Gottscheer Kulturwoche 2004

Tagung der
Arbeitsgemeinschaft der Gottscheer Landsmannschaften

Arbeitsgemeinschaft stellt Homepage vor: www.gottschee.at

Freitag, 30. Juli 2004

Die durchwegs erfreulichen Berichte der Gottscheer Organisatoren in Europa und Übersee auf der 45. Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Gottscheer Landsmannschaften waren überschattet von den noch immer bestehenden Sorgen der Altsiedler. Sie werden in der alten Heimat nach wie vor noch nicht als Volksgruppe nach den auch in Slowenien bestehenden Minderheitenrechten behandelt. Vorsitzender Dr. Viktor Michitsch kündigte im Notfall den Weg zum Europäischen Gerichtshof an.

Bei der Eröffnung der Sitzung hob Dr. Viktor Michitsch das überaus große Interesse an der diesjährigen Kulturwoche hervor und warb um ein einheitliches Vorgehen in Fragen unserer Gemeinschaften. Nach einem Totengedenken unterstrich der Vorsitzende, daß die Landsmannschaft in Klagenfurt stark durch Teilnahme an Veranstaltungen in Anspruch genommen werde. Sie nimmt an den Feiern der Kärntner Landsmannschaft, mit der bekanntlich ein Partnerschaftsabkommen besteht, teil. Die Auftritte unserer Sing- und Trachtengruppe werden immer mit sehr großem Beifall bedacht, wie zuletzt beim Kärntner Landestrachtentreffen. Kontakte werden ständig mit den Mitgliedsorganisationen in Deutschland. Slowenien, in den USA und in Kanada gepflegt. Die Zeitung sei ein unverzichtbares Bindeglied. Michitsch bedauerte die noch immer bestehenden Schwierigkeiten in Slowenien. Es gehe um die Erfüllung großer Aufgaben, wie die Erhaltung der vom Verfall bedrohten Kulturgüter, andererseits aber auch um Schutz und Hilfe der dort lebenden Gottscheer.

Mitglieder der AG
Konzentriertes Arbeiten bei der AG-Tagung.
Von links sehen wir Karl Ruppe, Chefred, i. R. Heinz Stritzl, Dr. Gabriela Stieber, DI Karl Hönigmann, Erika Glantschnig, Dr. Viktor Michitsch, RR Werner Krauland, DI August Gril, Otto Tripp, Oberst a. D. Ed Skender, Ing. Albert Belay, Erwin und Erika Meditz.
Foto: Mag. H. Leustik  

Den Kassenbericht erstattete Geschäftsführer Otto Tripp. Aus diesem geht hervor, daß überaus verantwortungsvoll mit Mitgliedsbeiträgen umgegangen werde, so daß eine positive Bilanz gezogen werden könne. Der Vorstand schlug eine geringe Erhöhung der Mitgliedsbeiträge vor. die einhellig angenommen wurde.

Mit großer Aufmerksamkeit wurde der Bericht von Oberst Edward Skender, Vizepräsident des Ahnenforschungsvereines verfolgt. Er überbrachte die Grüße der Präsidentin, Dr. Elizabeth Nick, und berichtete über eine Reihe bedeutender Vorhaben. So erschien ein Buch über „Gottschee zwischen den beiden Weltkriegen", mit Auszügen aus den Gottscheer Kalendern, ein Familienbuch über die Tschermoschnitzer Kirchenbucheinträge und schließlich wird das Gottscheer Ahnenregister weitergeführt. Die GHGA hat für Restaurierungsaktionen dem ,,Peter Kosler-Verein" 2000 Dollar zur Verfügung gestellt. Es geht vor allem um die Wiederherstellung der historischen Kreuzwegstationen der Kirche in Rieg. Der Verein in den USA hat derzeit nahezu 500 Mitglieder. Skender dankte allen Mitgliedsorganisationen der AG für die ersprießliche Zusammenarbeit.

