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Stolperstein der Woche 49

 

 

StolpersteinInnen

Dem Patriarchat in der deutschen Sprache wird von Feministinnen zunehmend der Garaus gemacht. Recht so – aber was zuviel ist, ist dann doch zuviel: Der Trend, zwecks Schreibfaulheit alles nur noch mit PhrasenBild: Geschlechtergerecht abzukürzen – wie: KundInnen – macht nicht nur der männlichen Seele, sondern in erster Linie sehbehinderten und blinden Menschen zu schaffen, die beispielsweise bei Computersprachausgabeprogrammen plötzlich nur noch eingeschlechtliche Unwörter zu hören bekommen: Aus Studentinnen und Studenten werden Studentschrägstrichinschrägstrichen, Hörerinnen und Hörer mutieren zu Hörerschrägstrichinschrägstrichen und dasselbe passiert bei Politikerschrägstrichinschrägstrichen.

Unerschöpfliche Wortkreationen haben da schon für Ermüdung gesorgt. Dabei wäre es ganz einfach: Selbstverständlich ist es korrekt, dass Frauen sich gegen die Vermaskulinisierung der deutschen Sprache endlich zur Wehr setzen. Und sie haben ein Anrecht darauf, als Studentinnen bezeichnet zu werden und nicht im Oberbegriff Studenten unterzugehen (wobei an der Klagenfurter Universität ja mittlerweile der schöne sächliche Begriff Studierende Einzug gehalten hat).

Genauso aber haben blinde und sehbehinderte Menschen ein Anrecht darauf, dass ihnen der Alltag durch oben genannte Hirnrissigkeiten nicht zusätzlich erschwert wird. Also: Studentinnen und Studenten statt Studentschrägstrichinschrägstrichen – und der Verhunzung der deutschen Sprache wird damit ebenso Einhalt geboten wie der Diskriminierung schwächerer Mitmenschen.

Kerstin Amenitsch / Mark Wassermann

6. November 2005

 


 

Info: "kurz & bündig - Vorschläge zum geschlechtergerechten Formulieren (Broschüre des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen der Universität Klagenfurt)

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