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Stolperstein der Woche 1

 

Bauliche Barrieren verhindern Zugänglichkeit von öffentlichen Gebäuden, Institutionen und Arztpraxen für behinderte Menschen

 

Im Dezember 2003 führten das Beratungs-, Mobilitäts- und Kompetenzzentrum, der Arbeitsbereich für Integrationspädagogik, der Behindertenbeauftragte der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt sowie Studierende aus dem Projektseminar von Frau Dr. Sigot einen Aktionstag durch, bei dem nach einem Stadtrundgang durch Klagenfurt der Bürgermeister auf bauliche Barrieren im öffentlichen Raum aufmerksam gemacht wurde.

Hingewiesen wurde auf Hindernisse und Erschwernisse für RollstuhlfahrerInnen, Personen mit Kinderwagen oder ältere Menschen mit Gehbehinderungen sowie für Personen mit Sinnesbeeinträchtigungen. Probleme ergaben sich ganz konkret etwa im Eingangsbereich öffentlicher Gebäude, bei Geschäftslokalen, Gaststätten und Arztpraxen durch die Notwendigkeit der Überwindung einer oder gar mehrerer Stufen oder durch zu enge und / oder zu schwere Eingangstüren. Besonders negativ fiel auf, dass sogar ein Orthopädie-Fachgeschäft seinen Kunden und Kundinnen eine Stufe im Eingangsbereich als Barriere zugemutet hat. Kann eine Stufe im Eingangsbereich eventuell noch überwunden werden, so stellen öffentliche Gebäude, in denen es keinen Lift gibt, ein besonderes Hinder- und Ärgernis für Menschen mit Behinderungen dar. So etwa über lange Jahre das Klagenfurter Rathaus, in dem Menschen mit Behinderungen im Parterre darauf warten mussten und noch immer müssen, dass sich der oder die gewünschte AnsprechpartnerIn zu ihnen auf die untere Ebene herab begibt. Die Irrwege, die Menschen mit Behinderungen auf sich nehmen müssen, um ein barrierefreies WC zu finden, sind besonders ärgerlich und in manchen Fällen auch kurios. Ist man jedoch auf ein solches WC angewiesen, so hört sich der Spaß auf. Angesicht zusätzlicher Hindernisse wie nicht barrierefreier Geldausgabeautomaten, nicht abgeschrägter Bordsteinkanten, mangelnder, fehlgeplanter oder verparkter Parkplätze für behinderte Menschen stellt sich die Frage, wie viel die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen unserer Gesellschaft wert ist. Offenbar leider recht wenig, nämlich weniger als die Baureinigung eines neu errichteten Gebäudes. Wie nämlich durch eine Studie des Instituts für Hochbautechnik in Zürich festgestellt wurde, kostet die barrierefreie Planung und Errichtung eines Gebäudes durchschnittlich nur 1,8 Prozent der Bausumme, was in etwa den Kosten für die die Baureinigung entspricht. Je größer das geplante Gebäude ist, desto geringer werden diese Kosten (vgl. Srb 2004). Voraussetzung allerdings ist, dass die Barrierefreiheit bereits bei der Planung berücksichtigt werden muss, nachträglicher Einbau von Liften oder Abflachung des Eingangsbereiches verursachen natürlich höhere Kosten. 

Positiv anzumerken ist, dass das Klagenfurter Rathaus nun endlich barrierefrei zugänglich werden soll und der oben erwähnte Orthopäde nach Umbauarbeiten keine Stufe im Eingangsbereich mehr aufweist - wir denken doch, dass auch unser Aktionstag im Dezember 2003 dazu beigetragen hat.

Auf dem Weg zur Gleichstellung gibt es viele Stolpersteine – viele davon liegen im öffentlichen Raum, der Weg, den Menschen mit Behinderungen darin zurücklegen, wird dadurch oft zum Spießrutenlauf!

3. Dezember 2004

Marion Sigot / Herbert Kaiser / Ernst Kočnik

 

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Stolpersteine auf dem Weg zur Gleichstellung ist eine Aktion von:

 

 

beratungs-, mobilitäts- und kompetenzzentrum, universitätsstr. 65, 9020 klagenfurt | letzte aktualisierung: 12.12.2004 | ek