Die Landsmannschaft in Wien weist einen stabilen Mitgliederstand auf, berichtete DI Karl Hönigmann. Er hat zuletzt Kontakt mit dem aus Gottschee gebürtigen Generaldirektor Georg Kapsch aufgenommen. Kapsch ist bekanntlich ein international anerkanntes Unternehmen. Die Familie hat unter anderem die Wiederherstellung der Kapelle in Drandul unterstützt. Hönigmann schlug vor, Kapsch das Goldene Ehrenzeichen zu verleihen.

Den bedauerlichen Mitgliederrückgang durch das hohe Alter beklagte Dr. Gabriela Stieber von der Gottscheer Landsmannschaft in Graz. Jugendlichen Nachwuchs zu gewinnen sei überaus schwierig. Außerdem seien die Mitglieder vom Ennstal bis Leibnitz verstreut. Dessen ungeachtet seien das Pfingsttreffen und die Weihnachtsfeier stets sehr gut besucht.

Erfreuliches war vom Obmann des „Peter-Kosler-Vereins", DI Erik Krisch, zu erfahren. So wird sein Verein vom slowenischen Kulturministerium, aber auch von Deutschland und den USA sowie von der Kärntner Landesregierung finanziell unterstützt. Am 8. Oktober 2004 wird ein Gottscheer Fest veranstaltet. Ein Mundartseminar steht ebenso auf dem Programm wie die weitere Renovierung von Friedhöfen und Kirchen. Erfolgreich sei das Bemühen, dreisprachige Ortstafeln bei den Gottscheer Dörfern aufzustellen. In diesem Zusammenhang ersuchte Dr. Michitsch den Peter-Kosler-Vereinsobmann, daß bei den Renovierungen die deutschen Inschriften unbedingt erhalten bleiben. Sie seien historische Denkmäler. Michitsch erinnerte an ein diesbezügliches Versprechen des ehemaligen Erzbischofs Dr. Sustar bei der Renovierung der Kirche von Mitterdorf, die bei dem schweren Erdbeben in Friaul im Jahre 1976 beschädigt worden war und mit Finanzhilfe von Gottscheer Landsleuten in der Höhe von etwa S 600.000,-restauriert wurde.

Von Erwin Meditz, der Bundesvorsitzende der Gottscheer Landesmannschaft in Deutschland, war zu erfahren, daß das vor kurzem abgehaltene Bundestreffen in Deutschland harmonisch und erfolgreich verlaufen sei. Er dankte der Grazer Reisegruppe für ihre Teilnahme, ebenso wie Pfarrer Josef Seitz und OSR Ludwig Kren.

Sorge über Abgänge durch Alter äußerte Ted Meditz von Baden-Württemberg. Aber die Weihnachtsfeiern seien gut besucht wie auch in Nordrhein-Westfalen.

Dies war von Maria Schager, der Vorsitzenden der Landesgruppe Nord-West, zu erfahren. Sie bemüht sich immer wieder erfolgreich um die Führung von Reisegruppen in das Gottscheerland, wo sie stets herzliche Aufnahme finde.

Beifall erhielt Ing. Kurt Gobi vom Verein „Gottscheer Gedenkstätte Maria Trost" für den sehr gelungenen Gottscheer Kalender.

In New York wurde ein von zweitausend Personen besuchtes großes Gottscheer Volksfest abgehalten, war von Ing. Albert Belay, Präsident des Gottscheer Männerchores, zu erfahren. Ein weiteres Mal treten die Gottscheer bei der legendären „Steubenparade" auf. Großer Wert werde stets darauf gelegt, daß die Feiern gottscheerisch gestaltet werden. Der Chor sei der maßgebliche Träger der Kulturaktivitäten, die Liedpflege sei intensiv. Darüber hinaus gibt es einen Sportverein. Blauweiß-Gottschee, mit dreizehn Mannschaften.

