+ + + Unterstützen Sie unsere Stolpersteinsammlung: Senden Sie uns konkrete Beispiele für Diskriminierungen behinderter Menschen sowie auch etwaige Lösungsvorschläge für die Beseitigung von Barrieren! + + +

 

Stolperstein der Woche 11

 

 

Theatergenuss mit Verdruss

 

Eine Auffahrtsrampe, Behindertentoiletten und zwei Rollstuhlplätze und trotzdem lassen behinderte Menschen kaum ein gutes Haar am Klagenfurter Stadttheater. Wie kommt das?

Immer wieder erreichen uns Klagen kulturell interessierter behinderter Menschen, die sich beim Theaterbesuch sehr ärgern. Das Klagenfurter Stadttheater ist ein Beispiel dafür, dass es nicht allein ausreicht, behinderten Menschen den Zugang zu einem Gebäude zu ermöglichen und Veranstaltungsräumlichkeiten mit Behindertentoiletten und Rollstuhlplätzen auszustatten. Zu wirklicher Barrierefreiheit bedarf es mehr!

Zwar sind Menschen mit Behinderungen Einschränkungen gewöhnt und zumeist auch mit einer enorm hohen Kompromissbereitschaft ausgestattet, jedoch werden diese Tugenden bei einem Besuch des Klagenfurter Stadttheaters oftmals überbeansprucht.

BenützerInnen von Rollstühlen haben zum Gebäude über einen durch eine Auffahrtsrampe erreichbaren Nebeneingang Zugang, der allerdings in der Regel versperrt ist. Dort sucht man vergeblich nach einer Klingel. Lediglich Insidern ist bekannt, dass man über einen Umweg zur Theaterkasse gelangen kann, um sich die Tür aufsperren zu lassen.

Nachdem man die Hürden zum Erhalt seiner Eintrittskarte geschafft hat, wird man auf einen der zwei vorhandenen Rollstuhlplätze gebracht. So weit so gut. Allerdings wird der Kunstgenuss durch den Umstand geschmälert, dass Personen, die um teures Geld die unmittelbar hinter den Rollstuhlplätzen befindlichen Stühle belegen, ohne auf Dauer schmerzhafte Verrenkungen lediglich die Rückenlehnen der sich vor ihnen befindlichen Rollstühle betrachten können. Auch wenn sich der oder die Rollstuhlfahrer/in ebenfalls schmerzhaften Verrenkungen aussetzt und versucht, sich so klein wie möglich zu machen, wird die Situation für die am Platz dahinter sitzende Person nicht wirklich viel besser.

Aus feuerpolizeilichen Gründen muss eine etwaige Begleitperson neben dem oder der Rollstuhlfahrer/in sitzen, was zumeist ja auch im Sinne der Theaterbesucher/innen ist. Allerdings befinden sich die beiden Rollstuhlplätze in einem sehr teuren Sektor. Behinderte Theaterbesucher/innen bekommen Ermäßigung, jedoch Begleitpersonen müssen ohne freier Sitzplatzwahl den vollen Preis bezahlen. Ob aus feuerpolizeilichen Gründen für behinderte Menschen ein Theaterbesuch auch ohne Begleitung möglich ist, muss erst recherchiert werden.

Weiters erwähnenswert ist auch die Schwierigkeit für behinderte TheaterbesucherInnen, innerhalb der Pausen die Behindertentoiletten aufzusuchen. Diese befinden sich zwar gut erreichbar direkt neben dem Saaleingang bzw. –ausgang. Da sich jedoch die weiteren Besuchertoiletten einen Stock tiefer befinden, werden die Behindertentoiletten von zahlreichen BesucherInnen bevorzugt und sind für behinderte Menschen zumeist erst gegen Pausenende frei.

Das 1998 renovierte Klagenfurter Stadttheater ist ein gutes Beispiel für zwar gut gemeinte, jedoch letztendlich unzureichende Planung – vermutlich ohne zur Beratung hinzugezogene behinderte Menschen.

13. Feber 2005

Ernst Kočnik

 

 

nach oben


<<< zurück

startseite

weiter >>>

Stolpersteine auf dem Weg zur Gleichstellung ist eine Aktion von:

 

 

beratungs-, mobilitäts- und kompetenzzentrum, universitätsstr. 65, 9020 klagenfurt | letzte aktualisierung: 20.02.2005 | ek