Give me love -
PartnerInnensuche im Internet
Die PartnerInnensuche und der
Umgang mit der eigenen
Sexualität sind für Menschen mit
Behinderung oft mit großen
Schwierigkeiten verbunden.
Gründe dafür sind u.a.
die diskriminierende Behandlung
von bzw. die vorurteilbehaftete
Haltung gegenüber behinderten
Menschen, eingeschränkte
Möglichkeiten, die eigene
Sexualität ausleben zu können.
In Stolperstein Nr. 40
beschäftige ich mich mit meinen
Erfahrungen bei der Suche nach
einer Partnerin fürs Leben auf
österreichischen
Internet-Partnerbörsen.
Dieser Erlebnisbericht soll
einen subjektiven Überblick über
das vorhandene Internetangebot
zum Schwerpunkt
PartnerInnensuche
und Behinderung bieten und dient
als eine Grundlage für eine
mögliche Projekt-Planung für
eine PartnerInnenbörse für Menschen
mit Behinderungen.
Seit meiner Geburt lebe mit
einer leichten Gehbehinderung
und sehne mich sehr nach einer
Partnerschaft, bei der ich auch
meine Sexualität ausleben
möchte.
Motiv für die Beschäftigung mit
der Sexualität war ein plötzlich
aufkommendes Liebesempfinden für
ein Mädchen, das in direkter
Nachbarschaft wohnte. Wir
bewohnten das gleiche Haus und
wohnten auf einer Etage in
diesem Haus nebeneinander.
Bei einer der vielen Begegnungen
mit ihr, schlug bei mir der
Blitz ein. Und ich empfand
soviel schöne und starke
Gefühle, wie ich sie noch nie
zuvor erlebte. Neben den schönen
Gefühlen, die ich erlebte, kamen
auch negative Folgen zum
Vorschein. Jene seelischen
Konflikte nämlich, die dann
auftreten, wenn man sich
verliebt und sich der Mensch für
den man etwas empfindet, sich in
einer Beziehung befindet.
Nach langer vergeblicher
Partnersuche, kam mir die Idee
einer PartnerInnenbörse für
Menschen mit Behinderungen.
Meine Recherchen führten mich
dann auch zu diversen Foren für
behinderte Menschen im Internet
und Singlechats im Besonderen.
Dabei beschäftigte ich mich mit
folgenden
Adressen:
In allen diesen Foren hatte ich
zu verschiedenen behinderten
Menschen Kontakte.
Besonders positive Erfahrungen
kann ich von
www.love.at berichten:
Dieses Forum scheint meiner
Meinung nach am seriösesten zu
sein, da ich das Glück hatte,
trotz meiner Behinderung
jemanden zu finden, der sich mit
mir treffen wollte. In diesem
Sinne war es mir vergönnt, mich
mit drei Damen zu treffen.
www.love.at scheint
besonders positiv zu sein. Zumal
die Ehrlichkeit, die ich in den
E-Mails aufbrachte, um meine
Situation zu erklären, von den
Damen sehr positiv aufgenommen
wurde. Die Frauen waren von
meiner Offenheit besonders
beeindruckt und brachten dies
auch in den Gesprächen zum
Ausdruck. Viele sagten sogar,
sie verstünden nicht, warum ein
so lieber Kerl wie ich noch nie
das Glück hatte, eine Freundin
haben zu dürfen.
Dieses Lob bestärkt mich heute
immer wieder gerne in die
Chatrooms von
www.love.at zu gehen, da ich
dort sehr liebe Menschen
getroffen habe.
www.websingles.at ist neben
www.love.at eine der größten
Singlebörsen, die es in
Österreich gibt. Hier tummeln
sich Singles aus ganz Österreich
herum, die in den diversen
Räumen (z.B. Lobby, Erotik,
Underground etc.) miteinander
chatten und flirten. Obwohl hier
eine große Singelanzahl
vorhanden war, so fiel es mir
sehr negativ auf, dass diese
Singlebörse eigentlich zu sehr
auf den Wiener Raum alleine
konzentriert ist. Daher empfand
ich es als eine große
Benachteiligung für
„Nichtwiener“, die diesen Chat
nutzen und es aus finanziellen
Gründen z.B. nicht schaffen, zu
den diversen Singletreffen zu
kommen, die immer wieder im
Palais Auersberg abgehalten
werden.
Und durch Zufall stieß ich dann
auch auf Informationen über
behinderte Singles. Dies ergab
sich aus dem Kontakt, denn ich
auf der Seite
www.wiend.at hatte.