In die großteils erfolgreichen Berichte fiel mit jenem von Obmann des Altsiedlervereins, DI August Gril, ein Wermutstropfen. Er ist zwar stolz, daß die Mitgliederzahl wachse, doch die nach dem EU-Beitritt Sloweniens erhoffte Entspannung sei noch nicht eingetreten. Allmählich setzt sich jedoch die Wahrheit über die Gottscheer durch. Fünfzig Jahre sei über sie nur Negatives gesagt und berichtet worden. Mit Hilfe des Südtiroler EU-Abgeordneten Dr. Michl Ebner und des ein. Kärntner EU-Abgeordneten Dr. Hubert Pirker hofft Gril auf die Verwirklichung eines Wasserleitungsprojektes. Die Zahl der Mitglieder des Altsiedlervereins sei auf nahezu dreihundert angestiegen, wovon die Hälfte junge Leute seien. Die Kinder singen deutsch und gottscheerisch. Als Unternehmer sei er auf Unterstützung angewiesen und finde diese vor allem bei den Familien Debenjak, Petschauer und Samida. Das Kulturzentrum werde auch von slowenischen Gruppen besucht. Gril hob die Kooperation mit der Kärntner Slowenischen Gemeinschaft unter Obmann Sadovnik hervor. Als großes Projekt erwähnte Gril die notwendige Aufstellung von einem halben tausend Grabsteinen auf Gottscheer Friedhöfen. Von Prof. Doris Debenjak war zu hören, daß das kleine Museum mit Unterstützung von Südtirol ausgebaut werden soll. Von der Stadt Klagenfurt erhielt der Altsiedlerverein eine Unterstützung von € 5000.- anläßlich des Besuches von Bürgermeister Dkfm. Harald Scheucher. Bedauert wurde von Debenjak, daß österreichische Stellen keine Renovierungen unterstützen, wohl aber habe es € 12.000,- für die Erfassung von Lebensgeschichten gegeben. Aus dem Kulturabkommen sei bisher kein Cent an den Altsiedlerverein gelangt.

Breiten Raum nahm in der Tagung die Diskussion über die Homepage (www.gottschee.at) der Arbeitsgemeinschaft ein. Um private Auswüchse zu unterbinden, regte DI Hönigmann an, der Homepage offiziellen Charakter zu geben. Sie wird unter dem Titel „Offizielle Homepage der Arbeitsgemeinschaft der Gottscheer Landsmannschaften" vorgestellt.

Mag. Hermann Leustik schilderte die Entstehung der Website unter wertvoller Mithilfe durch Dl Hönigmann. Derzeit verfügt die Homepage über Termine, Pressespiegel, über Geschichte und Land, unterstützt von Kartenmaterial, Sprachen usw. Auch Auszüge aus den Gottscheer Kalendern und die Ausgaben der Gottscheer Zeitung der letzten Jahre sind unter www.gottschee.at zu finden.

Um die Arbeit voranzutreiben, wurde ein Komitee gebildet, dem Leustik und Hönigmann sowie der Bad Ausseer Karl Ruppe und Ted Meditz angehören. Über den Atlantik wird die Brücke zum Ahnenforschungsverein geschlagen. Angeregt wurde unter anderem die Präsentation von Gottscheer Persönlichkeiten in Vergangenheit und Gegenwart. Außerdem wurde die Hoffnung auf eine EU-Förderung für die Erhaltung des kulturellen Erbes ausgesprochen.

Karl Ruppe lud im Namen des Ausseer Bürgermeisters zu einem mehrtägigen Treffen der Gottscheer Landsmannschaften anläßlich der Steirischen Landesausstellung 2005 ein. Näheres wird zeitgerecht in der Gottscheer Zeitung veröffentlicht.

Dankbar wurde abschließend die Zusage des Gurker Bürgermeisters BR OR Ing. Seifried Kampl bei der Eröffnung der Kulturwoche aufgenommen, der sich als künftiger Vorsitzender des Bundesrates der Anliegen der Arbeitsgemeinschaft annehmen will. Es geht in erster Linie um Stipendien für junge Gottscheer. So ist es der Leiterin der Jugendgruppe Urschi Korp, nicht möglich ein Universitätsstudium aufzunehmen, obwohl sie hoch begabt ist. Dr. Michitsch erwägt in diesem Zusammenhang die Schaffung einer Stiftung

 

 

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