Villacher Hauptbahnhof - (K)ein
Hindernis für Rollstuhlfahrer?
Im Juni 2005 führte unsere
Gruppe, bestehend aus Monia
Fertani, Isolde Diex und Marina
Modritsch im Zuge des sozial-
und integrationspädagogischen
Projektseminars bei Frau Mag.
Dr. Sigot Marion ein Projekt
über bauliche Barrieren durch.
Unsere Untersuchung fand am
Hauptbahnhof in Villach statt,
wo wir uns hauptsächlich mit den
Schwierigkeiten von
Rollstuhlfahrern vor Ort
auseinandergesetzt haben.
Um am eigenen Leib erfahren zu
können, was es heißt, ein
reisender Rollstuhlfahrer zu
sein, haben wir uns für dieses
Projekt einen Rollstuhl
ausgeliehen, um uns durch
Selbsterfahrung besser in die
Perspektive von Menschen mit
Behinderungen versetzen zu
können.
Die erste Schwierigkeit bestand
bereits darin, den Weg zum
Bahnhof einigermaßen ohne
Probleme zu bewältigen. Neuere
Busse sind zwar mit Rampen
ausgestattet, jedoch hatte der
von uns aufgesuchte Buschauffeur
beispielsweise keine Ahnung wie
man diese bedient und war mit
dieser Situation sichtlich
überfordert. Besonders negativ
fiel uns auf, dass ältere
Modelle über gar keine
Einstiegsmöglichkeit für
Rollstuhlfahrer verfügen.
Probleme ergeben sich auch bei
der Anreise mit dem Auto zum
Villacher Hauptbahnhof.
Behindertengerechte Parkplätze
sind zwar vorhanden, doch eine
barrierefreie Weiterführung zum
Gehweg ist nicht sichergestellt
(Randstein 10 cm). Kann diese
Stufe mit viel Glück überwunden
werden, treten anschließend in
der Bahnhofshalle gravierende
Hürden und Hindernisse für
Rollstuhlfahrer auf.
·
Das Telefon ist für
Rollstuhlfahrer zu hoch
angebracht, sodass der
Münzeinwurf nur schwer
erreichbar ist. Hinzu kommt,
dass ein Unterfahren der
Telefonbuchablage, die zu nieder
angebracht ist (67 cm) für
größere Menschen nicht möglich
ist.
·
Weiters ist der Bankomat nicht
unterfahrbar. Daraus folgt, dass
man diesen als Rollstuhlfahrer
nur schwer bedienen kann, da das
Display und das Bedienungsfeld
nur bedingt bis gar nicht zu
erkennen sind.
·
Der Zugplan ist zwar
barrierefrei zugänglich, jedoch
in keiner Weise
behindertengerecht, da er zu
hoch befestigt und durch die
kleine Schriftgröße nur schwer
lesbar ist.
·
Möchte man als Rollstuhlfahrer
von den Schließfächern Gebrauch
machen, wird das durch die nicht
barrierefreie Bauweise sichtlich
erschwert, da die obersten
Bedienungselemente, das Display
und der Münzeinwurf viel zu hoch
angebracht sind. (135 cm)
·
Auch
die Toilette, welche als
behindertengerechtes WC
ausgeschildert ist, ist
keineswegs barrierefrei, da
unter anderem die Tür nach
innen zu öffnen ist.
Zusätzlich ist diese sehr
schmal und der Spiegel über dem
unterfahrbaren Waschbecken kann
von einem Rollstuhlfahrer nicht
benützt werden, da er sich in
einer Höhe von 138 cm befindet.
Zusätzliche Hindernisse wie
Öffnungszeiten verhindern, dass
man rund um die Uhr die
Toilettenanlage des Villacher
Hauptbahnhofes benutzen kann.
Wenn diese Barrieren bewältigt
sind, muss man sich der nächsten
und zugleich größten
Herausforderung stellen, nämlich
dem Verreisen selbst.
Rollstuhlfahrer können nicht
spontan eine Reise antreten, da
sie sich bei der ÖBB mindestens
drei Tage vor Abreise anmelden
müssen, damit ihnen ein Hebelift
zur Verfügung gestellt werden
kann.
Nimmt man dies in Kauf, kommt
noch hinzu, dass man in Zügen
älteren Baujahrs nicht in das
Abteil gelangen kann, da die nur
55 cm breiten Schiebetüren ein
Hindernis darstellen.
Mit Glück fährt man mit einem
Cityshuttle, der Plätze für
Rollstuhlfahrer vorgesehen hat.
Es werden immer wieder Angebote
seitens der ÖBB für Menschen mit
Behinderungen gemacht, aber hier
stellt sich die Frage, ob man
diese als Rollstuhlfahrer
überhaupt nützen will, wenn man
erst die oben genannten
Barrieren überwinden muss.
Wenn man es dann doch, durch
zeitaufwändiges Recherchieren,
Reservieren und Vorbereiten,
geschafft hat eine Reise zu
planen, muss man sicherstellen,
dass man vor Antritt der Reise
ein behindertengerechtes WC
aufgesucht hat, denn während der
Fahrt stellt dies für
Rollstuhlfahrer eine weitere
nicht zu bewältigende Hürde dar.
Zusammenfassend kann man sagen,
dass zwar erste Bemühungen
seitens der ÖBB vorhanden sind,
die Bahnhöfe
behindertengerechter zu
gestalten, trotzdem aber noch zu
viele Barrieren existieren, um
Rollstuhlfahrern eine
problemlose Reise zu
ermöglichen.
Monia Fertani, Isolde Diex und
Marina Modritsch
28.
August 2005