+ + + Unterstützen Sie unsere Stolpersteinsammlung: Senden Sie uns konkrete Beispiele für Diskriminierungen behinderter Menschen sowie auch etwaige Lösungsvorschläge für die Beseitigung von Barrieren! + + +

 

Stolperstein der Woche 39

 

 

Villacher Hauptbahnhof - (K)ein Hindernis für Rollstuhlfahrer?


Im Juni 2005 führte unsere Gruppe, bestehend aus Monia Fertani, Isolde Diex und Marina Modritsch im Zuge des sozial- und integrationspädagogischen Projektseminars bei Frau Mag. Dr. Sigot Marion ein Projekt über bauliche Barrieren durch.

Unsere Untersuchung fand am Hauptbahnhof in Villach statt, wo wir uns hauptsächlich mit den Schwierigkeiten von Rollstuhlfahrern vor Ort auseinandergesetzt haben.

Um am eigenen Leib erfahren zu können, was es heißt, ein reisender Rollstuhlfahrer zu sein, haben wir uns für dieses Projekt einen Rollstuhl ausgeliehen, um uns durch Selbsterfahrung besser in die Perspektive von Menschen mit Behinderungen versetzen zu können.

Die erste Schwierigkeit bestand bereits darin, den Weg zum Bahnhof einigermaßen ohne Probleme zu bewältigen. Neuere Busse sind zwar mit Rampen ausgestattet, jedoch hatte der von uns aufgesuchte Buschauffeur beispielsweise keine Ahnung wie man diese bedient und war mit dieser Situation sichtlich überfordert. Besonders negativ fiel uns auf, dass ältere Modelle über gar keine Einstiegsmöglichkeit für Rollstuhlfahrer verfügen.

Probleme ergeben sich auch bei der Anreise mit dem Auto zum Villacher Hauptbahnhof. Behindertengerechte Parkplätze sind zwar vorhanden, doch eine barrierefreie Weiterführung zum Gehweg ist nicht sichergestellt (Randstein 10 cm). Kann diese Stufe mit viel Glück überwunden werden, treten anschließend in der Bahnhofshalle gravierende Hürden und Hindernisse für Rollstuhlfahrer auf.

·         Das Telefon ist für Rollstuhlfahrer zu hoch angebracht, sodass der Münzeinwurf nur schwer erreichbar ist. Hinzu kommt, dass ein Unterfahren der Telefonbuchablage, die zu nieder angebracht ist (67 cm) für größere Menschen nicht möglich ist.

·         Weiters ist der Bankomat nicht unterfahrbar. Daraus folgt, dass man diesen als Rollstuhlfahrer nur schwer bedienen kann, da das Display und das Bedienungsfeld nur bedingt bis gar nicht zu erkennen sind.

·         Der Zugplan ist zwar barrierefrei zugänglich, jedoch in keiner Weise behindertengerecht, da er zu hoch befestigt und durch die kleine Schriftgröße nur schwer lesbar ist.

·         Möchte man als Rollstuhlfahrer von den Schließfächern Gebrauch machen, wird das durch die nicht barrierefreie Bauweise sichtlich erschwert, da die obersten Bedienungselemente, das Display und der Münzeinwurf viel zu hoch angebracht sind. (135 cm)

·         Auch die Toilette, welche als behindertengerechtes WC ausgeschildert ist, ist keineswegs barrierefrei, da unter anderem die Tür nach innen zu öffnen ist. Zusätzlich ist diese sehr schmal und der Spiegel über dem unterfahrbaren Waschbecken kann von einem Rollstuhlfahrer nicht benützt werden, da er sich in einer Höhe von 138 cm befindet. Zusätzliche Hindernisse wie Öffnungszeiten verhindern, dass man rund um die Uhr die Toilettenanlage des Villacher Hauptbahnhofes benutzen kann.

Wenn diese Barrieren bewältigt sind, muss man sich der nächsten und zugleich größten Herausforderung stellen, nämlich dem Verreisen selbst.

Rollstuhlfahrer können nicht spontan eine Reise antreten, da sie sich bei der ÖBB mindestens drei Tage vor Abreise anmelden müssen, damit ihnen ein Hebelift zur Verfügung gestellt werden kann.
Nimmt man dies in Kauf, kommt noch hinzu, dass man in Zügen älteren Baujahrs nicht in das Abteil gelangen kann, da die nur 55 cm breiten Schiebetüren ein Hindernis darstellen.

Mit Glück fährt man mit einem Cityshuttle, der Plätze für Rollstuhlfahrer vorgesehen hat.

Es werden immer wieder Angebote seitens der ÖBB für Menschen mit Behinderungen gemacht, aber hier stellt sich die Frage, ob man diese als Rollstuhlfahrer überhaupt nützen will, wenn man erst die oben genannten Barrieren überwinden muss.

Wenn man es dann doch, durch zeitaufwändiges Recherchieren, Reservieren und Vorbereiten, geschafft hat eine Reise zu planen, muss man sicherstellen, dass man vor Antritt der Reise ein behindertengerechtes WC aufgesucht hat, denn während der Fahrt stellt dies für Rollstuhlfahrer eine weitere nicht zu bewältigende Hürde dar.

Zusammenfassend kann man sagen, dass zwar erste Bemühungen seitens der ÖBB vorhanden sind, die Bahnhöfe behindertengerechter zu gestalten, trotzdem aber noch zu viele Barrieren existieren, um Rollstuhlfahrern eine problemlose Reise zu ermöglichen.

Monia Fertani, Isolde Diex und Marina Modritsch

28. August 2005

 

nach oben


<<< zurück

startseite

weiter >>>

Stolpersteine auf dem Weg zur Gleichstellung ist eine Aktion von:

 

 

beratungs-, mobilitäts- und kompetenzzentrum, universitätsstr. 65, 9020 klagenfurt | ek