Demonstrationen, teilnehmen.

Der CV hat vorwiegend als bewahrendes Element aufzutreten; er soll sich nur  dort engagieren, wo es Gefahren für eine ruhige Entwicklung abzuwenden gilt. Die Unterrichtsbehörden arbeiten ohnedies an der Hochschulreform - wir brauchen an  den Universitäten keine "Neue Linke" die sich mit politischen Fragen befasst.

 

Mehr Engagement 52,2 55,2 61,3 56,2 40,3

Teilnahme bei Demonstr. 24,5 41,4 19,4 18,2 30,6

CV als bewahrendes Element 20,6 3,4 19,4 22,3 25,0

 

11) Wie oft besuchst Du die heilige Messe?

 

Jeden Sonntag -Regelmäßig - Selten - Nie (Vgl. Frage 16)

Jeden Sonntag 68,8! 51,7 54,8 71,1 77,8

Regelmäßig 21,3 24,1 19,4 24,0 16,7

Selten 8,3 24,1 19,4 4,1 4,2

Nie 0,8 -- 3,2 0,8 --

 

Ein weiteres, jedoch prozentuell nicht näher angegebenes Ergebnis wird aus dem Artikel ebenfalls ersichtlich.

"Bei den Resultaten zeigte sich eine deutliche Korrelation der Antworten mit dem Alter der Befragten, so etwa in der Begründung für den Beitritt zum CV (Vgl.  Frage 5 des "Bajuvarenfragebogens"): Je jünger die Gruppe, umso weniger oft wird das Prinzip Katholizität als Beitrittsmotiv genannt. Umso höher der Prozentsatz derer, die sich Bildungsveranstaltungen als Schwerpunkte im Verbindungsprogramm  wünschen."(23)

Mit der Art von Fragen nach der Eintrittsmotivation wie sie auch in der  fünften Frage bei Bajuvaria versucht wurde (Baj 5) kann die tatsächliche "damalige" Eintrittsmotivation nicht erhoben werden. Tiefeninterviews und die  Analyse der Aufnahmeansuchen, würden dieses Ergebnis erst stützen müssen. Bei den Rezeptionsgesuchen, die ja am Burschenconvent verlesen werden und genehmigt  werden müssen, ist allerdings ein Bias in Richtung des offiziellen Wertsystems anzunehmen. Diese Bejahung der Forderungen (und Formulierungen), die im Laufe  des Sozialisierungsprozesses und besonders auch im ritualistischen Teil dieses  Prozesses öffentlich erfolgt, ist ein wesentlicher Faktor. Durch die von mir  gezeigten Innenstrukturen, die auch wesentlich von den Entwicklungen der  Gesellschaft abhängen, werden Lernprozesse im Hinblick auf die in den Satzungen  festgelegten und von den Meinungsführern interpretierten, Ziele der Organisation  eingeleitet.

Ein Beispiel für die Einflüsse gesamtgesellschaftlicher Tendenzen auf die  Einstellungsverteilung in der Verbindung könnte die in der im Alter zunehmenden Häufigkeit des Messebesuches gesehen werden. Zumindest kann aber aus der Frage 11 (Rd) und ihrer Beantwortung gesehen werden, dass die jüngeren Verbindungsmitglieder sagen, dass sie weniger in die Messe gehen. Der allgemeine Trend der Abnahme des Gottesdienstbesuches konnte von den Verbindungen also nicht gestoppt, sondern nur, wenn auch beträchtlich, aufgehalten werden.

Welche Auswirkungen ein gesellschaftskritisches Motivationssystem eines neuen  politisch-kritischen Katholizismus, der ja im CV durch Knoll, Heer und Daim einige Tradition hat, auf die Besuchsfrequenz eines wenn auch neuen  "Gottesdienstes" mit sich bringt, kann vom soziologischen Standpunkt noch nicht  in methodisch gesicherter Weise beantwortet werden.

Auch das Ergebnis 4 des Rudolphinenfragebogens weist auf einen Wandel der  Interpretation des Prinzips "religio" hin. 22,6% der Burschen sind der Meinung, dass die im Verband als eher konservativ geltende Rudolphina auch in Zukunft eine rein katholische Verbindung bleiben sollte. Die Verbands- und Verbindungsseelsorge, welche meist in den Händen von Mitgliedern des Jesuitenordens ruht, wartet ab. Ein Protestant wurde bereits als Vollmitglied in  eine Verbindung aufgenommen. Die Verbindung wurde obwohl auf der letzten  Cartellversammlung ein Antrag gestellt wurde, nicht aus dem Verband ausgeschlossen.



