44. Tagung
der
Arbeitsgemeinschaft der Gottscheer Landsmannschaften

Freitag, 1. August 2003
in Krastowitz

 

 
Wechsel in der Führung der Arbeitsgemeinschaft

Die Arbeitsgemeinschaft der Gottscheer Landsmannschaften, die alle Gottscheer Organisationen von Amerika bis in der alten Heimat umfaßt, hielt am 1. August ihre Jahrestagung auf Schloß Krastowitz ab.

Vorsitzender Dr. Herbert Krauland eröffnete sie. Dr. Viktor Michitsch als geschäftsführender Vorsitzender wies darauf hin, daß die Tagung zum 44. Mal abgehalten werde, um Probleme der Gottscheer Gemeinschaften zu erörtern und um ein gemeinsames Vorgehen zu gewährleisten.

Zu Beginn der Tagung wurde eine Gedenkminute abgehalten. Stellvertretend für alle Heimgegangenen wurde Ing. Arnold Mausser, Schriftführer der Gottscheer Landsmannschaft in Wien, gewürdigt. Mit jedem, der uns verlässt, geht auch ein Stück Heimat verloren. In seinen weiteren Ausführungen betonte Dr. Michitsch, daß die Gottscheer ein ungestörtes Verhältnis zu ihrer fast 700jährigen Geschichte haben.

Mitglieder der AG
 

Eröffnung

Mit einem herzlichen Dank würdigte er die Leistungen des Vorsitzenden HR Herbert Krauland und informierte, daß Viktor Stalzer, Geschäftsführer der Gottscheer Landsmannschaft in Klagenfurt, seine Funktion als Geschäftsführer aus gesundheitlichen Gründen zurücklegen mußte. Stalzer war u. a. Gründungsmitglied der Landsmannschaft in Klagenfurt und der "Gottscheer Zeitung". "Er ist für uns alle ein großes Vorbild." Gleichzeitig stellte er dessen Nachfolger, Otto Tripp vor, der von seiner Gattin Sigrid als Gottscheer "eingemeindet" worden sei. Den Kassenbericht erstattete Martha Tiefenbacher, die auch über die Entwicklung der "Gottscheer Zeitung" informierte. Der überwiegende Teil der Auflage von 2200 Stück geht nach Osterreich, gefolgt von USA und Deutschland. Unsere Zeitung wird in 18 Staaten verschickt und kann im nächsten Jahr ihren 1OOjährigen Bestand feiern. Dr. Michitsch hob die große redaktionelle Leistung von Martha Tiefenbacher hervor.

Die Berichte der einzelnen Obmänner stießen auf großes Interesse. So war von DI Erik Krisch vom "Peter-Kosler-Verein" zu erfahren, daß der neue Kreuzweg in der Pfarrkirche Rieg und die Kapelle auf dem Annaberg fertiggestellt sind. In einigen Orten, so im Suchener Hochtal und in Semitsch, konnte eine Vereinbarung über die Anbringung von dreisprachigen Ortstafeln (Slowenisch, Englisch und Deutsch) zur Erinnerung an die Gottscheer Dörfer getroffen werden. Außerdem brachte der Verein ein Gottscheer Mundart-Liederbuch unter dem Titel "Dü hoscht lai oin Hoimöt/Domovina je ena sama" heraus. Er berichtete weiters, daß am 14. September anläßlich der 100-Jahr-Feier der Stadtpfarrkirche Gottschee ein Fest- und Dankgottesdienst abgehalten wird.

Berichte

Mit Bedauern berichtete DI Karl Hönigmann über einen schwindenden Mitgliederstand in Wien. Die monatlichen Treffen werden jedoch bei verhältnismäßig gutem Besuch abgehalten. Angeregt wurden von ihm gemeinsame Veranstaltungen mit der Landsmannschaft in Klagenfurt.

