Ich bin bald 28 Jahre alt und
laut mehreren Gutachten und
auch nach meinem eigenen
Empfinden habe ich immer
wieder psychische Probleme. Ob
man mir das ansieht, weiß ich
nicht. Wahrscheinlich doch,
denn ich erlebe immer wieder,
dass mir Menschen auf der
Straße mit Ablehnung begegnen.
Manche schauen mich nur schief
an, andere verachten mich, ich
werde auch beschimpft.
Ich habe oft auch finanzielle
Probleme, weil ich kein
eigenes Einkommen habe und
werde deshalb auch immer
wieder mit abfälligen
Bemerkungen konfrontiert. Zum
Beispiel, weil ich rauche,
dann wirft mir Frau E. vor,
ich kann mir das nicht
leisten. Aber das ist für mich
einfach wichtig, ich kann
nicht ohne Zigaretten
sein. Und wenn ich zum
Beispiel im Supermarkt bei der
Kassa ein Stück zurücklassen
muss, weil ich zu wenig Geld
habe, dann heißt es, dass ich
asozial bin. Dabei habe ich
einfach kein Geld, aber ich
kann ja auch nichts dafür.
Die Nachbarn im Haus zeigen
mir auch, was sie von mir
halten. Weil ich schon in der
Psychiatrie war, halten sie
mich wohl für verrückt. An
meine Wohnungstür haben sie
einmal einen Zettel geklebt,
da stand drauf "Psych". Die
lieben Mitmenschen machen mir
oft das schwere Leben noch
schwerer!
E. S.
14. August 2005