6,64) Kritik und Bedeutung der beiden "Selbsthilfefragebögen"

 

Obwohl ich im zweiten Kapitel bereits einige Probleme, die im Zusammenhang mit der Wahl bestimmter Forschungstechniken (die ja auch wesentlich durch finanziellen Aufwand gekennzeichnet sind) auftreten, angedeutet habe, ist es nun an der Zeit, die angewandten Forschungstechniken (hier die schriftliche Befragung) konkreter zu kritisieren und die Bedeutung einzelner Ergebnisse für meine Arbeit hervorzuheben.

Wesentlich erscheint es mir den Aufbau des Fragebogens, der ja bei beiden  Untersuchungen ähnlich ist, zu kritisieren. Sowohl der Bajuvaria-Fragebogen, als  auch der Fragebogen der Rudolphina werden dem vom Goode und Hatt formulierten ersten Maxim des Fragebogenaufbaus nicht gerecht. Es heißt dort: "In einem  Fragebogen muss eine logische Fortentwicklung vorhanden sein, auf Grund welcher  der Befragte oder Interviewte 1. durch Steigerung seines Interesses immer stärker am Interview teilnimmt"(24) Dieser  Forderung werden die erste bzw. zweite Frage nicht gerecht. Im Bajuvarenfragebogen steht da: "Glaubst Du, dass die Verbindung hoffnungslos festgefahren ist?" Mit dieser Behauptung ist für viele, besonders Alte Herren, die ja dann auch weniger beantwortet haben, diese Fragebogenaktion abgestempelt. Vielleicht wären bei einer etwas vorsichtigeren ersten Formulierung mehr Fragebögen zurückgesandt worden.

Bemerkenswert ist, dass auf diese sehr harte Frage immerhin 10% damit  antworten, dass sie die Verbindung und damit auch ihren Sozialisationsprozess und  was sonst noch bei dieser etwas unpräzisen Frage mitassoziiert wurde, vollständig ablehnen.

Auch die Frage nach der Eintrittsmotivation, also eine Frage, "die den intimen Persönlichkeitsbereich des Befragten anspricht" kommt etwas zu bald (2. Frage) und zu überraschend. Außerdem ist es fraglich ob durch diese Frage die tatsächliche Eintrittsmotivation erhoben werden kann. Diese Selbsthilfefragebögen haben außerdem den Fehler, dass nie angegeben wurde, ob Mehrfachnennungen möglich bzw. unmöglich sind. Weiters ist auf den Fragebögen  kein Raum für Kommentare. Es werden aber die Befragten zu Antworten gezwungen, die sie, zumal sie ja Akademiker sind, verlegen machen, wenn sie ohne Kommentar  gegeben werden müssen. Es wäre also etwas Platz für Kommentare zu lassen.

Trotz diese Mängel und der teilweise unpräzisen Fragestellung und  Antwortmöglichkeiten ist ein interessantes und zumindest auch für das  Aktivsegment der beiden Verbindungen annähernd repräsentatives Ergebnis entstanden. Besonders zu den Fragen über die Eintrittsmotivation, wie Kommers- und Kneipkomment, Messen, Fargentragen, Farbentragen in der Öffentlichkeit,  Verbindungs- programm, Schwerpunkte des Verbindungsprogramm, über die hochschulpolitische Betätigung, über Einstellung zum Du-Komment zum Prinzip Katholizität und zum Prinzip Vaterland, über die Aufnahme von Mädchen, über die  Funktion des BC - über die religiöse Betätigung in der Verbindung, über Freunde in der Verbindung, über den erfolgreichen Studienverlauf als Voraussetzung für die Mitgliedschaft und über einige andere Fragen, sind die nach dem Kriterium  des Alters dichotomierten Ergebnisse informativ. Sie ermöglichen eine erste Trendbestimmung des sozialen Wandels in dieser bedeutenden österreichischen Akademikerorganisation.

Außerdem Fragen zur Binnenstruktur der Organisation wurden auch zwei Fragen zur Erhebung der Einstellung gegenüber anderen Parteien (SPÖ, FPÖ) als der ÖVP  gestellt. Die Ergebnisse zu diesen Fragen sind doch sehr bedeutsam. Es scheint als würde der in den Satzungen formulierte Grundsatz(25) der "parteipolitischen Ungebundenheit" auch in  den Einstellungen, insbesonders jüngerer Mitglieder, eine Entsprechung finden.

