Kulturhaus in Krapflern wurde eröffnet
Sonntag, 7. September 2003
Bericht aus Gottscheer Zeitung 11/2003
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Eine große Welle der Sympathie schlug dem Gottscheer Altsiedlerverein entgegen, als am Sonntag, dem 7. September 2003, das Kulturhaus in Krapftern (Obcice) in Anwesenheit führender Vertreter des öffentlichen Lebens seiner Bestimmung übergeben wurde. Der Vorsitzende der Gottscheer Arbeitsgemeinschaft, Dr. Viktor Michitsch, sprach von einem Freudentag für die Gottscheer in aller Welt, während LH Dr. Jörg Haider in seiner Grußbotschaft dem Wunsche Ausdruck verlieh, daß das Kulturhaus zu einem kulturellen Kristallisationspunkt der Gottscheer werden möge. Auf dem Festplatz wehten die Fahnen Sloweniens, Osterreichs und Kärntens, als der Obmann des Altsiedlervereins, DI August Gril, die zahlreichen Ehrengäste willkommen hieß, an der Spitze Osterreichs Botschafter Dr. Ferdinand Mayrhofer-Grünbühel, die Kärntner Landtagsabgeordnete Dietlinde Kreutzer und den Direktor des Minderheitenbüros im Slowenischen Außenministerium, Janez Obreza. Gril dankte allen Mitgliedern seines Vereins für ihre bewiesene Treue auch in schwieriger Zeit und den Frauen für ihre zahlreichen Bäckereien. Ein besonderer Willkommensgruß galt dem ehemaligen Abgeordneten Fritz Schretter, der vor sieben Jahren im Kärntner Landtag und beim damaligen Landeshauptmann Dr. Christof Zernatto den Vorschlag machte, den Altsiedlerverein zu unterstützen. Als guten Vertreter der Gottscheer in aller Welt begrüßte Gril den Vorsitzenden Dr. Viktor Michitsch mit Geschäftsführer Otto Tripp. Vom Amt der Kärntner Landesregierung waren der Leiter des Volksgruppenbüros Mag. Vladimir Smrtnik und Mag. Dr. Peter Karpf gekommen. Unter den zahlreichen Festgästen befand sich auch die Obfrau des Vereins deutschsprachiger Frauen in Marburg, "Brücken", Veronika Haring. Die Kärntner Slowenenführung aus Kärnten war nahezu vollzählig mit Dr. Marjan Sturm, Joze Wakounig und Marjan Pipp vertreten.
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Die Feier war mit der slowenischen Hymne, gesungen von Mitgliedern des New Swing Quartetts, und dem Gottscheer Heimatlied, einfühlsam vorgetragen von Urschi Kop, eröffnet worden. Direktor Janez Obreza gratulierte zu der gelungenen Erneuerung eines ehemaligen bäuerlichen Anwesens und äußerte den Wunsch, daß sich die Altsiedler in Slowenien wohlfühlen mögen, wo sie aller Rechte der positiven Gesetzgebung teilhaftig werden sollen. Gleiches möge auch für die Slowenen im Ausland gelten. Im EU-Beitritt seines Landes sah der Redner Chancen für alle Minderheiten und ethnischen Gruppen. Von einem Tag der Freude sprach LAbg. Dietlinde Kreutzer, die nach ihrem persönlichen Glückwunsch zur Eröffnung des Hauses den an die Altsiedler gerichteten Brief von Landeshauptmann Dr. Jörg Haider verlas. Darin betont er, daß kaum eine andere Volksgruppe in Südosteuropa eine so enge Bindung an ihr Herkunftsland auszeichne, wie die Gottscheer. "Den Menschen in Gottschee war die Geschichte nicht immer wohlgesonnen. In ihrer nahezu 7OO-jährigen Siedlungsgeschichte haben sie alle Höhen und Tiefen dieses geschichtsträchtigen Raumes mitgemacht." Brauchtum und Gottscheer Eigenart seien in Vergessenheit geraten, bis August Gril und Doris Debenjak die Zeit für gekommen hielten, mit der Gründung des Altsiedlervereins ein Bekenntnis zu ihren Wurzeln und der alten Heimat Gottschee in der Öffentlichkeit abzulegen. Die Verbindung zu den Kärntner Landsleuten sei nie abgerissen und habe sich als hilfreich in den Beziehungen zu den höchsten Kärntner Entscheidungsträgern erwiesen. Das Land Kärnten habe in den letzten Jahren gemeinsame Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung der Gottscheer gesetzt und dazu beigetragen, die in Vergessenheit geratene Volksgruppe wieder stärker in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zu rücken. Beträchtliche Mittel seien vom Land Kärnten für den Ankauf und die Sanierung des Anwesens in Krapflern zur Verfügung gestellt worden. Weiter heißt es im Schreiben des Landeshauptmannes: "Der Besuch des damaligen slowenischen Staatspräsidenten Milan Kucan im Gottscheer Kulturzentrum im Sommer vorigen Jahres