Heimat Gottschee

2. Wald und Wirtschaft

 

Vorherrschende Vegetationsform ist auf Grund der karbonathaitigen Böden und der Niederschläge der Wald; er stand am Anfang der Geschichte unseres Ländchens. Des Ortenburger Grafen Friedrich Waldordnung vom 20. Mai 1406 ist eine der ersten ausführlichen Urkunden unserer Geschichte, in dem Titel "Waldreichtum" ist auch der Großteil der materiellen Forderungen begründet, die der Gottscheer Umsiedler seinem Vertragspartner (Umsiedlungsvertrag 1941) stellt.

Es ist für mitteleuropäische Verhältnisse beeindruckend, wenn zusammenhängender Wald eine Fläche von 150 km2 bedeckt, wie z. B. im Hornwald, annähernd die Fläche des Fürstentums Liechtenstein! Trotzdem ist dieser noch stärker mit Siedlungen durchsetzt als das Rieg-Göttenitzer Bergland; die Herrschaft gab eben nicht überall Boden für die Rodungen und Siedlungen frei.

In den Höhenlagen von 700 bis 1200 Metern überwiegen Rotbuche und Tanne, sie sichern reichliche, andauernde Rohstoffversorgung, das trotz der Tatsache, daß seit dem Beginn der Besiedlung dieses "slowenisch-kroatischen Grenzwaldes" (Dr. Saria) immer wieder mächtige Eingriffe erfolgten; in den Karstlöchern mit ihrer Temperaturinversion wird der vorherrschende Dinarische Buchenwald von der Fichte abgelöst. Weil "... es unter den Bauern wegen der Waldnutzung vielfach zu Streit, ja zu Totschlägen gekommen und daher für alle Zukunft Ordnung geschaffen" werden müsse, erließ der Ortenburger Friedrich, Landesherr von Gottschee, die Waldordnung, die sich zwar dem Buchstaben nach auf die Waldungen, die darin gelegenen Bilchgruben, das Federspiel und andere Waldrechte bezieht, aber, wie aus einem vom 24. Februar 1577 an die landesfürstliche Kammer datierten Schreiben hervorgeht, den bäuerlichen Grundbesitz meint. Sie wurde somit zum Freiheitsbrief, der dem Gottscheer Bauern den Besitztitel für Grund und Boden gab und ihm dessen ruhigen Genuß sicherte.

Die Auersperger haben sich sofort nach Erwerb der Herrschaft (1641) der Wälder angenommen. Der Josephinische Kataster gibt 1770 deren Waldbesitz mit 75.000 Joch an (1 Joch = 5755 m2); die Fläche hatte sich bis zum Jahre 1823 durch Rodung usw. auf 48.000 Joch verringert, nach den Reformen des Jahres 1848 verblieben den Auerspergern noch 32.000 Joch. Schon 17951 ließen sie den Hochofen und das Eisenwerk in Hof im Gurktal anlaufen, 1835 begann die Glashütte in Karlshütten bei Göttenitz zu arbeiten. Mit der Eröffnung der Südbahnstrecke Laibach-Triest (15. Oktober 1857) wurde Rakek Verladestation für Gottscheer Holz; Delnice mit der Eröffnung der Strecke Agram-Fiume 1873; die Unterkrainer Bahn, auf deren Bau Fürst Karl, ein Freund von Kaiser Franz Joseph L, maßgeblichen Einfluß ausüben konnte (1893 eröffnet), erschloß das gesamte Land. Da inzwischen die Wälder durch Waldstraßen der Herrschaft nutzbar geworden waren, konnten das in den vielen Sägen anfallende Schnittholz, aber auch die Holzkohle dem Weltmarkt zugeführt werden.