Zur Feststellung der tatsächlichen politischen Einstellung der Mitglieder  dieses oft als ÖVP-Vorfeldorganisation bezeichneten Verbandes gibt es leider keine gesicherten Ergebnisse, doch darf eine breite ÖVP-Basis vermutet werden, wenn es auch nach "rechts" und nach "links" fließende Grenzen gibt. Mindestens auf eine dieser Randgruppen im CV werde ich ohnehin noch eingehen müssen.

41% der jüngeren Mitglieder halten es für "mit den Prinzipien des CV vereinbar" SPÖ zu wählen und 55,2% der selben Alterskategorie, meinen für einen CVer sei es zulässig, FPÖ zu wählen. Ob nun die Vergrößerung der politischen  Freiheitsgrade im Bewusstsein insbesondere jüngerer CVer als Wirkung eines veränderten Sozialisationsprozesses im CV gesehen werden kann, ist auf Grund des  vorhandenen soziologischen Materials nicht beurteilbar. Es ist zu hoffen, dass die schriftliche Befragung aller Mitglieder, die zur Zeit stattfindet, die im CV vorhandenen Einstellungsverteilungen besser und repräsentativer zeigt. Die Vergrößerung der Toleranzen wird sicher auch von anderen Faktoren, wie  Einstellungsänderung in den Spitzen der katholischen Hierarchie im Hinblick auf Parteipolitik, Nachlassen der undifferenzierten und den CV immer wieder integrierenden Angriffe,(26) und die "Angstlosigkeit einer gewissen Etabliertheit", beeinflusst.

Auch zur Erklärung der relativ hohen Zahl (41,4%) der jungen CVer die der  Meinung sind, der "CV soll an den Bemühungen um die Demokratisierung der Hochschulen und um die Reform des Studiums auch außerhalb der Hochschülerschaft, in "informellen Gruppen" und bei spontanen Aktionen, wie bei Diskussionen und Demonstrationen, teilnehmen", bedarf einer multifaktoriellen Erklärung. Es kann doch gesagt werden, dass die ritualistische Erziehung bei Füchsen (doch auch das ist je nach Verbindung und "Fuchsmajor" verschieden) eher abgenommen hat und der Schwerpunkt in Richtung Argumentation und Bildung gesucht wird. Eine Erklärung,  die jedoch nicht wissenschaftlich, sondern normativ ist, sei als Beispiel noch angeführt. Die Erklärung ist zweistufig und wird sowohl innerhalb des  CV, als auch von den Gegnern des Verbandes verwendet: "Die jungen Mitglieder  sind noch nicht im Sinn des CV erzogen." Diese Feststellung kann sowohl von einer positiven, wie von einer negativen Einstellung zur Organisation des CV  ausgehen. Die unausgesprochenen Prämissen (die sicher teilweise stimmen) sind: Jugend ist als "noch nicht angepasst sein" zu verstehen, und - sozialer Wandel  findet nicht statt.

Ein zweites Sprachmuster in Gesprächen über den CV, welches für sich oder mit  dem ersten gekoppelt autritt, lautet: - "Der CV ist nicht mehr der alte."

Beide Aussagen können etwas für sich haben, wenn jedoch nicht  Zusatzinformationen (z.B. durch Panelmethoden) miteinbezogen werden, wird die Argumentation zu einem, wenn auch regen Austausch von Leerformeln.

Auf manche Verindungen hat sich die Tätigkeit in der Hochschülerschaft und in  der ÖSU (Österr. Studentenunion) sowie in Aktionsgruppen, die eher anderen Studentengruppen (Aktion, Katholische Hochschuljugend, Föderation Neue Linke usw.) nahestehn liberalisierendausgewirkt.

Um das Bild mit einigen Details anzureichern, seien einige Beispiele der Zusammenarbeit verschiedenster Gruppen mit Mitgliedern des CV und teilweise mit der ganzen Verbindung in Linz angeführt:

- Aktion (Flugblätter, teach-in, Demonstration) gegen die prunkvolle Inthronisation des Vorarlberger Bischofs

- Herausgabe der Zeitschrift "A", "B"

- Kooperation dr ÖH- und ÖSU-Funktionäre für verschiedene studentische Belange

- In Zusammenarbeit mit Studentinnen Aufführung eines Kasperltheaters für körperbehinderte Kinder

- Arbeitsgemeinschaft katholischer Verbände (CV und KHJ) bespricht das Programm der Katholischen Hochschulgemeinde

- Aktion gegen die Wehrmilliarde (Vorträge auf der Hochschule, usw.)