Auch in Deutschland fordert die Bioogie ihren Tribut, erklärte Erwin Meditz, Bundesvorsitzender der Gottscheer Landsmannschaft in Deutschland. Dennoch wird am 26./27. Juni 2004 in Wildbad-Aichelberg ein Bundestreffen abgehalten. Der Chor aus Cleveland habe sich bereits angesagt. Von Meditz war außerdem zu erfahren, daß im "Deutschen Haus des Ostens" in München eine Gottschee-Ausstellung geplant sei. Sie soll auch in Wien gezeigt werden.

Auf die großen räumlichen Entfernungen in Nordrhein-Westfalen, die bei Begegnungen ein Hindernis seien, wies Maria Schager hin. Ihre Gruppierung zeigt großes Interesse an der Renovierung der Tschermoschnitzer Kirche. Über große Anstrengungen zum Zusammenhalt der Landsmannschaft berichtete auch Ted Meditz aus Baden- Württemberg.

Große Aufmerksamkeit fand der Bericht von Edward Skender, Vizepräsident vom Ahnenforschungsverein. Der schriftliche Bericht von Präsidentin Dr. Elizabeth Nick liegt erstmals sowohl in Deutsch als auch in englischer Sprache vor. Skender betonte erfreuliche Fortschritte seiner Organisation und kündigte einige Publikationen für das kommende Jahr an, so u. a. über die "Gottschee zwischen den beiden Weltkriegen", "Hochzeiten in Tschemembl" und "Dorfgeschichten aus Gottschee".

Der Obmann des Vereins "Gottscheer Gedenkstätte Graz- Maria Trost", lng. Kurt Göbl, überbrachte die Grüße seiner Organisation. Er wies darauf hin, daß die Gottscheer Woche eigentlich mit dem Festgottesdienst in Graz-Maria Trost beginnt und in Klagenfurt seine Fortsetzung findet und den Höhepunkt erreicht. Diese Tradition sollte beibehalten werden. Er unterstrich die Treue der Gottscheer zur Heimat und kündigte weitere Fahrten in die alte Heimat an, die auch die Verbundenheit der Gottscheer unterstreichen.

Ebenfalls auf großes Interesse stieß der Vortrag von DI August Gril, der erfreulicherweise über eine gelöste Atmosphäre in der alten Heimat nach einer unverständlichen Hetzkampagne berichtete. Bemerkenswert sei der Umstand, daß die Zahl der Deutschen in Slowenien bei der letzten Volkszählung auf über 2000 Personen angestiegen sei, und sich damit der italienischen Minderheit nähere. Erfolgreiche Restaurierungsarbeiten werden an der Kirche in Tscherrnoschnitz vor allem mit Unterstützung unserer Landsleute aus den USA und Deutschland vorgenommen. Im Kulturzentrum konnten bereits gemeinsame Veranstaltungen mit slowenischen Chören durchgeführt werden. Er hob in diesem Zusammenhang eine private Aktion des Klagenfurter Rechtsanwaltes Dr. Peter Mussi hervor. Das Geld ist weitgehend für den Ausbau des Museums bestimmt. Überhaupt erfreue sich der Altsiedlerverein zunehmend ausländischer Besuche. Für August ist der Südtiroler Landeshauptmann Dr. Luis Dumwalder angesagt. Die Zusammenarbeit mit Südtirol habe sich ebenso gut wie jene mit Kärnten entwickelt.

Internet

Ausführlich wurde über die Einrichtung einer Homepage der Arbeitsgemeinschaft von DI Karl Hönigmann und Mag. Hermann Leustik berichtet und darüber intensiv diskutiert. Ein Grundsatzbeschluß war bereits im Vorjahr gefaßt worden. Die Website soll eine verläßliche Informationsquelle bieten. Die Tagungsteilnehmer befürworteten die Einsetzung eines Komitees zur Vorbereitung einer Gottscheer Website. Die jährlich anfallenden Kosten sollen aliquot von den AG-Mitgliedern aufgebracht werden. Der Arbeitsgruppe gehören DI Karl Hönigmann, Mag. Hermann Leustik und Geschäftsführer Otto Tripp an. Mit Helmut Tramposch vom Ahnenforschungsverein soll so rasch wie möglich Verbindung aufgenommen und Kontakt zu schon bestehenden Homepages hergestellt werden.