Bis in die dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts hielt sich die Holzverarbeitung als Hausindustrie, die früheste Nachricht darüber ist der Freibrief Kaiser Friedrichs III vom 23. Oktober 1492. Diese Urkunde, allgemein als "Hausierpatent" bekannt, gestattet nämlich den Gottscheern, mit " Vieh, Leinwand und anderem, so sie erarbeiten. . ." zu handeln. Daß sie dieses Recht nutzten, beweisen ein Schriftstück aus dem Jahre 1615 und einige Stellen bei Valvasor. Der Freibrief wurde im Laufe der Zeit 20mal erneuert, das letzte Mal 1841, und der Gottscheer wandernde Händler, der in der Zeit, da es noch wenige ortsfeste Handlungen gab und diese nur in den größeren Orten, versorgte Dörfer und abgelegene Landstriche mit dem Notwendigsten. Daß er daher hier langersehnter und gerngesehener Besucher war, versteht sich von selbst.

In der Fassung, auf „“das Croatische und anderweitig““ hin handeln zu dürfen, lag ja schon der Keim der späteren Ausbreitung, im späten 18. Jahrhundert finden wir Gottscheer Wanderhändler von Fiume bis nach Polen und Rußland, und viele von ihnen wurden in der Ferne vermögende Kaufleute und dort sesshaft, so Stampfl (der aus Eben bei Morobitz stammte), in Prag, Verderb er in Retz (Niederösterreich), Krauland in Wien und Graz, Meditz in Steyr, Perz in Leoben, Loser im Küstenland, um nur einige zu nennen. Auch hat sich das Patent im Laufe der Zeit auf seinen Inhalt hin gewandelt: der Südfrüchtehandel lag zeitweise fast monopolartig in der Hand von Gottscheern; und schließlich wurde der Wanderhändler zum Hausierern, der in Gastlokalen zum Glücksspiel animierte. Hier dürfte vor allem die Wurzel dafür zu suchen sein, daß der Wanderhändler in etwas schiefes Licht geriet. Dazu mag beigetragen haben, daß die Wanderhändler in der Stadt für den ortsfesten Handel eine Konkurrenz bedeuteten, daher mit Mißgunst betrachtet wurden.

Durchschnittlich mögen es an die 300 Männer gewesen sein, die diesem Geschäft oblagen, das sich, anfangs zumindest, in der Zeit abspielte, da in der Landwirtschaft wenig zu tun war. Bedenkt man aber, daß die Hausierer lernten, auf leichtere Weise, als dies zu Hause der Fall war, Geld zu verdienen, zieht man in Betracht, daß nach einer Statistik im Jahre 1869 in der Heimat zwar 3880 Männer waren, „unterwegs“ aber 3841, so kann man sich des Eindrucks kaum erwehren, daß das Hausierpatent, „in Ansehen des erlittenen Türkenruins. . .“ erlassen, im Laufe der Zeit viele negative Ergebnisse zeitigte.

Ab 1934-35 begann der gelenkte Hausierhandel von Gottscheern im Deutschen Reich. Mit dem Ertrag einer Saison konnte im günstigsten Falle ein Betrieb mit zehn Hektar modernisiert werden, daher war' der Andrang groß. Es wurden aber nur 300 Mann pro Saison zugelassen, jeder dieser Hausierer konnte höchstens zwei bis drei Winter mit der Bewilligung rechnen. Mit dieser Maßnahme wurde zwar das Wesen des ursprünglichen Freibriefes aus 1492 wieder erkannt, die Weltgeschichte hatte jedoch bereits einen Strich unter die Entwicklung gezogen.

8,6 Prozent Ackerland, 20,6 Prozent Wiese, 34,4 Prozent Hutweide, 34,7 Prozent Wald, 1,7 Prozent Gärten, Weingärten, Odland usw. (1903) - der Gottscheer Bauer war bis in die letzten Jahre ein "Allroundler", der vieles betreute und im Südosten der Sprachinsel die Weinrebe zog, von der z. B. 1892 rund 23 hl Wein gepreßt wurden. Der Tierbestand des Jahres 1930 von 1161 Pferden, 8437 Rindern, 422 Schafen und 61 Ziegen verteilte sich auf annähernd 3000 bäuerliche Anwesen mit etwa 12.000 Seelen.

 

 

 

 

 

 

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