Da stieß ich zunächst auf eine
27 Jahre alte Kärntnerin namens
A., die ebenso bei den
Websingles eingetragen war und
im Gegensatz zu manchen Menschen
mit Behinderungen bereits
sexuelle Erfahrungen aufweisen
konnte. Obwohl sie sich bemühte,
einen Lebenspartner via
www.websingles.at zu finden,
hatte sie jedoch mit diesem
Ansinnen eigentlich keinen
Erfolg.
Dass es behinderte Menschen bei
der PartnerInnensuche an sich schwer
haben, das entnahm ich auch den
verschiedenen
Diskussionsbeträgen, die im
Forum von
www.wiend.at
aufschienen. In diesem Forum
lancierte ich die Idee einer
PartnerInnenvermittlung speziell für
behinderte Menschen. Die
Reaktionen auf diese Idee waren
unterschiedlich.
Wenn ich den Zeitraum von März
2005 bis Juni 2005 hernehme, so
kann man sagen, dass die
Reaktion zum Teil positiv war.
Andere wiederum meinten, dass es
schon genug solcher
Einrichtungen geben würde.
Am im Mai schrieb ein User
namens B. eine Reaktion auf
meine Idee, diese
weiterzuverfolgen. B. berichtete
in diesem Beitrag, dass seine
Frau versucht hatte, sich einen
Lebenspartner über ein seriöses
Partnervermittlungsinstitut zu
suchen. Sie habe dort die
Antwort von einer Mitarbeiterin
dieses Institutes bekommen, dass
sie aufgrund ihrer Behinderung
doch nicht vermittelbar sei. Und
dies tat ihr sehr weh. Als ich
dies las, empfand ich auch eine
große Wut auf diese
Mitarbeiterin. Und fragte mich,
ob sie nochmals so reagieren
würde, wenn sie selbst behindert
wäre.
In einer weiteren Nachricht
schrieb ein anderer User, dass
er eine Anzeige bei den
Websingles geschaltet habe und
darin besonders seine
Behinderung betont habe. Er war
verbittert und verzweifelt.
Manche andere User, die auf
seine Nachrichten reagierten,
meinten, es würde die Frauen
abschrecken, wenn sie nur etwas
über die Behinderung hören
würden. Als ich dies las, war
mir klar, dass nur
„Nichtbehinderte“ so etwas sagen
konnten. Denn ich hatte ja
selbst, als ich die Anzeige bei
den Websingles geschaltet hatte,
darauf hingewiesen, dass ich
gehbehindert war.
Und zumindest bei
www.love.at hatte ich ja
deswegen keineswegs Probleme. Da
ich daher sehr ehrlich sein
wollte, hatte ich dies auch in
meinen Anzeigen betont. Ich
schrieb einem der User zurück,
der eine negative Einstellung
kundgetan hatte und meinte, dass
man doch ehrlich sein müsse,
wenn man schon einen Partner
suche und finden solle, dass man
Ihn dann auch haben will. Ich
fragte danach, ob es weinerlich
sei, wenn man auf seine
besonderen Umstände aufmerksam
mache oder ob man diese
verschweigen solle? Von diesem
User habe ich keine Antwort
erhalten und dies spricht
eigentlich doch sehr für sich.
Ich war von diesen Aussagen zum
Teil sehr geschockt. Natürlich
hatten sie Recht, wenn sie
meinten, man könnte dies auch
mit ein wenig Ironie zuspitzen,
in dem man sich etwas auf die
Schaufel nehmen solle, um
neugierig auf den Anderen zu
machen. Denn diese Ehrlichkeit
war auch für mich sehr wichtig.
Denn das Verschweigen von
Dingen, die einen im Leben
prägen bzw. „ behindern“, bringt
nichts. Und dies hatte ich ja
selbst in den Chats bei
www.love.at gemerkt. Und
damit hatte ich sehr viele
Frauen beeindruckt.
Dennoch fand ich auch auf
www.wiend.at sehr
interessante Aspekte. So
erschienen auf dieser Seite auch
Geschichten von behinderten
Menschen, in denen sie darüber
berichteten, wie sie das „erste
Mal“ ihre Sexualität mit dem
anderen Geschlecht ausleben
durften und wie sehr sie dabei
sich auch wohl fühlten. Sie
erlebten dabei auch, dass sie
unabhängig von ihrer Behinderung
das Recht hatten, eine erfüllte
Sexualität er- bzw. ausleben zu
dürfen.
Ich hatte schlussendlich aus
meinen Erlebnissen heraus das
Gefühl gewonnen, dass in manchen
Singlechats behinderte Menschen
als „Singles zweiter Klasse“
behandelt werden. Und das nur
weil sie eine Behinderung haben
und deswegen schwerer eine/n
Partner/in fürs Leben finden.
Dieser Eindruck verstärkte sich
bei mir.
Sascha Asseg
4. September 2005