Ao. Univ. Prof. Dr. Günther Ossimitz
Universität Klagenfurt

Das "Beer-Game"

simuliert ein einfaches Produktions-Distributionssystem: Eine Brauerei produziert Bier und liefert dieses an Großhändler aus. Diese verteilen es weiter an Zwischenhändler, diese wiederum an den Einzelhandel, der es dann an den Endkunden verkauft. Jeder der vier Beteiligten in dieser Distributionskette verfügt über ein Lager und versucht, die Bestellungen des nachgeordneten Kunden möglichst gut zu erfüllen und seinerseits durch Bestellungen bei seinem Lieferanten (bzw. Produktion im Falle der Fabrik) die Lieferfähigkeit aufrecht zu erhalten, ohne allzu große Lagerbestände oder gar Fehlbestände zu haben, die beide Kosten verursachen.

Ziel des Spieles ist es für alle Beteiligten, über ca. 30-50 Runden insgesamt die Kosten möglichst gering zu halten. Jede Runde besteht einfach darin, an den Kunden die bestellte Menge auszuliefern und anschließend eine frei wählbare Menge beim Lieferanten zu ordern. Ausserdem muss eine entsprechende Statistik der Bestände (Fehlbestände) und Kosten geführt werden. Die vom Einzelhändler an den Endverbraucher zu liefernde Menge wird von der Spielleitung vorgegeben.

Das Beergame ist wahrscheinlich das bekannteste Unternehmensplanspiel weltweit. Seine Popularität verdankt es der Tatsache, dass ein scheinbar trivialer Vorgang (Bier bestellen und liefern) in einer Supply Chain ungeahnte Dynamiken zeigen kann, die alle Beteiligten zunächst verblüfft. Typischerweise glauben viele Teilnehmer am Spiel, dass da "böse Mächte" am Werk sein müssen, die sowohl beim Kunden als auch beim Lieferanten ein derartig absurdes Bestell- bzw. Lieferverhalten mit sich bringen. Erst im anschließenden Debriefing stellt sich heraus, dass dass in der Regel bereits ein kleiner externer Anstoß genügt, um innerhalb des Vertriebssystems gewaltigste Schwankungen in den Bestellungen und auch in den Lagerständen hervorzurufen. Die Mitspieler erkennen, dass ihre eigene, scheinbar vernünftige, aber doch nicht systemgerechte Sichtweise war, die den turbulenten Verlauf der Geschehnisse bedingte.

Anders als bei den meisten anderen Planspielen ist beim Beergame alles transparent. Es gibt keine undurchschaubare "black box", die vernünftiges Verhalten zu mysteriösen Ergebnissen transformiert, sondern es kann nachher jede Bestellung und Lieferung exakt nachvollzogen werden. Man kann hinterher genau sehen und erklären, wie extreme Überkapazitäten oder auch extreme Fehlbestände aufgrund von Entscheidungen zustande kamen, die zunächst sehr plausibel erschienen, aber auf keiner systemischen Gesamtsicht beruhen und damit in fataler Weise zu kurz greifen.

Nähere Informationen:

Ao. Univ. Prof. Dr. Günther Ossimitz
Universität Klagenfurt
http://guenther.ossimitz.at
guenther.ossimitz@uni-klu.ac.at
Tel: +43 (0)463-2700-3132
Fax: +43 (0)463-2700-3199

Links zum Beergame:

Beer Game Site der SoL
Eine umfassende Einführung in das Beer Game von der Society for Organizational Learning.
"Flight Simulators for management education"
Ein Paper von J. D. Sterman (1997) über das Beer-Game. Auch verfügbar als HTML-Datei (mit Abbildungen).
The Web Based Beer Game
Eine Site von David Simchi-Levi.
The Computerized Beer Game
Diese Computerversion des Beer-Games ist mittlerweile im Buch Simchi-Levi et. al (1999): Designing and Managing the Supply Chain erschienen.
Beer Game Site
Provided by Craig W. Kirkwood, Arizona State University.
A revised Edition of The Beer Game
Hironori Kurono (Japan) macht einige beachtenswerte Designvorschläge, wie man das Beer-Game noch effizienter spielen kann.
Beergame in neuem Design
"Learning Landscapes" hat den Spielplan des Beergames in bemerkenswerter Weise modifiziert - eine faszinierende Idee, wie das Beergame noch flüssiger gespielt werden kann!
Supply Chain Fatalism: Chips and Beer
Eine amüsante Zusammenfassung, wie es beim Beer Game unweigerlich zugeht...
Annual Citations of the Beer Game
Bob Eberlein weist nach, wie das Beer-Game in den Jahren 1965 - 1995 immer intensiver im Science Citation Index aufscheint.
The Beer Distribution Game
Eine kommentierte Bibliographie von John D. Sterman, die allerdings bereits 1992 endet...
"Tea Game" (tm)
Das Beer-Game wird auch unter dem geschützten Namen "Tea Game" vermarktet.
Barely Managing: Beer Today, Gone Tomorrow
Ein aktueller Artikel zum Beer-Game im Business 2.0 Magazin.
Of Beer and Bloated Inventories
Ein weiterer Artikel zum Beer-Game im Business 2.0 Magazin.
Beergame bei Simcon
Eine deutschsprachige Version des Beer-Games wird von der Firma Simcon angeboten.
Beergame in Österreich
Eine Grazer Studentengruppe berichtet in witziger Flash-Technologie über ein im November 2000 an der WU Wien gespieltes Beer-Game.