Neuwahl

Der bisherige Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Hofrat Dr. Herbert Krauland, bat auf Grund seines Gesundheitszustandes um Enthebung von seiner Funktion. Von Dr. Michitsch wurde als Nachfolger RR Werner Krauland vorgeschlagen. Es gab aber auch Stimmen, die Dr. Michitsch in dieser Funktion sehen wollten, zumal bei ihm schon jetzt die Kontaktfaden zusammenlaufen. Nach einer persönlichen Aussprache der beiden Kandidaten wurde Dr. Viktor Michitsch einstimmig zum Obmann der Arbeitsgemeinschaft gewählt, zum Stellvertreter RR Werner Krauland. Zurecht wurde bemerkt, daß weit über Kärnten hinaus Gottschee mit dem Namen Michitsch identifiziert werde. Reg.-Rat Werner Krauland dankte dafür, daß er als Stellvertreter für eine entscheidende Führungsfunktion vorgesehen sei. Er werde sich bemühen, der schweren Aufgabe gerecht zu werden.

Ehrung

Dr. Michitsch dankte für das ihm erwiesene Vertrauen und wies darauf hin, daß HR Dr. Herbert Krauland ein hervorragender Vorsitzender war. Er werde auch in Zukunft der Gottscheer Gemeinschaft mit Rat und Tat zur Seite stehen. Einstimmig wurde der Vorschlag angenommen, HR Krauland zum Ehrenvorsitzenden zu ernennen.

Ehrenring

Eine weitere große Ehrung wurde Ehrenpräsident Ernst Eppich von der Gottscheer Relief Assoc. in New York zuteil. Ihm wurde über Antrag der GLM Klagenfurt der Ehrenring der AG verliehen. Eppich selbst war es gewesen, der vor 20 Jahren die Schaffung des Ehrenringes angeregt hatte. Die Überreichung der Auszeichnung soll in einem besonders festlichen Rahmen erfolgen - sei es in Europa oder in den USA. Dabei wurden die Verdienste des Geehrten nochmals aufgezeigt werden. Ernst Eppich ist ein Gottscheer Vorbild. Er hat immer wieder seine Treue zur Gemeinschaft unterstrichen: Eppich war bemüht, Gottschee stets zu verteidigen. Viele Einrichtungen in New York, an denen Gottscheer mitbeteiligt sind, gehen auf seine Initiative und Mitarbeit zurück. Die Gottscheer sind stolz auf den neuen Ehrenringträger. Die Tagungsteilnehmer gratulieren schon jetzt zu der wohlverdienten Auszeichnung, die "Gottscheer Zeitung" schließt sich diesen Würdigungen und Glückwünschen gerne an.

Abschießend gab es noch Glückwünsche zum Geburtstag für Prof. Doris Debenjak. Sie erhielt als Geschenk die neue CD mit Gottscheer Liedern. Den Wünschen schlossen sich alle Tagungsteilnehmer an.

Der neue Vorsitzende, Dr. Viktor Michitsch, dankte allen Teilnehmern der Tagung. Er entbot den von ihnen vertretenen Organisationen Glückwünsche, verbunden mit der Bitte, weiterhin treu zur Heimat zu stehen. "Wir wollen mit der Heimat im Herzen über Land und Meer verbunden bleiben." Es ist nicht selbstverständlich, sich immer wieder in den Dienst der Heimat zu stellen. Wer aber dies tut, dem gebührt Dank und Anerkennung. Gott sei Dank umschließt den Großteil unserer Landsleute ein heimatliches Band.

Er schloß die Tagung mit dem Wunsch, daß alle Teilnehmer wieder gut in ihre Heimatländer heimkehren und den Kontakt untereinander aufrecht erhalten mögen.

"Hauta br baita zanondr!"

Bericht von Heinz Stritzl










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