- Demonstration gegen den Faschismus in Spanien

- Eine von den CVern mitverfasste Protesterklärung anlässlich einer NDP-Großkundgebung wurde von 13 anderen Jugendorganisationen unterzeichnet und der Presse übergeben

- Eine Projektgruppe "Resozialisierung deliquenter Jugenlicher in einem  Familienverband" wurde ebenfalls initiiert

- Einladung von Burschenschaftern (1967) und VSSTÖ-Mitgliederm (1970) zu Diskussionen auf der Bude

-usw.

Da die Strukturanalyse im fürstenbergschem Sinn auch die Darstellung widersprüchlicher Strukturen umfasst, wurde diese Aufzählung von mir vor die  Beobachtungsprotokolle über einen Kommers gesetzt. Über die Lösung der Widersprüche zwischen den von mir angegebenen Sozialisationskonzepten im CV kann noch nichts in soziologisch fundierter Weise ausgesagt werden.

 


1. E.Fromm, Der moderne Mensch und seine Zukunft, Frankfurt  1960, D. 131 ff

2. A.Holl u. W. Menges, Sozialisation in der Kirche, Pro Scienta, Wien 1969, Bericht

3. Zur Bedeutung der Sprache im Sozialisationsprozess siehe: J. Habermas, Zur Logik d. Sozialwissenschaften, Raubdruck S. 154 f

4. P.R. Hofstätter, Gruppendynamik, Hamburg 1957, S. 140

5. T.F. O'Dea, Die fünf Dilemmas der Institutionalisierung der Religion, in F. Fürstenberg Hrsg., Religionssoziologie, Neuwied 1964, S. 204

6. Bericht der Sommerakademie 1969 der Pro Scienta - Stiftung, Arbeitskreis 4: Sozialisation in der Kirche.

7. P.Pasolini, Teorema, München 1969, S. 164

8. ebenda

9. vgl. J. Bartscher, Analyse, a.a.O., S. 126

10. vgl. dazu auch H. Vetter, Ethnische Einstellung  westdeutscher Studenten, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und  Sozialpsychologie, Heft 2, 17. Jg., 1965, S. 298 ff

11. P.R. Hofstätter, Einführung in die Sozialpsychologie, Stuttgart 1966, S. 270

12. E. Goffman, Stigma, über Techniken der Bewältigung beschädigter Identität, Frankfurt 1967, S. 76

13. H.W.Kaluza, Hrsg., Fuchsenbuch des MKV, Wien 1967, S.  194

14. Quellenangabe der Namen: H. Spitaler, Hrsg., Amelungenbuch, Wien 1966, Kapitel: Bierfamilienstammbaum Amelungiae S. 115 ff

15. A. Strauss, Spiegel und Masken, Frankfurt 1968, S. 24

16. A.Vodopivec, Wer regiert ..., a.a.O., S. 98

17. Leibbursch-Leibfuchs-Leibverhältnis. Dieses Leibverhältnis bleibt auch nach der Burschung des Fuchsen bestehen.

18. J. Bartscher, Analyse, a.a.O., S. 95

19. zitiert in F. Neidhardt, Studenten im internationalen Wohnheim, Tübingen 1963, S. 136

20. F. Neidhardt, a.a.O., S. 137

21. F. Neidhardt, a.a.O., S. 138

22. F. Neidhardt, a.a.O., S. 139

23. siehe Diem P., Durchleuchtung, a.a.O., S. 22

24. siehe W. Goode und P. Hatt, Beispiel für den Aufbau  eines Fragebogens, in: R. König (Hrsg.), Das Interview, a.a.O., S. 115

25. unter Artikel 8 "Politik" der ÖCV-Satzung heißt es: "Der ÖCV tritt für die Freiheit, Recht und Menschenwürde ein. Parteipolitisch  ist er nicht gebunden."

26. vgl. auch L. Coser, Theorie sozialer Konflikte,  Neuwied, 1965, S. 103 ff und S. 134 ff

Der Männerbund ÖCV

Gestaltung und Bearbeitung by Petra Hafner &
Daniela Czell

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siehe auch:
deportation-class.com

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