war im Hinblick auf die Anerkennung der deutschsprachigen Minderheit in Slowenien ein bemerkenswertes Ereignis." Abgeordnete Kreutzer betonte, daß das Haus aus dem Gottscheerland nicht mehr wegzudenken sei. Sie wünsche sich, daß Volksgruppen in anderen Ländern gleiche Rechte genießen wie die slowenischen Mitbürger in Kärnten. Die Grüße der Österreichischen Botschaft überbrachte Dr. Ferdinand Mayrhofer-Grünbühel. "Ich habe schon immer davon geträumt, nach Gottschee zu fahren. Heute geht mit der Eröffnung des Kulturzentrums ein Traum in Erfüllung." Der Botschafter d~te dem Land Kärnten, der Republik Osterreich, Südtirol, Deutschland und Slowenien für die gewährte Hilfe. Er glaube daran, daß das Österreichisch-Slowenische Kulturabkommen noch bestehende Barrieren beseitigen werde und die Altgottscheer, eingebettet in ihr slowenisches Umfeld, einen Beitrag zur Verständigung der beiden Völker leisten werden. Nachdem der Jugendchor unter Leitung von Jote Smrekar alte Gottscheer Lieder mit viel Hingabe vorgetragen hatte, durchschnitt LAbg. Kreutzer mit dem Botschafter und DI Gril das blauweiße Band am Eingang des Hauses, das mit der Europafahne geschmückt war. In weiteren Ansprachen hob zunächst Fritz Schretter seine Bemühungen um die Herstellung der Kontakte zu den Altsiedlern hervor und dankte DI Gril und Prof. Debenjak für ihre hingebungsvolle Arbeit. Er wünschte ihnen weiterhin viel Schaffenskraft. "Das Haus macht stolz" sagte Schretter. Dr. Viktor Michitsch, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Gottscheer in aller Welt sprach von einem Freudentag für seine Landsleute nicht nur in Slowenien, sondern in Österreich und Deutschland und in Übersee. Das Haus beweise, daß die Gottscheer Kultur lebe. Er äußerte die Überzeugung, daß jede Minderheit eine Bereicherung darstelle. Auch Dr. Michitsch dankte dem Land Kärnten, Wien, Berlin und Bozen sowie den slowenischen Behörden für Hilfe und Verständnis bei der Errichtung des Hauses. "Das Gottscheertum bleibt dank der Jugend erhalten", unterstrich Dr. Michitsch. Der Obmann des Rates der Kärntner Slowenen, Joze Wakounig, erinnerte daran, daß sich seine Organisation in der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen für die Rechte der Gottscheer eingesetzt habe. Minderheitenrechte müßten am höchsten Standard gemessen werden, betonte der Obmann, der sich eine hellere Zukunft wünscht als sie uns das vergangene Jahrhundert bescherte. Mit dem neuen Haus werde die sprachlich-kulturelle Vielfalt erhalten, sagte der Obmann des Zentralverbandes, Dr. Marjan Sturm, der dazu riet, in der Sprache keine Bedrohung zu sehen. Vorurteile, die noch im Rucksack mitgetragen werden, sollten abgebaut werden, erklärte Sturm. Der Leiter des Volksgruppenzentrums, Mag. Marjan Pipp, sieht im Haus nicht bloße Mauem. Schon der Eröffnungstag beweise, daß in ihm Leben eingezogen sei. Im ähnlichen Sinne äußerte sich auch der Leiter des Volksgruppenbüros im Amt der Kärntner Landesregierung, Mag. Vladimir Smrtnik. Ihm sei es eine Genugtuung, daß er als Beamter an der Entstehung des Hauses mit Mag. Karpf und Mag. Udo Puschnig begleitend mitwirken konnte. Er hoffe ebenfalls auf den Abbau noch bestehender Hindernisse und wünschte die Anerkennung der Altgottscheer als Volksgruppe. Tiefe Freundschaft verbinde ihn mit August Gril und Doris Debenjak erklärte Mag. Peter Karpf, der die Grüße vom Landesamtsdirektor Dr. Reinhard Sladko überbrachte. Er würdigte auch noch den nicht zu unterschätzenden Beitrag des ehemaligen Landesamtsdirektor-Stellvertreters DDr. Karl Anderwald. Als letzter Gratulant hob Bürgermeister Vouk die Leistungen des Altsiedlervereins im kulturellen Leben der Gemeinde hervor. Er sei, dank August Gril, die aktivste Organisation. Zum Abschluß wurden Gastgeschenke ausgetauscht. Mit einem mit viel Beifall aufgenommenen Konzert des New Swing Quartetts klang die Feierstunde aus. Zu ihrem Gelingen hatte auch der 15-jährige Martin Kukar aus Semitsch mit seinem flotten Harmonikaspiel beigetragen. Der Wunsch aller war es, daß mit der Erölfnung des Kulturzentrums eine neue Ara in der Entwicklung der Deutschen in Slowenien begonnen habe. Bericht: Heinz Stritzl
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