StolpersteinInnen
Dem
Patriarchat in der deutschen
Sprache wird von Feministinnen
zunehmend der Garaus gemacht.
Recht so – aber was zuviel ist,
ist dann doch zuviel: Der Trend,
zwecks Schreibfaulheit alles nur
noch mit Phrasen
abzukürzen –
wie: KundInnen – macht nicht nur
der männlichen Seele, sondern in
erster Linie sehbehinderten und
blinden Menschen zu schaffen,
die beispielsweise bei
Computersprachausgabeprogrammen
plötzlich nur noch
eingeschlechtliche Unwörter zu
hören bekommen: Aus Studentinnen
und Studenten werden
Studentschrägstrichinschrägstrichen,
Hörerinnen und Hörer mutieren zu
Hörerschrägstrichinschrägstrichen
und dasselbe passiert bei
Politikerschrägstrichinschrägstrichen.
Unerschöpfliche Wortkreationen
haben da schon für Ermüdung
gesorgt. Dabei wäre es ganz
einfach: Selbstverständlich ist
es korrekt, dass Frauen sich
gegen die Vermaskulinisierung
der deutschen Sprache endlich
zur Wehr setzen. Und sie haben
ein Anrecht darauf, als
Studentinnen bezeichnet zu
werden und nicht im Oberbegriff
Studenten unterzugehen (wobei an
der Klagenfurter Universität ja
mittlerweile der schöne
sächliche Begriff Studierende
Einzug gehalten hat).
Genauso aber haben blinde und
sehbehinderte Menschen ein
Anrecht darauf, dass ihnen der
Alltag durch oben genannte
Hirnrissigkeiten nicht
zusätzlich erschwert wird. Also:
Studentinnen und Studenten statt
Studentschrägstrichinschrägstrichen
– und der Verhunzung der
deutschen Sprache wird damit
ebenso Einhalt geboten wie der
Diskriminierung schwächerer
Mitmenschen.
Kerstin Amenitsch / Mark
Wassermann
6.
November 2005
Info:
"kurz & bündig - Vorschläge zum
geschlechtergerechten
Formulieren (Broschüre des
Arbeitskreises für
Gleichbehandlungsfragen der
Universität Klagenfurt)